| WDH/ROUNDUP: Behörde schlägt lokale Zwangsabschaltung von DSL-Netz vor |
| 19.01.2026 16:12:00 |
(technische Wiederholung)
BONN (dpa-AFX) - Damit das recht langsame Internet über
Telefonleitungen - DSL oder VDSL genannt - endlich zum Auslaufmodell
wird, setzt die Bundesnetzagentur die Deutsche Telekom
unter Druck. Die Regulierungsbehörde stellte ein
Konzeptpapier vor, das eine lokale DSL-Abschaltpflicht für den
Magenta-Konzern vorsieht. Dadurch sollen Glasfaser-Kabel, die
stabileres und schnelleres Internet ermöglichen als die dünnen
Telefonleitungen aus Kupfer, stärker genutzt werden. Dies wiederum
würde Investitionen in diese zukunftsträchtige Glasfaser-Technologie
belohnen.
Es geht um lokale DSL-Abschaltungen, die auf lange Sicht
schrittweise zu einem bundesweiten Abschied von der in die Jahre
gekommenen Technologie führen sollen. Die ersten DSL-Abschaltungen
in bestimmten Gebieten könnten etwa ab 2030 erfolgen.
Glasfaser-Investitionen zahlen sich bislang nicht aus
In Deutschland werden zwar Milliardenbeträge in den Glasfaser-Ausbau
investiert, die tatsächliche Nutzung durch die Menschen ist aber
eher verhalten. Das ist für Investoren ein Problem, schließlich
verdienen sie mit ihrem Highspeed-Internet weniger Geld als gedacht.
Vielen Menschen genügt offenbar ihr alter DSL-Vertrag. Laut einer
Marktstudie des Branchenverbandes VATM hatten zum Jahreswechsel 23
Millionen Haushalte und Unternehmen in Deutschland noch
DSL/VDSL-Internet, das waren 0,7 Millionen weniger als ein Jahr
zuvor. Ähnlich moderat war der Rückgang in den Vorjahren.
Zugleich stieg die Anzahl der Glasfaser-Kabel, die in der Straße
oder bis ins Haus liegen, deutlich stärker. 2025 ging es laut
VATM-Studie um 3,7 auf 24,8 Millionen Haushalte hoch. Hierbei kommt
circa die Hälfte von der Telekom und die andere von Wettbewerbern,
etwa von der Firma Deutsche Glasfaser.
Telekom möchte DSL-Abschaltung selbst entscheiden
Die Telekom hat angesichts ihrer hohen Glasfaser-Investitionen
durchaus ein Eigeninteresse, wenn mehr Kunden von DSL auf Glasfaser
wechseln. Allerdings möchte der Bonner Konzern seine langjährigen
Kunden nicht verprellen. Es darf bezweifelt werden, ob frustrierte
Kunden, denen die Telekom das DSL abstellt, einen Glasfaser-Vertrag
bei der Telekom unterschreiben würden. Gut möglich, dass sie zur
Konkurrenz wechseln. Die Telekom möchte selbst entscheiden, wann sie
wo den Betrieb von DSL-Leitungen in einer Gegend beendet.
Ein Telekom-Sprecher sagte, die Netzagentur blende aus, dass nicht
Zwang, sondern der Wettbewerb um den Kunden entscheidend sei. Er
forderte, bei der Abkehr von Kupfer auch Kabelnetze in den Blick zu
nehmen - also das Internet über Fernseh-Kupferkabel, die vor allem
Konkurrent Vodafone nutzt. Aus Sicht der Telekom
sollten diese Fernsehkabel bei einer möglichen Abschaltpflicht
einbezogen werden. Das Konzeptpapier sei ein Debattenbeitrag, das
man nun im Detail prüfen werde, so der Telekom-Sprecher.
Konzeptpapier mit bitteren Pillen für beide Seiten
Das Regulierungskonzept der Behörde ist eine Empfehlung an das
Bundesdigitalministerium, ein entsprechendes Gesetz zu erarbeiten.
Dem Papier zufolge soll in einem Gebiet ein "Migrationsprozess" von
Kupfer auf Glasfaser eingeleitet werden können, in der mindestens 80
Prozent der Haushalte und Unternehmen Glasfaser bis in die Wohnung
oder ins Büro liegt - es geht um "Fiber to the Home" (FTTH) und
"Homes connected", der bundesweite Anteil liegt hierbei derzeit laut
Bundesnetzagentur nur bei 21 Prozent. In manchen Kommunen ist der
Wert aber schon deutlich höher.
Das Konzeptpapier sieht aber nicht nur eine bittere Pille für die
Deutsche Telekom vor, sondern auch für deren Wettbewerber. Denn eine
Voraussetzung für die Einleitung der DSL-Abschaltung soll sein, dass
das Glasfasernetz der Telekom-Konkurrenten nutzbar sein soll für
alle ("Open Access").
Bislang sind die Telekom-Konkurrenten dazu nicht gezwungen, künftig
sollen sie es sein. Sie müssten also auch den ehemaligen
Staatsmonopolisten auf ihr lokales Glasfaser-Netz lassen, bevor die
DSL-Abschaltung eingeleitet werden kann. Zwar sind Kooperationen der
verschiedenen Internetanbieter üblich, sie sind aber freiwillig -
und geschehen nicht über ein staatliches Druckmittel.
Sollten die Vorschläge der Netzagentur in ein Gesetz münden, würde
es noch dauern, bis deswegen in ersten Gegenden DSL abgeschaltet
wird. Denn das Papier enthält umfangreiche Fristen: Drei Jahre vor
der tatsächlichen Abschaltung sollen die Nutzer darüber informiert
werden und zwei Jahre vor dem lokalen DSL-Aus darf dort kein
DSL-Vertrag mehr verkauft werden. Wird also 2027 ein Gesetz
beschlossen, könnte es im Jahr 2030 zu den ersten lokalen
DSL-Abschaltungen in Deutschland kommen.
"Der Wechsel auf Glasfaser ist ein zukunftsorientiertes
Internet-Upgrade für Deutschland", sagt Netzagentur-Chef Klaus
Müller. Verbraucher sollten früh und ausführlich über alle Schritte
des Übergangs informiert werden. "Sie sollen auch in der
Glasfaserwelt zwischen verschiedenen Anbietern und fairen Preisen
wählen können."/wdw/DP/mis
ISIN DE0005557508 GB00BH4HKS39
AXC0207 2026-01-19/16:12
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Autor: - dpa-AFX
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