| ROUNDUP 3/'Fast drei Wochen': Merz kritisiert Fehltage wegen Krankheit |
| 18.01.2026 15:05:00 |
Wegen des hohen Krankenstands stellt
Bundeskanzler Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung
infrage. Darüber müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen,
sagte der CDU-Vorsitzende im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg.
Bei SPD, Grünen, Linken und BSW traf das auf Kritik. Die
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gab ihm hingegen recht.
Merz sagte in Bad Rappenau, die Beschäftigten in Deutschland kämen
im Schnitt auf 14,5 Krankentage. "Das sind fast drei Wochen, in
denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht
arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?"
Kritik an Krankschreibung per Telefon
Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass
die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte Merz. Die
telefonische Krankschreibung nannte er als Beispiel. Diese gilt seit
2021, die Union dringt auf eine Abschaffung. "Während der Coronazeit
begründet richtig, heute immer noch?", fragte der Kanzler.
Er sagte auch: "Am Ende des Tages muss stehen, dass wir alle
zusammen in dieser Bundesrepublik Deutschland eine höhere
volkswirtschaftliche Leistung gemeinsam erreichen, als wir sie
gegenwärtig erreichen."
Auch Kassenärzteverband-Chef Andreas Gassen sieht die
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung allein nach Telefonkontakt mit dem
Arzt kritisch. Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
lade "natürlich" zum Missbrauch ein, sagte er dem "Tagesspiegel".
"Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand
wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht", sagte Gassen.
"Krankmachende Arbeitsbedingungen"
Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wandte sich im
"Tagesspiegel" aber gegen ein Ende der telefonischen
Krankschreibung. Eine Verbesserung beim Krankenstand lasse sich
durch "Vorbeugemedizin" erreichen. "Das gelingt uns durch
Früherkennung, etwa von Bluthochdruck, durch eine Erhöhung der
Tabaksteuer und andere präventive Maßnahmen - und nicht durch
Gängelei der Kranken."
Auch Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling meinte: "Wer den
hohen Krankenstand beklagt, sollte über Überlastung, Personalmangel
und krank machende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten
fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen." Grünen-Chefin Franziska
Brantner sagte, wirtschaftlich sei es klar, "dass wir mehr arbeiten
müssen". Nötig seien aber gute Rahmenbedingungen, etwa verlässliche
Kinderbetreuung.
Elektronische Erfassung
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage
krankgemeldet - ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu
2021. Die Zunahme dürfte nach Einschätzung des Bundesamts unter
anderem auf die Einführung der elektronischen
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Anfang 2022 zurückzuführen sein:
Damit würden die Krankmeldungen genauer erfasst.
Davon geht auch eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025
aus. Treiber für zusätzliche Fehltage seien unter anderem
Atemwegserkrankungen. Bei der telefonischen Krankschreibung sah die
AOK-Studie hingegen "keinerlei Anzeichen für einen systematischen
Missbrauch". Drei von vier für die Studie befragten Beschäftigten
nannten die telefonische Krankschreibung damals sinnvoll oder sehr
sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt müsse und Kontakt zu anderen
Patienten im Wartezimmer vermeiden könne.
Klausel im Koalitionsvertrag
Union und Arbeitgeberverbände fordern trotzdem schon länger das Ende
der telefonischen Krankschreibung. Im Koalitionsvertrag von Union
und SPD ist jedoch nicht von Abschaffung, sondern von Korrekturen
die Rede: "Die telefonische Krankschreibung werden wir so verändern,
dass Missbrauch zukünftig ausgeschlossen ist (zum Beispiel
Ausschluss der Online-Krankschreibung durch private
Online-Plattformen)."/and/DP/zb
AXC0058 2026-01-18/15:05
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Autor: - dpa-AFX
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