| ROUNDUP: Karlspreis für Draghi - 'Großes für Europa geleistet' |
| 17.01.2026 18:35:00 |
Für historische Verdienste um die europäische
Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank,
Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem
ehemaligen italienischen Regierungschef ehre man eine
Persönlichkeit, "die zielgerichtet und mit unerschütterlicher
Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat", begründete das
Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste
Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird
traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai.
Die Botschaft aus Aachen: "Überwindet das Klein-Klein"
"Mario Draghi hat als Präsident der Zentralbank den Euro gerettet -
fast im Alleingang, als er auf der Kippe stand", sagte der
Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet (CDU), der
Deutschen Presse-Agentur. Draghi hatte 2012 auf dem Höhepunkt der
Euro-Krise gesagt, die EZB werde tun, "whatever it takes" - was
immer nötig ist -, um die gemeinsame Währung zu sichern. "Sein Wort
"Whatever it takes" gilt heute mehr denn je", sagte Laschet. Draghi
sei deshalb neben seinen historischen Verdiensten gleichzeitig
hochaktuell.
Mit seinem Draghi-Report zur Wettbewerbsfähigkeit Europas habe er
genau die Handlungsempfehlung vorgelegt, die Europa jetzt zur
Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit benötige. Denn wenn Europa
nicht zum Spielball anderer Mächte werden wolle, müsse es
wirtschaftlich stark sein - davon hänge alles andere ab. "Deshalb
müsste "Whatever it takes" heute ein Leitmotto für die Kommission
sein", erklärte Laschet. Die Botschaft des Karlspreisdirektoriums
laute: "Überwindet das Klein-Klein. Setzt das um, was Mario Draghi
in seinem Bericht gefordert hat."
Draghi sieht Europa von inneren und äußeren Feinden bedroht
Der 78 Jahre alte Draghi zeigte sich in einer Videobotschaft
"äußerst dankbar" für die Ehrung. "Diese Entscheidung kommt zu einer
Zeit, zu der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn
je, sowohl innere als auch äußere Feinde", sagte er. Um die
Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je
zusammenstehen, mahnte er. "Wir müssen unsere selbst verschuldeten
Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch,
wirtschaftlich und politisch."
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)
nannte Draghi einen herausragenden Europäer und würdigen
Preisträger. Als EZB-Präsident und italienischer Ministerpräsident
habe Draghi für Verantwortung, Zusammenhalt und ein
wettbewerbsfähiges Europa gestanden, schrieb Wüst auf der Plattform
X.
Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern
Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener
Bürgern gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen
benannt, dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite
Teile Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als "Vater
Europas" bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis
mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von
einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten
zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer
(1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill
(1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte
Italiener, der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler
und Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea
Riccardi./cd/DP/zb
AXC0048 2026-01-17/18:35
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Autor: - dpa-AFX
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