| ROUNDUP 3: Ärger über Trump - Kommt jetzt der große US-Boykott? |
| 22.01.2026 16:50:00 |
(Neu: Fehlender Vorname des App-Entwicklers (12. Absatz) und
Experten-Zitat ergänzt (13. Absatz), Überschrift angepasst)
KOPENHAGEN/DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Einige Verbraucher schauen in
diesen Tagen ganz genau hin: Was aus den USA stammt, landet bei
manchem nicht mehr im Einkaufswagen. Vor allem in Dänemark führt der
Grönland-Konflikt teilweise zum Boykott US-amerikanischer
Lebensmittel.
Apps helfen den Dänen, Produkte aus den USA im Supermarkt zu meiden.
Eine dieser Apps ist "UdenUSA" ("Ohne die USA"). Sie schlägt
Alternativen vor, mit denen Verbraucher stattdessen europäische
Unternehmen unterstützen können. Die Idee scheint auf Anklang zu
stoßen: Im dänischen App-Store lag "UdenUSA" am Donnerstag auf Platz
1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Auf Platz 3 fand sich
eine weitere App, die dabei hilft, US-Produkte zu umgehen.
Im Nachbarland Deutschland ist die unmittelbare Betroffenheit zwar
geringer, dennoch beschäftigt das Thema viele Menschen. "Sicher
werden einige überlegen, welche Maßnahmen, sie ergreifen können, um
amerikanische Produkte zu meiden", sagt Katharina Gangl, Direktorin
des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen.
Entscheidend sei, ob sich eine soziale Bewegung bilde, die bestimmte
Konsumgüter oder Unternehmen gezielt ins Visier nimmt, die Trump
unterstützen. Ein Verzicht auf Apple -Produkte, Amazon
oder Facebook sei naheliegend. Auch McDonald's
und Amazon könnten laut Gangl betroffen sein. Sie
hält dies jedoch erst dann für realistisch, wenn sich die Lage
weiter zuspitzt. Dann könnte ein Aufruf wie "Kauft nicht bei Amazon,
sondern bei Otto" möglicherweise erfolgreich sein.
"Empörung und Abscheu deutlich spürbar"
Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sagt: "In der
Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spürbar."
Ein gewisser Anti-Amerikanismus sei in Deutschland traditionell
verbreitet. Eine IFH-Umfrage zeigt: Für 61 Prozent kommen bestimmte
amerikanische Produkte wie Tesla nicht mehr infrage,
36 Prozent lehnen sie komplett ab. Die repräsentative Befragung mit
knapp 500 Teilnehmer wurde im März 2025 gemacht, damals brach der
Zollstreit aus. Aktuellere Daten liegen nicht vor.
Spüren US-Unternehmen in Deutschland den Ärger? Der Onlinehändler
Amazon, die Fastfoodkette McDonald's, der Lebensmittelhersteller
Mars sowie CCEP, der Abfüller von Coca-Cola , äußerten
sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht.
Burger King Deutschland betonte, das Unternehmen agiere eigenständig
und sei stark lokal verwurzelt. "Unsere Gäste differenzieren klar
zwischen unseren Restaurants in Deutschland und internationalen
Diskussionen."
Folgen für Supermärkte und Discounter?
Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bislang keine Auswirkungen.
In Deutschland seien keine Veränderungen in den Verkaufszahlen
amerikanischer Produkte zu erkennen, teilt Lidl mit. Andere
Handelsketten wie Aldi oder Edeka äußerten sich nicht konkret. "Wir
nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden
weiter nachgefragt", sagt Philipp Hennerkes vom Branchenverband
BVLH.
Bei einer möglichen Eskalation zeige sich nur punktuell und
kurzfristig ein Vermeidungsverhalten, sagt Experte Deckers, "weil
viele Menschen ihre eingeübten Konsumgewohnheiten nur ungern infrage
stellen". In der Branche wird auf weitere Faktoren verwiesen. Viele
bekannte US-Produkte wie Coca-Cola, M&M's, Pringles und Kellogg's
werden in Europa hergestellt. Oft wissen Verbraucher zudem nicht,
welche Marken zu US-Unternehmen gehören. Auch Rabattaktionen
beeinflussen das Kaufverhalten.
Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf sagt: "Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen
Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben." Dafür
seien die Unternehmen zu groß. Allerdings fürchteten viele Konzerne
Imageschäden, die durch Boykottaufrufe oder entsprechende
Berichterstattung entstehen könnten.
Viele Dänen wollen US-Waren boykottieren
In Dänemark hatte es schon im vergangenen Jahr Initiativen gegeben,
mit denen die Menschen ein Zeichen gegen Trumps Handelspolitik
setzen wollten - so hatten etwa dänische Supermärkte Waren
europäischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild
gekennzeichnet.
Auch die Idee für "UdenUSA" kam den jungen Entwicklern im
vergangenen Jahr, als Trump erstmals ernsthaft damit drohte,
Grönland zu übernehmen. "Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen
wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten", sagt
App-Entwickler Jonas Pipper der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es
ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen."
Deshalb habe man den Dänen ein Werkzeug an die Hand geben wollen.
Vor wenigen Tagen ist die App an den Start gegangen.
Für viele Verbraucher sei die bewusste Entscheidung gegen
US-amerikanische Lebensmittel eine Art, ihrem Ärger Luft zu machen,
sagt Pelle Guldborg Hansen von der Universität Roskilde dem
dänischen Rundfunk. "Viele Menschen sehen Nachrichten und ärgern
sich über etwas - und in diesem Fall geht es auch noch um uns und um
Grönland", so der Verhaltensforscher. "Da möchte man einfach
irgendetwas gegen seine Wut unternehmen. Und sei es noch so klein."
Aus einer Welle des Protests entstand in Dänemark 2025 die
Facebook-Gruppe "Boykottiert Waren aus den USA", in der sich Dänen
dazu austauschen, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden
können. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 110.000 Mitglieder. Zur
Einordnung: Dänemark hat rund sechs Millionen Einwohner./wbj/DP/mis
ISIN US0378331005 US1912161007 US0231351067 US5801351017 US4878361082
AXC0229 2026-01-22/16:50
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Autor: - dpa-AFX
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