| ROUNDUP 3: Pflege im Heim immer teurer - wie lange noch? |
| 22.01.2026 15:26:00 |
(Neu: Ministerin Warken, 8. Abs.)
BERLIN (dpa-AFX) - Die Pflege im Heim wird immer teurer und teurer.
Im ersten Jahr in der Einrichtung müssen Pflegebedürftige im
bundesweiten Schnitt nun 3.245 Euro im Monat aus eigener Tasche
zahlen, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen mit Stand
zum 1. Januar ergab. Das waren monatlich 137 Euro mehr als zum 1.
Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres.
Patientenvertreter und Kassen forderten die schwarz-rote Koalition
auf, mit einer angekündigten Reform Pflegebedürftige endlich
insgesamt zu entlasten.
In den Summen ist zum einen ein Eigenanteil für die reine Pflege und
Betreuung enthalten. Denn von den Kosten trägt die
Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen
Teil. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen dann auch noch
Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Investitionen in den
Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.
Große Unterschiede in den Ländern
Regional gibt es große Unterschiede. Im Ländervergleich am teuersten
war die Pflege im ersten Jahr im Heim zum 1. Januar in Bremen mit
durchschnittlich 3.637 Euro im Monat und im Saarland mit 3.601 Euro.
Am niedrigsten war die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim
in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro.
Kostentreiber sind vor allem die Personalausgaben für dringend
benötigte Pflegekräfte. Seit 2022 können Heime nur noch Verträge mit
den Pflegekassen schließen, wenn sie nach Tarif oder ähnlich
bezahlen. Und das schlägt dann auf den Eigenanteil für die reine
Pflege durch: Der Ausgangswert für die konkrete Zahlung der
Pflegebedürftigen in den Heimen dafür stieg jetzt im Bundesschnitt
auf 1.982 Euro im Monat, das waren 222 Euro mehr als Anfang 2025.
Schon Milliarden-Zuschläge für Entlastungen
Teurer geworden sind aber auch Unterkunft und Verpflegung. Fällig
werden nun im Schnitt 1.046 Euro im Monat und damit 56 Euro mehr als
zum 1. Januar 2025. Ausgewertet wurden Vergütungsvereinbarungen der
Pflegekassen mit Heimen in allen Ländern, wie der
Ersatzkassenverband erläuterte. Ihm gehören etwa die Techniker
Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit an.
Um Mehrkosten abzumildern, bekommen Pflegebedürftige seit 2022 von
der Pflegekasse auch Entlastungszuschläge je nach ihrer
Aufenthaltsdauer im Heim. Damit wird der Eigenanteil nur für die
reine Pflege gedrückt - im ersten Jahr um 15 Prozent, im zweiten um
30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75
Prozent. Aber auch mit dem höchsten Zuschlag stieg die
Gesamtbelastung nun im Schnitt auf 2.056 Euro im Monat. Die
Pflegekassen kosteten die Zuschläge zuletzt schon mehr als sechs
Milliarden Euro im Jahr.
Koalition plant große Pflegereform
Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, mahnte
eine nachhaltige Finanzierung der Pflege an, die auch
Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlaste. "Es ist richtig, dass
das Pflegepersonal gut bezahlt wird." Es könne aber nicht sein, dass
Lohnsteigerungen weiter zum großen Teil den Pflegebedürftigen
aufgebürdet werden. Es brauche eine "solidarische Lösung".
Gesundheitsministerin Nina Warken will in den nächsten Monaten eine
Reform angehen, die auch die Beiträge stabilisieren soll. In diesem
Jahr schießt der Bund nochmals 3,2 Milliarden Euro als Darlehen zu.
Die CDU-Politikerin sagte, für die stetig steigenden Eigenanteile
müssten Lösungen gefunden werden. "Eine spürbare Entlastung ist nur
zu erreichen, wenn alle ihren Beitrag leisten und ihren
Verpflichtungen nachkommen," Zugleich gelte es, Eigenvorsorge zu
stärken, denn sie bleibe wesentlicher Bestandteil der Absicherung im
Pflegefall.
Über diverse Vorschläge wird seit längerem diskutiert - von mehr
Steuergeld über Limits der Eigenanteile bis zu einer
Vollversicherung, die alle Pflegekosten trägt. Im Blick steht auch
Vorbeugung, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
Deckel für die Eigenanteile?
Der Sozialverband Deutschland mahnte, Entlastungszuschläge reichten
nicht, wenn die Gesamtkosten weiter steigen. Die Deutsche Stiftung
Patientenschutz forderte, die reinen Pflegekosten auf 1.000 Euro zu
deckeln und Ausbildungs- und Investitionskosten von den Abrechnungen
zu nehmen. "Für Unterbringung, Verpflegung und
überdurchschnittlichen Komfort sollte weiterhin jeder selbst
zahlen", sagte Vorstand Eugen Brysch. BSW-Chef Fabio De Masi nannte
die Eigenanteile "pervers" und forderte auch einen Kostendeckel von
1.000 Euro.
Linke-Fachpolitikerin Evelyn Schötz kritisierte: "Selbst ein
lebenslang geführtes Sparbuch ist bei den jetzigen Zuzahlungen
schnell leer geräumt." Private Altenpflege-Anbieter verlangten, zur
langfristigen Kostensenkung mehr Effizienz zuzulassen - etwa mit
einem flexibleren Personaleinsatz, wie der Arbeitgeberverband Pflege
mitteilte. Die Verbraucherzentralen erklärten, private
Pflegezusatzversicherungen lösten das Problem bislang nicht.
Kanzler noch unzufrieden
Eine zur Vorbereitung der Reform eingesetzte
Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte im Dezember ein Papier präsentiert,
das Optionen für Maßnahmen bei Einnahmen und Ausgaben mit den
finanziellen Auswirkungen aufführt. Kanzler Friedrich Merz (CDU)
ließ direkt durchblicken, dass er mit dem ersten Ergebnis noch
unzufrieden ist. Im Blick steht neben rund 710.000 Pflegebedürftigen
in Heimen dabei auch die Mehrzahl von 4,8 Millionen
Pflegebedürftigen daheim./sam/DP/mis
ISIN DE0005240709
AXC0200 2026-01-22/15:26
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Autor: - dpa-AFX
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