| ROUNDUP 2: EU ermittelt gegen Musks X wegen sexualisierter KI-Bilder |
| 26.01.2026 14:32:00 |
(neu: weitere Details und Stellungnahmen)
BRÜSSEL (dpa-AFX) - Nach dem Skandal um sexualisierte KI-Bilder von
Elon Musks Chatbot Grok leitet die EU-Kommission ein Verfahren gegen
den US-Konzern X ein. Die Brüsseler Behörde verdächtigt das
Unternehmen des Tech-Milliardärs laut Mitteilung, die Risiken bei
der Einführung seiner Künstlichen Intelligenz auf der
Online-Plattform nicht richtig bewertet und reduziert zu haben.
X war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil zunächst
alle Nutzerinnen und Nutzer den KI-Chatbot Grok auffordern konnten,
gepostete Bilder zu sexualisieren. Immer wieder befahlen Menschen
der KI etwa, Fotos zu manipulieren und Frauen in Bikinis zu kleiden.
An Silvester entschuldigte sich Grok dafür, ein Bild von zwei
Mädchen im Teenager-Alter "in sexualisierten Outfits" erstellt und
geteilt zu haben. Bei der Untersuchung geht es laut EU-Kommission
daher auch um Bilder, die als Kindesmissbrauch gelten könnten. Im
Sommer hatte Grok bereits mit Lobpreisungen für Adolf Hitler
schockiert.
Erneut Spannungen zwischen EU und USA?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilte mit, die EU
werde die Verantwortung für Konsens und Kinderschutz nicht an
Tech-Unternehmen abgeben. "In Europa werden wir unvorstellbares
Verhalten wie das digitale Entkleiden von Frauen und Kindern nicht
tolerieren", fügte die deutsche Politikerin hinzu.
Nach der Deeskalation im Grönland-Konflikt nimmt die Brüsseler
Behörde mit diesem Schritt das Risiko in Kauf, die US-Regierung von
Donald Trump erneut zu verärgern. In Anbetracht der teilweise seit
Jahren andauernden Ermittlungen - auch gegen X - halten Kritiker der
EU gleichzeitig schon länger vor, ihre Digitalregeln nicht
konsequent genug durchzusetzen.
Gegen Musks Online-Plattform laufen auf Grundlage europäischer
Digitalgesetze ohnehin bereits mehrere Untersuchungen - etwa wegen
der Moderation und des Risikomanagements illegaler Inhalte. Erst
Anfang Dezember hatte die EU gegen X eine Strafe von 120 Millionen
Euro wegen Transparenzmängeln verhängt.
US-Regierung hatte EU-Kommission zuletzt gedroht
Washington reagierte damals scharf, sprach von Zensur und verhängte
Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie
andere Europäer. Die heftige Reaktion konnte auch als Drohung in
Richtung Brüssel verstanden werden, keine weiteren Maßnahmen gegen
die US-Tech-Riesen zu ergreifen.
Außenminister Marco Rubio schrieb zur Begründung der Einreisesperren
auf X, es würden gezielt amerikanische Plattformen attackiert. Man
sei bereit, die Liste zu erweitern, wenn es keine Kurskorrektur
gebe. Elon Musk selbst sprach sich dafür aus, die EU abzuschaffen.
Warum die EU-Kommission Grok nicht sperren will
Das nun eröffnete Verfahren konzentriert sich laut Mitteilung
darauf, ob X das Risiko für "geschlechtsspezifische Gewalt und
schwerwiegende negative Folgen für das körperliche und geistige
Wohlbefinden" genügend eingeschränkt hat.
Die Internetwächter in Brüssel kündigten neben der neuen Ermittlung
zudem an, eine seit Ende 2023 laufende Untersuchung zu erweitern.
Dabei gehe es auch um die Empfehlungen für Inhalte, die X seinen
Nutzer anzeigt. Diese basierten zunehmend auf der KI von X und
stellten ebenfalls Risiken dar.
Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah die EU-Kommission
zunächst ab: Eine Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, sei
nicht das Ziel der EU-Kommission und eher ein letztes Mittel, hatte
ein Sprecher der Brüsseler Behörde in der Vergangenheit gesagt.
Indonesien und Malaysia hatten Grok als erste Länder weltweit Mitte
Januar vorübergehend gesperrt.
Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des Gesetzes über
digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) bedeutet noch
keinen Nachweis eines Verstoßes. Sollte X aber nicht einlenken oder
entlastende Beweise liefern, könnten Strafen durch die Europäische
Kommission drohen. Sie wacht in der EU über die Einhaltung der
Digitalregeln. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen.
X hat Chatbot bereits beschränkt
Unter zunehmendem Druck wegen der übergriffigen Bilder - etwa von
Schwedens stellvertretender Ministerpräsidentin Ebba Busch - hatte
die US-Firma ihren Chatbot zuletzt eingeschränkt. "Die Bilderzeugung
und Bearbeitung ist derzeit auf zahlende Abonnenten beschränkt",
antwortet der Chatbot inzwischen. Von Abonnenten erstellte Bilder
lassen sich aber auch weiterhin für alle öffentlich anzeigen.
Der EU-Kommission und auch anderen Aufsichtbehörden auf der Welt
reichte dieser Schritt nicht. Es folgten weitere Einschränkungen. So
seien "technologische Maßnahmen" eingeführt worden, die die
Bearbeitung von Bildern realer Personen mit leichter Bekleidung wie
Bikinis verhindern sollen, teilte X mit. Diese Beschränkung gelte
sowohl für kostenlose Accounts als auch für zahlende Nutzer.
Die Brüsseler Internetwächter sehen in diesen Vorkehrungen einen
Erfolg ihres andauernden Dialogs mit der US-Firma. Die EU-Kommission
sei wahrscheinlich die einzige Behörde, die Antworten von X erhalten
habe, behauptet ein Sprecher. "X hat uns geantwortet, X hat sich mit
uns auseinandergesetzt, X hat zugehört, X hat Maßnahmen ergriffen.
Das ist schon ein ziemlicher Erfolg", sagte er.
Alexandra Geese, Grünen-Abgeordnete im Europaparlament, kritisierte
hingegen: Das Verfahren komme zu spät. "Der Schaden für Millionen
von Frauen und viele Kinder ist irreparabel", teilte Geese mit.
Auch London und Paris ermitteln
Auch die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hatte Mitte Januar
eine offizielle Untersuchung gegen Musks Online-Plattform
eingeleitet. Als Grund gab die Behörde ebenfalls die von Grok
sexualisierten Bilder an. Dies könne mitunter als Missbrauch
gewertet werden, hieß es in einer Mitteilung. Der britische
Premierminister Keir Starmer nannte die Erzeugnisse der KI
"widerlich".
Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer 2025 gegen X.
Die ursprüngliche Ermittlung dreht sich um den Vorwurf, dass
Algorithmen in dem sozialen Netzwerk verändert worden sein sollen,
um rechtsextremen Inhalten mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Neu
sind jetzt auch Vorwürfe wegen Holocaustleugnung und sexueller
Abbildungen./tre/DP/nas
AXC0174 2026-01-26/14:32
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Autor: - dpa-AFX
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