| Kommission: Österreich soll Wehrdienst verlängern |
| 20.01.2026 11:56:00 |
Österreich muss nach Empfehlungen einer
Experten-Kommission den Grundwehrdienst deutlich verlängern und so
seine Verteidigungsfähigkeit steigern. Angesichts der geopolitischen
Spannungen sei ein Nicht-Handeln keine Option, sagte
Kommissionsvorsitzender Erwin Hameseder. Konkret soll die
militärische Ausbildung künftig zehn Monate dauern - aktuell sind
sechs Monate Pflicht. Entsprechend solle die Dauer des Zivildienstes
von neun auf zwölf Monate steigen. Österreich ist militärisch
neutral und gehört nicht der Nato an.
Die Notwendigkeit einer Reform sei unbestritten, sagte
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) zum Ergebnis der von
ihr eingesetzten Kommission. Sie lege dabei Wert auf einen breiten
politischen Konsens.
Veränderungen sollen bereits 2027 starten
Mit der jetzigen Aufstellung seien die Aufgaben des Bundesheeres
nicht zu erreichen, sagte Kommissionsmitglied Walter Feichtinger. Es
gehe insbesondere darum, eine Mobilmachung und Einsatzfähigkeit
innerhalb weniger Tage zu ermöglichen. Momentan sei mit mindestens
zwei Monaten zu rechnen, so der Bericht. Die Veränderungen bei Wehr-
und Zivildienst sollten bereits zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden.
Die Bevölkerungsentwicklung und die sinkende Tauglichkeit bewirkten,
dass aktuell nur etwa jeder Dritte eines Geburtsjahrgangs entweder
Wehrdienst oder Wehrersatzdienst (Zivildienst) leiste, heißt es im
Kommissionsbericht.
Österreichs Bürger stimmten 2013 für Wehrpflicht
Österreich hatte als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht in
Deutschland 2011 ebenfalls über die Zukunft seiner Armee diskutiert.
Bei einer Volksbefragung 2013 sprachen sich knapp 60 Prozent der
Bürger für eine Beibehaltung der Wehrpflicht aus. Neben Soldaten in
der Ausbildung gibt es in Österreich auch Berufssoldaten und
Milizionäre - also militärisch ausgebildete Zivilisten. In Summe
wären im Verteidigungsfall rund 50.000 Soldaten mobilisierbar.
Experte: "Trend zur Berufsarmee ist gestoppt"
Die Kommission stützte sich bei ihren Empfehlungen auch auf
Erkenntnisse aus einem europaweiten Überblick. "Der Trend zur
Berufsarmee ist eindeutig gestoppt", sagte Feichtinger weiter. Es
sei eine Wiederbelebung der Wehrpflicht zu erkennen. Außerdem
spielten vor allem in Skandinavien Frauen in der Armee eine immer
wichtigere Rolle. Der Grundgedanke einer "gesamtstaatlichen
Resilienz" sei erkennbar, hieß es. In Deutschland wird vor allem von
konservativer Seite eine Wiedereinführung der Wehrpflicht
diskutiert./mrd/DP/jha
AXC0138 2026-01-20/11:56
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Autor: - dpa-AFX
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