| ams-Osram - AR trat zusammen, Premstätten-Belegschaft verunsichert / Standort in Premstätten bei Graz hat rund 1.300 Beschäftigte - ams Osram in fortgeschrittenen Gesprächen über Verkauf einzelner Geschäftsaktivitäten |
| 21.01.2026 15:07:00 |
In Sachen möglicher Veränderungen der
Anteilsstruktur des Mikroelektronikkonzerns ams-Osram mit Sitz in
Premstätten bei Graz gab es am Mittwoch eine außerordentliche
Aufsichtsratssitzung (AR). Mit Ergebnissen wird laut Medienberichten
noch nicht gerechnet. In einem offenen Brief der Belegschaft von
Premstätten wurde Kritik an der Entwicklung und an den handelnden
Personen geübt. Das Unternehmen will über Verkaufserlöse Schulden
abbauen.
Zu Beginn der Vorwoche war bekannt geworden, dass ams-Osram sich
zur Reduzierung seiner Schulden von Geschäftsteilen trennen wolle.
Der österreichisch-deutsche Chip- und Sensorhersteller hatte als
Reaktion auf Marktgerüchte in einer Pflichtmitteilung bestätigt,
dass man sich in fortgeschrittenen Gesprächen über den Verkauf
einzelner Geschäftsaktivitäten befinde. Die angestrebte Transaktion
sei Teil des im April 2025 angekündigten Plans zur beschleunigten
Entschuldung, hatte der Konzern mitgeteilt. Ziel seien
Verkaufserlöse von weit mehr als 500 Mio. Euro. Der Standort in
Premstätten südlich von Graz mit rund 1.300 Beschäftigten solle
dabei langfristig gesichert werden. Zum Ausgang der Gespräche könne
das Unternehmen keine Zusicherungen geben. Von Medien waren zuletzt
der Mitbewerber Infineon bzw. ein Konsortium als Interessent für
einen Anteils- oder Teilbereichsverkauf gehandelt worden.
Bestätigungen von Unternehmensseite gab es dafür bisher nicht.
EU-Förderung für Großprojekt
ams-Osram hatte im Mai 2024 bekanntgegeben, dass am Standort eine
neue Fertigungsanlage in einem Reinraum im Volumen von 588 Mio. Euro
bis 2030 geplant sei. Unterstützt werden sollte das Vorhaben durch
eine Förderung von rund 200 Mio. Euro im Rahmen des European Chips
Act (ECA). Dies sollte mittelfristig bis zu 250 Jobs schaffen. Im
Februar 2025 hatte dann die EU-Kommission einer
227-Mio.-Euro-Förderung der Republik Österreich für ams-Osram in
Premstätten bei Graz zugestimmt. Mit der Maßnahme sollte auch
Europas Sicherheit in Sachen Versorgung, Resilienz und
technologischer Autonomie bei Halbleiter-Technologien gestärkt
werden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hatte
dazu bereits vergangenen Samstag in der Ö1-Radiosendung "Im Journal
zu Gast" festgehalten: "Sollte die Produktion eingestellt oder
verlagert werden, wird jeder Steuereuro zurückgefordert".
Die Unwägbarkeiten haben offenbar auch Besorgnis bei den
Beschäftigten in der Steiermark ausgelöst. Diese Woche hatte es
einen - der APA vorliegenden - offenen Brief der Belegschaft an
Firmenchef Aldo Kamper und den Aufsichtsrat gegeben, in dem von
"einem tiefgreifenden und weit verbreiteten Vertrauensverlust
innerhalb der Belegschaft" die Rede war. Die strategische
Verantwortung für die Entwicklung des Unternehmens liege bei Kamper
und dem Gremium. "Unter Ihrer Führung hat sich die Situation am
Headquarter Premstätten kontinuierlich verschlechtert. Sämtliche
Management-Positionen (Management Board) wurden vom Headquarter
Premstätten überwiegend nach Deutschland zu OSRAM verlagert", wurde
kritisiert.
"Standortmanagement nicht einbezogen"
Entscheidungen seien zentralistisch, intransparent und ohne
ernsthafte Einbindung österreichischer Mitarbeiter und Manager
getroffen worden, hieß es weiter. Strategien würden im Takt
innerhalb weniger Monate, ohne nachvollziehbare Erklärung oder
erkennbare Gesamtvision wechseln. Dies führe dazu, dass
"Know-how-Trägerinnen und langjährige Kollegen unser tolles und bis
zur Osram-Übernahme hoch-profitables Unternehmen ams verlassen". Was
über viele Jahre aufgebaut wurde, werde systematisch entwertet,
konstruktive Vorschläge vom Standortmanagement wurden abgetan,
kritische Stimmen marginalisiert. Man fordere ein klares Bekenntnis
zum Headquarter in Premstätten als österreichisches Unternehmen,
hieß es in dem Schreiben, in dem auch Kamper der Rücktritt nahe
gelegt und vom Aufsichtsrat gefordert wird, dass "im Sinne eines
erfolgreichen österreichischen Leitbetriebes gehandelt wird, damit
wir wieder erfolgreich wirtschaften können".
pek/ha/cri
ISIN AT0000A18XM4
WEB https://ams-osram.com/
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Autor: - APA/pek/ha/cri
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