| ROUNDUP 5: Deutsche Bank verspricht Aufklärung nach Razzia - Rekordgewinn |
| 29.01.2026 17:00:00 |
(neu: Kurs aktualisiert)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank will sich
ihre Rekordbilanz 2025 nicht von Ermittlungen wegen
Geldwäscheverdachts verderben lassen. "Wir wissen, wo wir hin
wollen, und von diesem Weg werden wir uns nicht abbringen lassen",
betonte Konzernchef Christian Sewing in einem Schreiben an die
Belegschaft. Der Manager sieht Deutschlands größtes Geldhaus "auf
dem Weg zu unserem langfristigen Ziel, der europäische Champion zu
werden".
Mit gut 9,7 Milliarden Euro vor Steuern erzielte der Frankfurter
Dax-Konzern im vergangenen Jahr das höchste
Vorsteuerergebnis seiner Geschichte und zugleich mehr als von
Analysten im Schnitt erwartet. Unter dem Strich standen 6,1
Milliarden Euro Überschuss. Höher war der auf die Anteilseigner
entfallende Gewinn nur im Rekordjahr 2007.
Razzia und Ermittlungen
Getrübt wird der Geschäftserfolg von erneuten Ermittlungen gegen
nicht näher benannte Verantwortliche und Mitarbeiter des größten
deutschen Geldhauses wegen des Verdachts der Geldwäsche, die am
Vortag bekannt wurden: Ermittler durchsuchten die Zentrale der
Deutschen Bank in Frankfurter sowie Geschäftsräume in Berlin. Nach
Angaben der federführenden Frankfurter Staatsanwaltschaft geht es um
frühere Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften, die
ihrerseits im Verdacht stehen, Geldwäsche betrieben zu haben.
Sewing verspricht Aufklärung
"Nach den Informationen, die uns vorliegen, geht es um Transaktionen
aus den Jahren 2013 bis 2018. Ausgangspunkt ist eine vorgeblich zu
spät abgegebene Geldwäscheverdachtsanzeige", sagte Sewing. "Und auf
dieser Basis prüft die Staatsanwaltschaft, ob es Anhaltspunkte für
mögliche Geldwäsche gibt."
Sewing versicherte: "Selbstverständlich arbeiten wir vollumfänglich
mit den Behörden zusammen." Eingehender wollte sich der Manager auch
auf mehrfache Nachfrage nicht zu dem Thema äußern: "Die
Untersuchungen laufen jetzt, damit setzen wir uns auseinander. Wir
kooperieren, mehr gibt es nicht dazu zu sagen."
Immer wieder Ärger wegen Geldwäscheverdachts
Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, geht es um Geschäfte im
verschachtelten Firmenkonglomerat des russischen Oligarchen Roman
Abramowitsch. Dieser steht seit 2022 auf der Sanktionsliste der EU
und ließ über einen Anwalt mitteilen, ihm seien keine Ermittlungen
deutscher Behörden in dieser Angelegenheit bekannt.
Vorwürfe, beim Thema Geldwäsche nicht genau genug hinzuschauen und
Verdachtsanzeigen zu spät abgegeben zu haben, haben der Deutschen
Bank schon mehrfach Ärger mit Justiz und Aufsicht eingebrockt. Das
Institut bekam Bußgelder aufgebrummt, die Finanzaufsicht Bafin ließ
über Jahre bis Ende 2024 einen Sonderaufpasser überwachen, welche
Fortschritte die Bank bei Maßnahmen gegen Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung macht.
Sewing betonte, die Bank habe in den vergangenen zehn Jahren "enorm"
in ihre Kontrollen investiert. Es gebe aber keine Garantie, dass
nicht doch mal Fehler passierten.
Alle Sparten liefern - eine besonders
Den Löwenanteil seines Gewinns verdankte das Geldhaus auch 2025 der
hauseigenen Investmentbank: Diese steigerte ihr Vorsteuerergebnis um
ein Fünftel auf gut vier Milliarden Euro. Aber auch die
Unternehmensbank und die Privatkundenbank samt Postbank und
Norisbank konnten ihr Ergebnis zum Vorjahr kräftig steigern. Ein
Rekordergebnis lieferte die Fondstochter DWS ab.
Im Gesamtjahr 2024 hatte die Deutsche Bank vor Steuern noch knapp
5,3 Milliarden Euro verdient, der auf die Anteilseigner entfallende
Überschuss lag bei rund 2,7 Milliarden Euro. Ursächlich für den
damaligen Gewinnrückgang war vor allem die Entschädigung früherer
Postbank-Aktionäre.
Vorstand schraubt Geschäftsziele nach oben
Für die nächsten Jahre hat der Vorstand die Ziele bereits nach oben
gesetzt: Deutlich höhere Erträge und weitere Einsparungen sollen die
Eigenkapitalrendite bis zum Jahr 2028 auf mehr als 13 Prozent
hieven. Den für 2025 angepeilten Wert von über 10 Prozent hat die
Bank mit 10,3 Prozent erreicht.
Für 2026 hat sich die Bank zudem höhere Einnahmen vorgenommen:
Nachdem die Erträge im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 32,1
Milliarden Euro stiegen, sollen sie nun auf etwa 33 Milliarden
zulegen. Allerdings dürften auch die Kosten wegen hoher
Investitionen leicht steigen.
Den Anteilseignern winkt nun eine Dividende von einem Euro je Aktie,
rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem will die Deutsche Bank
weiteres Geld in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Für eine Summe
von einer Milliarde Euro hat sie nach eigenen Angaben schon die
notwendigen Genehmigungen erhalten.
Aktie deutlich im Minus
An der Börse wurden die Neuigkeiten zunächst mit Kursverlusten
quittiert. Die sich anschließende Erholung, die die Aktie bis in die
Pluszone führte, dauerte nicht lange an. Kurz vor Börsenschluss
verloren die Papiere in einem schwachen Gesamtmarkt knapp zwei
Prozent. Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten aber auch schon
fast zwei Drittel gewonnen.
Sewing hatte die Führung 2018 in einer langen und tiefen Krise
übernommen. Mit dem Abbau Tausender Stellen und einer starken
Verkleinerung der Investmentbank brachte er den Dax-Konzern wieder
auf Gewinn- und Wachstumskurs. 2025 war das sechste Jahr in Folge,
das die Deutsche Bank mit Gewinn abgeschlossen hat./ben/stw/nas/jha/
ISIN DE0005140008 DE000DWS1007
AXC0322 2026-01-29/17:00
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Autor: - dpa-AFX
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