| Deutsche Börse-News: "Als hätten sie?s gewusst" (Marktstimmung) |
| 22.01.2026 10:40:00 |
Hiesige Anleger nutzen günstige
Preise zum Einstieg und nehmen Gewinne von der Short-Seite mit. Das
belastet deutsche Bluechips, wertet Goldberg die Marktlage.
22. Januar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Wir müssen
eigentlich nur eine Woche zurückgehen, da war die Welt für viele
internationale Investoren noch eine andere. Dies vermittelt
zumindest die gestern veröffentlichte Fondsmanagerumfrage der Bank
of America, die allerdings noch vor den von US-Präsident Donald
Trump erhobenen Strafzöllen gegenüber einigen europäischen Ländern
am 15. Januar abgeschlossen wurde. Die Umfrage zeigt einen hohen
Grad an Risikofreude, was sich etwa in einer rekordniedrigen
Kassenquote von 3,2 Prozent bei den internationalen
Vermögensverwaltern widerspiegelt. Auch gaben netto 48 Prozent der
Befragten an, global in Aktien übergewichtet zu sein. Allerdings
nicht in Aktien der USA. Eine kleine Mehrheit von 3 Prozent der
Befragten erklärte, dort untergewichtet zu sein. Auf der anderen
Seite hat sich - wie von uns vermutet - die Anzahl derer, die
angaben, in Aktien der Eurozone übergewichtet zu sein, gegenüber dem
Vormonat erhöht, und zwar von netto 18 auf 25 Prozent - ein Indiz
dafür, dass es Kapitalzuflüsse in die Eurozone gegeben haben dürfte.
Heute, eine Woche später, blickt man vielerorts gespannt auf das
Weltwirtschaftsforum in Davos, wo US-Präsident Donald Trump heute
eine Rede halten möchte, die wahrscheinlich gegen 14:30 Uhr
stattfinden soll. Im Vorfeld hatten sich europäische Aktien bereits
seit Anfang der Woche deutlich abgeschwächt, alleine der DAX verlor
seit unserer letzten Stimmungserhebung zeitweise bis zu 3,5 Prozent
an Wert und hat danach nur unwesentlich verlorenes Terrain wieder
zurückerobert.
Ganz schön mutig
Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass die von uns befragten
institutionellen Investoren in der Mehrheit etwas von diesen
Kursverlusten geahnt hätten, denn seit der vergangenen
Sentiment-Erhebung schlägt immer noch ein Minus von 3 Prozent für
den DAX zu Buche. Allerdings scheinen einige der Pessimisten aus der
Vorwoche nicht davon auszugehen, dass das Börsenbarometer noch
stärker fallen wird. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist
um 16 Punkte auf einen neuen Stand von -2 gestiegen. Im gleichen
Zuge hat sich das Bullenlager um 11 Prozentpunkte vergrößert, wobei
sich dieser Zuwachs jeweils etwa zur Hälfte aus ehemaligen
Pessimisten und vormals neutral eingestellten Investoren speist. Mit
anderen Worten: Bei den ehemaligen Pessimisten wurden nicht nur
Gewinne mitgenommen, sondern - allerdings insgesamt in
überschaubarer Größenordnung - sogar neue bullishe Engagements in
die Schwäche gewagt.
Vorsichtige Privatanleger
Ganz anders ist es um die Stimmung bei den Privatanlegern bestellt.
In diesem Panel ist der Deutsche Börse Sentiment-Index nämlich um 15
Punkte auf einen neuen Stand von +4 gefallen, also in die
entgegengesetzte Richtung. Vergleicht man die Angaben der
Anlegenden, die wir über Social Media befragen, mit denen der
übrigen Angehörigen dieses Panels, zeigt sich, dass in beiden
Gruppen der Trend in Richtung Bärenlager ganz ähnlich ist. Unter dem
Strich beobachten wir ein deutliches Plus bei den Pessimisten von 9
Prozentpunkten, wobei interessanterweise zwei Drittel dieser neuen
Bären vormals bullish gestimmt waren und in einem fallenden Markt,
offenbar zum Teil sogar mit Verlusten, diszipliniert die Reißleine
gezogen haben.
Während also die Privatanleger mit sehr gemischten Gefühlen in
Richtung Davos zu blicken scheinen, ist ein Teil der
institutionellen Investoren zuletzt in Form von Dip-Käufen aktiv
gewesen. Am Ende ist somit die Stimmungskluft zwischen diesen beiden
Panels gegenüber der Vorwoche deutlich geschrumpft. Unter dem Strich
lässt sich bei beiden eine recht deutliche Polarisierung zwischen
Bullen und Bären erkennen, insgesamt kann man von einer neutralen
Ausgangslage vor dem wichtigen Ereignisrisiko, der Rede Donald
Trumps und den damit wahrscheinlich verbundenen Gesprächen in Davos,
sprechen. Allerdings dürften die institutionellen Bullen von heute
den DAX auch bei einem positiven Ausgang nur dann die Treue halten,
wenn eine mögliche Erholung schnell vonstatten geht. So gesehen ist
der DAX Sentiment-technisch belastet.
von Joachim Goldberg
22. Januar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG
verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und
Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0112 2026-01-22/10:40
|
Autor: - DEUTSCHE-BOERSE AG
|
| Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 23.502,25 | -228,67 | -0,96% |
| TecDax | 3.559,66 | -39,53 | -1,10% |
| MDAX | 29.519,42 | 37,67 | 0,13% |
| Dow Jones (EOD) | 46.225,15 | -768,11 | -1,63% |
| Nasdaq 100 | 24.425,09 | -355,32 | -1,43% |
| S & P 500 (EOD) | 6.624,70 | -91,39 | -1,36% |
| SMI | 12.765,48 | 0,00 | 0,00 |
|
| EUR/US$ | 1,1454 | 0,00 | 0,02% |
| EUR/Yen | 182,4295 | -0,68 | -0,37% |
| EUR/CHF | 0,9072 | -0,00 | -0,13% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8636 | -0,00 | -0,02% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | 0,35% |
| CHF/US$ | 1,2625 | 0,00 | 0,08% |
|
| baha Brent Indication | 112,08 | 2,04 | 1,86% |
| Gold | 4.870,02 | -136,97 | -2,74% |
| Silber | 78,52 | -1,72 | -2,14% |
| Platin | 2.061,42 | -92,12 | -4,28% |
| |
|
|