| Aktien Frankfurt: Zollsorgen haben den Dax weiter im Griff |
| 20.01.2026 14:21:00 |
Die am Wochenende wieder aufgeflammten
Zollsorgen haben den deutschen Aktienmarkt auch am Dienstag deutlich
belastet. Für den Dax , der zum Wochenauftakt wieder
unter die runde Marke von 25.000 Punkten gerutscht war, geht die
Korrektur der vorherigen Rekordjagd weiter. Erstmals seit Anfang
Dezember fiel er wieder unter seine 21-Tage-Durchschnittslinie, die
den kurzfristigen Trend abbildet.
Der deutsche Leitindex sank um bis zu 1,8 Prozent auf 24.507 Punkte.
In der Vorwoche hatte er 1.000 Punkte höher noch eine Bestmarke von
25.507 Punkten erreicht. Bis zum Nachmittag schmolzen der Rückschlag
aber etwas ab und der Dax lag mit 24.632 Punkten noch 1,3 Prozent im
Minus.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte verlor derweil
1,9 Prozent auf 30.788 Punkte und konnte sich damit deutlich weniger
von seinem Tagestief absetzen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
lag am Nachmittag noch gut ein Prozent im Minus. Er
hatte in der Vorwoche wie der Dax einen Rekord erreicht.
US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen Anlegern am
Wochenende die Laune verhagelt. Wegen des Grönland-Streits hatte er
Strafzölle ab Februar angekündigt, die zum 1. Juni Zölle noch
steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch
die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische
Nato-Länder, darunter auch Deutschland.
Aufgrund des US-Feiertags zu Wochenbeginn hatten die Anleger dort
noch keine Chance, auf die Zolldrohungen von Trump zu reagieren. Die
aktuelle Indikation des Brokers IG deutet auf einen etwa 0,8 Prozent
tieferen Start des marktbreiten S&P 500 im Vergleich
zum Handelsende am Freitag hin.
Die Verschärfung der transatlantischen Spannungen und die neue
Zollunsicherheit nagten an der europäischen Anlagestory, schrieb
Beata Manthey, Aktienmarktstrategin der Citigroup. Es liege nun ein
Schatten über der erwarteten Gewinnbelebung europäischer Konzerne.
Manthey strich daher ihre Präferenz für Aktien Kontinentaleuropas
und schätzt sie im globalen Kontext nur noch neutral ein - erstmals
seit mehr als einem Jahr, wie sie betonte. Mit Blick auf einzelne
Branchen ist sie besonders skeptisch für Auto- und Chemiekonzerne.
Hier hält sie eine Belebung der Gewinnentwicklung für besonders
schwierig.
Optimistischer äußerte sich Marina Zavolock von Morgan Stanley. Die
neue Zolleskalation erschwere die Lage insgesamt zwar, allerdings
seien die Belastungen höchst individuell, so die Anlageexpertin. Und
letztlich werde Europa in seinem Kurs zu mehr Eigenständigkeit und
Eigenverantwortung bestärkt, was nicht nur Rüstungsinvestitionen,
sondern auch der Reformagenda insgesamt Schub geben dürfte.
Zunächst besonders gelitten hatten am Montag europaweit Autowerte
und Technologiewerte. Der Auto-Branchenindex war zeitweise auf den
tiefsten Stand seit Oktober abgesackt. Am Dienstagnachmittag lag er
dann aber an der Spitze des Branchentableaus. Mutige Anleger suchten
vor allem bei BMW und Renault wieder
ihre Chance. Auch Mercedes und VW
blieben am Dienstag deutlich über ihren Vortagestiefs.
Bei Siemens Energy strichen Anleger derweil weiter
Gewinne ein. Die Papiere der Münchner hatten mit ihrem Rekord am
vergangenen Freitag 2026 bereits wieder 13 Prozent gewonnen, nachdem
sie sich im Vorjahr mit plus 139 Prozent deutlich mehr als
verdoppelt hatten.
FMC fielen auf das tiefste Niveau seit Herbst 2024
zurück. Der Dialysekonzern bekomme 2026 aus einigen Richtungen
Gegenwind, schrieb Richard Felton von Goldman Sachs und strich seine
Kaufempfehlung. Gleiches vollzog er bei Carl Zeiss Meditec
, was die Aktien der Jenaer auf ein weiteres Tief seit
dem Jahr 2017 zurückwarf. Felton rechnet mit einem mauen ersten
Quartal.
Traton weiteten ihr Korrektur nach Absatzzahlen deutlich aus. Im
vierten Quartals habe es zwar den üblichen saisonalen Schub gegeben,
schrieb Leon Mühlenbruch von MWB Research. Der Absatz sei aber unter
dem Vorjahresniveau geblieben. Dies gelte auch für das Gesamtjahr.
Das Geschäft in Europa sei gut gelaufen, es sei aber durch Druck aus
den USA und Brasilien überschattet worden.
Hypoport rutschten im SDax gar um bis
zu 14,5 Prozent zurück Richtung November-Zwischentief. Beim
Finanzdienstleister ist die Nachfrage nach Immobilienkrediten im
vierten Quartal nach einem bis dahin starken Jahr leicht
zurückgegangen.
Derweil schafften Salzgitter hauchdünn einen
neuerlichen Höchststand seit dem Jahr 2018. Das Investmenthaus Oddo
BHF änderte seine Meinung komplett und sprach nach bisheriger
Skepsis eine Empfehlung aus./ag/mis
ISIN DE0008469008 EU0009658145 DE0008467416
AXC0208 2026-01-20/14:21
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Autor: - dpa-AFX
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