| ROUNDUP/Quartal schwach: Carl Zeiss Meditec verabschiedet sich von Jahresziel |
| 22.01.2026 12:41:00 |
Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec
wird nach einem schwachen Auftakt seine Jahresziele
voraussichtlich nicht erreichen. Diese sollen nun überprüft werden,
da das Resultat der ersten drei Monate deutlich unter dem Vorjahr
liege, teilte das Jenaer Unternehmen am Donnerstag überraschend mit.
An der Börse reagierten die Anleger geschockt, die Aktie brach auf
die Nachrichten ein.
Vor allem der chinesische Markt macht dem Konzern weiter zu
schaffen. Der Vorstand wolle "schnellstmöglich" ein präzisiertes
Jahresziel vorstellen, spätestens aber im Rahmen der
Halbjahresergebnisse am 12. Mai, hieß es weiter. Zudem solle es ein
Update zu Umbau- und Sparmaßnahmen geben.
Das im Mittelwerteindex MDax notierte Papier verlor
zeitweise mehr als 14 Prozent und erreichte nahe der 30-Euro-Marke
das niedrigste Niveau seit Juni 2016. Nach einem Rekordhoch in der
Coronapandemie bei 202 Euro im September 2021 war die Aktie bisher
stetig in einem Abwärtstrend gefangen, belastet etwa durch eine
schwächelnde Ergebnisentwicklung, Probleme in China und
Managementwechsel.
Die Gewinnwarnung signalisiere sinkende Konsensprognosen, wobei das
Ausmaß unklar sei, schrieb Jack Reynolds-Clark von der kanadischen
Bank RBC in einer ersten Reaktion. Analyst David Adlington von der
US-Bank JPMorgan gab bereits eine konkretere Einschätzung ab:
Angesichts des unerwartet schwachen ersten Quartals müssten die
Schätzungen für das operative Jahresergebnis nun um rund zehn
Prozent sinken, glaubt er.
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) sank vorläufigen
Berechnungen des Unternehmens zufolge der Umsatz auf 467 Millionen
Euro, nach 490 Millionen ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita)
sackte von 35 auf 8 Millionen Euro.
Für die verhaltene Entwicklung machte der Hersteller von
Intraokularlinsen, Operationsmikroskopen und Diagnosegeräten für die
Augenheilkunde erhebliche negative Währungseffekte verantwortlich.
Obendrein sei das Vorquartal durch außergewöhnlich starke
Auslieferungen von Geräten geprägt gewesen.
Belastend hinzu kamen den Angaben zufolge Umsatzeinbußen bei einer
bifokalen Intraokularlinse in China und zeitliche Verschiebungen der
Nachfrage nach refraktiven Augenbehandlungen rund um das chinesische
Neujahrsfest. Auch verwies der Konzern auf ein zunehmend schwächeres
Investitionsumfeld in der Region Americas aufgrund zunehmender
geopolitischer Unsicherheiten. Den endgültigen Quartalsbericht will
das Unternehmen am 12. Februar präsentieren.
Für das Gesamtjahr 2025/26 hatte das Management zuletzt im Dezember
einen Umsatzanstieg auf Basis damaliger Wechselkurse im mittleren
einstelligen Prozentbereich prognostiziert - entsprechend einem
Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro. Auch die operativen Kennziffern
Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) und Ebita sollten weiter
ansteigen: Für die Ebita-Marge waren 12,5 Prozent eingeplant, nach
11,6 Prozent ein Jahr zuvor. Im Auftaktquartal lag der Wert
rechnerisch aber gerade einmal bei 1,7 Prozent.
China gilt mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes als einer der
wichtigsten Märkte für Zeiss Meditec, doch die Probleme dort
bestehen schon länger. Peking hat für wichtige Gesundheitsbereiche
ein volumenbasiertes Beschaffungssystem eingeführt, wodurch es zu
zunehmendem Preisdruck im Markt kommt. Das hat auch deutliche
Auswirkungen auf das ostdeutsche MDax-Unternehmen. Auch bei der
letzten Zahlenvorlage im Dezember hatte das Management auf
verschärfte Bedingungen in China und in den USA hingewiesen. In der
Volksrepublik werde die Zulassung neuer Produkte durch staatliche
Vorgaben immer schwieriger, hatte etwa Finanzvorstand Justus Felix
Wehmer seinerzeit erklärt.
Mit Blick auf die Überprüfung der Prognose erläuterte der Konzern
nun, dass noch einige wichtige Ergebnisse aus China fehlten, etwa
bei einer neu zugelassenen Linse. Zudem sei unter anderem noch nicht
klar, wie der Konzern bei dem landesweiten Tenderverfahren
abgeschnitten habe.
Die Probleme treffen Carl Zeiss Meditec ausgerechnet in einer Zeit
des personellen Übergangs: Seit Jahresbeginn hat Aufsichtsratschef
Andreas Pecher übergangsweise die Führung übernommen, nachdem der
bisherige Vorstandschef Maximilian Foerst nach nur wenigen Monaten
im Amt ausgeschieden war. Der Manager hatte einen Verstoß gegen den
internen Verhaltenskodex der Zeiss-Gruppe eingeräumt. Foerst hatte
den Chefposten erst im Juni 2025 übernommen, nachdem sein Vorgänger
Markus Weber das Unternehmen überraschend verlassen
hat./tav/err/jha/
ISIN DE0005313704
AXC0147 2026-01-22/12:41
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Autor: - dpa-AFX
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