| ROUNDUP: CSU drängt auf mehr Arbeitszeit-Flexibilität - DGB warnt |
| 17.01.2026 18:35:00 |
Die CSU macht Druck für eine rasche
Flexibilisierung der Arbeitszeitregeln in Deutschland. "Die nötigen
Reformen müssen wir in diesem Jahr auf den Weg bringen, damit sie
wirken können", sagte CSU-Generalsekretär Martin Huber der
"Augsburger Allgemeinen". Die im Koalitionsvertrag vereinbarte
Flexibilisierung müsse jetzt von der Bundesregierung schnell auf den
Weg gebracht werden. Eine Forderung, die der DGB kritisch sieht.
In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf
geeinigt, im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die
Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen
Höchstarbeitszeit zu schaffen. Dies wurde auch mit einer besseren
Vereinbarkeit von Familie und Beruf begründet.
Zur Ausgestaltung sollte der Dialog mit den Sozialpartnern geführt
werden. Im Koalitionsvertrag heißt es zudem: "Kein Beschäftigter
darf gegen seinen Willen zu höherer Arbeitszeit gezwungen werden.
Deshalb werden wir Missbrauch ausschließen."
Das Thema war vor wenigen Tagen durch eine Bemerkung von
Bundeskanzler Friedrich Merz wieder in den Blickpunkt gerückt. Beim
Neujahrsempfang der Wirtschaft in Halle antwortete der CDU-Chef auf
die Frage, welches Gesetz er streichen würde, wenn er die
Gelegenheit hätte: "Ich würde wahrscheinlich das Arbeitszeitgesetz
streichen."
Warnung vor Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten
Während Huber die Äußerung guthieß, kritisierte sie der
SPD-Sozialexperte und Vorsitzende des Bundestagsausschusses für
Arbeit und Soziales, Bernd Rützel. "Das Arbeitszeitgesetz ist ja ein
Gesundheitsgesetz. Will er denn die Gesundheit der Menschen aufs
Spiel setzen?", sagte Rützel der Zeitung. "Das wäre ein Schlag ins
Gesicht aller Leute, die morgens aufstehen, in den Betrieb oder ins
Büro fahren und den ganzen Tag schuften. Das Arbeitszeitgesetz
schützt genau diese Menschen", sagte Rützel.
Er betonte aber, die SPD werde sich an den Koalitionsvertrag halten
und mehr Flexibilität durch eine Wochenarbeitszeit schaffen. Niemand
werde aber gezwungen, länger zu arbeiten. "Die Pausen bleiben die
gleichen. Und wir schaffen eine elektronische Erfassung aller
Arbeitszeiten. Jede Minute muss bezahlt werden", stellte Rützel
klar.
DGB fürchtet 13-Stunden-Tage
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern hält wenig von
einer Flexibilisierung. Das würde faktisch die Abschaffung des
Acht-Stunden-Tages bedeuten, "mit Arbeitstagen von bis zu 13 Stunden
in der Folge", bemängelte der DGB in einer Mitteilung. Für Millionen
Beschäftigte sei das Arbeitszeitgesetz der einzig verlässliche
Schutz vor Überlastung und gesundheitlichen Schäden.
Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde durch die
Flexibilisierung nicht besser, sondern schwieriger. "Lange und
schlecht planbare Arbeitstage verschärfen Belastungen", stellte der
bayerische DGB-Vorsitzende Bernhard Stiedl fest. "Das
Arbeitszeitgesetz steht mit dem Acht-Stunden-Tag für Respekt vor der
Leistung der Beschäftigten. Es ist das Versprechen, dass das Leben
der Menschen nicht nur aus Arbeit besteht - und dieses Versprechen
darf nicht gebrochen werden."
Arbeitsministerin: Raus aus der Steinzeit
Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) begrüßte das Vorhaben
dagegen. "Das Arbeitszeitgesetz muss aus der Steinzeit raus - die
Arbeitswelt braucht Luft zum Atmen", sagte die Ministerin. "Ohne ein
modernes, flexibles, unbürokratisches und krisenfestes
Arbeitszeitgesetz kommt der so dringend benötigte wirtschaftliche
Aufschwung nicht. Die Neuerungen sind überfällig." Der Gesundheits-
und Arbeitsschutz stehe dabei natürlich nicht zur Disposition. "Das
Gesetz muss auch ein Schutzversprechen bleiben", so
Scharf./shy/DP/zb
AXC0046 2026-01-17/18:35
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Autor: - dpa-AFX
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