| Studie: Kein Autismus-Risiko durch Paracetamol bei Schwangeren |
| 17.01.2026 18:25:00 |
Die Einnahme von Paracetamol während der
Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder
geistige Behinderungen - das bestätigt eine aktuelle
Übersichtsarbeit. Grundlage sei die Analyse von 43 großen,
qualitativ hochwertigen Studien, berichtet das Team im Fachjournal
"The Lancet Obstetrics, Gynecology, & Women's Health". Einbezogen
wurden Geschwistervergleiche - also Daten von Menschen, bei denen
sich die genetischen Grundlagen und Umweltfaktoren stark ähneln, die
die neurologische Entwicklung beeinflussen.
"Zusammen mit großangelegten, geschwisterkontrollierten Studien aus
Schweden und Japan, die 2024 und 2025 veröffentlicht wurden, belegen
unsere Ergebnisse die Sicherheit von Paracetamol bei sachgemäßer
Anwendung in der Schwangerschaft", lautet die Schlussfolgerung der
Experten.
Trump redet - Experten widersprechen
US-Präsident Donald Trump hatte schwangere Frauen bei einer
Pressekonferenz im September vor der Einnahme von Paracetamol - in
den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt - gewarnt. Er stellte
dabei einen Zusammenhang mit Autismus beim Kind her und sagte,
Schwangere sollten das Medikament nur im äußersten Notfall verwenden
und bei Kopfschmerzen oder Fieber lieber mal die Zähne
zusammenbeißen.
In sozialen Netzwerken kursiert Trumps Warnung seither - obwohl
Wissenschaftler direkt vehement widersprachen. Experten warnten
zudem, dass unbehandeltes Fieber und starke Schmerzen Mütter und
Babys einer ernsten Gefahr aussetzen können. Auch das Team der
aktuellen Übersichtsarbeit gibt zu bedenken, dass insbesondere
unbehandeltes Fieber der Mutter mit Fehlgeburten, angeborenen
Fehlbildungen, Frühgeburten und neurologischen Entwicklungsstörungen
in Verbindung gebracht wird.
Für Verzerrungen anfällige Grunddaten
Es gibt keine belastbaren wissenschaftlichen Belege, dass die
Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft Autismus oder
ADHS beim Kind verursacht. Zwar haben einzelne Studien eine mögliche
Verbindung nahegelegt. Experten sehen in deren Datengrundlage aber
Risiken für falsche Schlüsse. "Viele Analysen basieren auf den
Angaben der Mütter zum Paracetamol-Gebrauch, die anfällig für
Erinnerungsverzerrungen und Fehlklassifizierungen sind", heißt es in
der aktuellen Analyse. Mütter von Kindern, bei denen später eine
neurologische Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde, erinnerten
sich möglicherweise eher an die Einnahme von Medikamenten oder gäben
diese übertrieben an.
Die neue Analyse bestätige, dass es keinen klinisch bedeutsamen
Anstieg der Wahrscheinlichkeit einer Autismus-Spektrum-Störung, von
ADHS oder einer geistigen Behinderung bei Kindern von Schwangeren
gebe, die Paracetamol wie vorgeschrieben anwenden, erläutert das
Team um Asma Khalil vom St George's University Hospitals NHS
Foundation Trust in London. Berichteten Zusammenhängen zwischen
Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismus, ADHS oder
geistigen Behinderungen lägen eher mütterliche Faktoren wie
Schmerzen, Unwohlsein, Fieber oder genetische Veranlagung zugrunde
als eine direkte Wirkung des Paracetamols.
Häufigstes Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft
Paracetamol ist den Forschenden zufolge das am häufigsten verwendete
Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft und wird weltweit
als Mittel der ersten Wahl zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung
empfohlen. Der Einsatz werde unverändert weiter empfohlen, hieß es
nach den Trump-Sätzen unter anderem von der zuständigen europäischen
Gesundheitsbehörde Ema. "Wie jedes Arzneimittel zur Akutbehandlung
sollte es in der niedrigsten wirksamen Dosis, über den
kürzestmöglichen Zeitraum und so selten wie möglich angewendet
werden."
Paracetamol sollte also wie jedes andere wirksame Medikament nicht
leichtfertig eingenommen werden. Der Berufsverband der Frauenärzte
rät, dass Schwangere Medikamente grundsätzlich nur nach Rücksprache
mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt nutzen
sollten. Wolfgang Paulus von der Universitätsfrauenklinik Ulm
betonte, dass andere Mittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Opioide
in der Schwangerschaft nur mit erheblichen Einschränkungen
verwendbar und keinesfalls eine bessere Alternative seien.
Verunsicherung kann sich festfressen
Aussagen wie die von Trump sorgen Experten zufolge für Angst und
Schuldgefühle. Schwangere würden verunsichert und stellten womöglich
medizinische Empfehlungen infrage oder behandelten Schmerzen und
Fieber aus Sorge nicht ausreichend, sagte Anne Reinhardt von der
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Expertin für
Gesundheitskommunikation.
"Langfristig gesehen können sich solche Narrative dann festsetzen
und das Vertrauen in Medizin und Wissenschaft untergraben - selbst,
wenn die Datenlage dagegenspricht." Bekannt sei das von anderen
Gesundheitsmythen. "Die zigfach widerlegte Behauptung, dass die
Masern-Impfung zu Autismus führe, hält sich hartnäckig und
beeinflusst Impfentscheidungen noch heute."/kll/DP/zb
AXC0042 2026-01-17/18:25
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Autor: - dpa-AFX
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