| ROUNDUP/Neustart der Musterung: 'Hell, freundlich, zugewandt' |
| 18.01.2026 12:05:00 |
Zum Start des neuen Wehrdienstes hat die Bundeswehr
die Kapazitäten für die militärische Grundausbildung erhöht.
Insgesamt gebe es nun rund 35.000 bis 40.000 Ausbildungsplätze, sagt
der Personalchef der Streitkräfte, Generalleutnant Robert Sieger,
der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist eine deutliche Zunahme
gegenüber den letzten Jahren."
Sieger weist darauf hin, dass allerdings auch mehr künftige Fach-
und Führungskräfte die Grundausbildung durchlaufen werden. Die
Ausbildungsplätze seien also nicht nur für die mindestens 20.000
jungen Männer und Frauen, die in diesem Jahr für den neuen
Wehrdienst angeworben werden sollen.
Die Bundeswehr hatte am Donnerstag die ersten 5.000 Schreiben mit
Fragebögen zum Wehrdienst verschickt. Sie gehen an junge Menschen
des Jahrgangs 2008, die seit Jahresbeginn volljährig geworden sind.
Diese Briefe werden von Montag an eintreffen. Insgesamt umfasst der
Jahrgang 2008 knapp 700.000 junge Männer und Frauen.
Die Briefe enthalten einen QR-Code zum eigentlichen Fragebogen sowie
eine Broschüre und rechtliche Hinweise. Der Fragebogen wird online
ausgefüllt und umfasst Angaben etwa zu Körpergröße und Gewicht,
Gesundheitszustand, Fitness, Bildungsabschlüssen, vorhandener
Fahrerlaubnis und zur Bereitschaft, freiwillig zu dienen. Junge
Männer müssen, junge Frauen können ihn beantworten.
Der neue Wehrdienst ist aber freiwillig. Er soll mit zusätzlichen
Anreizen attraktiver werden, etwa mit mehr Geld und Zuschüssen zum
Führerschein.
Lernen von den Schweden: "Hell, freundlich, zugewandt"
In einem nächsten Schritt nach dem Fragebogen folgt die Musterung
mit der medizinischen Untersuchung auf Wehrtauglichkeit. An diese
erste Vorstellung bei der Bundeswehr hat die Vätergeneration nicht
nur gute Erinnerungen. Sieger - der Präsident des Bundesamts für das
Personalmanagement der Bundeswehr ist - verspricht nun eine viel
freundlichere Atmosphäre.
"Drei Worte: Hell, freundlich, zugewandt", sagt er und verweist auf
das Beispiel Schweden, an dem sich die Bundeswehr orientiere. "Es
ist nicht das dunkle, hinter vielen Zäunen verborgene Gebäude, das
den spröden Charme des letzten Jahrtausends atmet." Für den
Ersteindruck sei das absolut entscheidend.
Die Bundeswehr will dazu bis Juli nächsten Jahres 24 neue
Musterungszentren aufbauen und setzt auf acht Karriere-Center mit
einem sogenannten Assessment, die es schon gibt. Es sollen 17 der
neuen Musterungszentren über "Anmietungslösungen" geschaffen werden.
Freundlicher Einstieg und Blick auf das scharfe Ende
"Bei der Musterung geht es allein um die Feststellung der
Wehrtauglichkeit. Daneben sprechen wir über ein Assessment, wenn es
um eine Einstellung für eine konkrete Verwendung geht", sagt Sieger.
"Bei allen Beratungen thematisieren wir sehr klar, dass Soldatin
oder Soldat zu sein eben kein Beruf ist wie jeder andere, sondern
dass es natürlich auch ein scharfes Ende gibt."
Um die Fragebögen zum neuen Wehrdienst auszufüllen, sind nach
Angaben der Bundeswehr etwa 15 Minuten nötig. Wenn junge Männer dies
fortgesetzt und nach Erinnerungsschreiben verweigern, handelt es
sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße belegt
werden kann.
Die Daten werden bei der Bundeswehr automatisiert ausgewertet und
aufbereitet. Dafür brauche es kein großes Team, sondern eine gute
digitale Lösung, die gefunden sei, sagt Sieger.
Auch in der Bundeswehr ist man gespannt auf die Selbstauskünfte, die
auch Rückschlüsse auf den sogenannten Wehrwillen möglich machen. "Es
gibt Untersuchungen, die sagen, kaum jemand von den jungen Leuten
ist bereit, unser Land auch mit der Waffe zu verteidigen. Und
genauso gibt es Untersuchungen mit ganz anderen Ergebnissen. Das
heute festzustellen wäre ein Blick in die Glaskugel", sagt Sieger.
"Wir werden sicherlich im Laufe des Jahres aus den Antworten ein
gutes Gefühl dafür bekommen, wie es tatsächlich aktuell aussieht."
"Gar kein Problem": Die Eltern können mit
Und auch die Mama darf mit: Schon jetzt sei es in den
Karrierecentern mit Assessment gang und gäbe, dass die Eltern oder
ein Bruder mitgingen und auch bei den Beratungen dabei seien, sagt
der Generalleutnant auf eine entsprechende Frage. "Das ist für uns
gar kein Problem. Es ist nicht nötig, weil wir eine durchgängige
Betreuung in diesen Musterungszentren anbieten. Es wird keiner
allein gelassen", sagt er. Es seien dabei Formalien zu erfüllen -
wie zur ärztlichen Schweigepflicht.
"Wir wissen und haben durch entsprechende wissenschaftliche
Untersuchungen festgestellt, dass oftmals tatsächlich der Austausch
zwischen den Eltern und den jungen Leuten ganz wichtig ist."
Allerdings ist die Musterung für junge Männer verpflichtend, wenn
sie dazu einbestellt werden.
Was nicht geht: Drogen, Extremismus, Straftaten
Es gibt auch mehrere Ausschlussgründe für den Dienst in den
Streitkräften. "Erkannte Extremisten haben in der Bundeswehr nichts
verloren. Das ist Punkt eins. Menschen mit extremistischer
Gesinnung, die stellen wir nicht ein", sagt Sieger.
Das zweite ist das Thema illegale Drogen. Wie auch immer es in
anderen Armeen ist, für die Bundeswehr gilt: "Keine illegalen
Drogen. (...) Auch dort, wo medizinisch indiziert ist, dass
beispielsweise Cannabinoide zu nehmen sind, passt das mit dem Dienst
an der Waffe nicht zusammen. Das würde keinen Weg in die Bundeswehr
erlauben."/cn/DP/zb
AXC0039 2026-01-18/12:05
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Autor: - dpa-AFX
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