| WDH/ROUNDUP/Gewinneinbruch bei Bosch: Was sind die größten Baustellen? |
| 30.01.2026 11:56:00 |
(Wiederholung: Im 5. Absatz, 2. Satz muss es richtig heißen: "als"
(statt: "also").)
GERLINGEN (dpa-AFX) - Milliardenkosten für den Abbau Tausender
Stellen haben den Gewinn von Bosch deutlich schrumpfen lassen. Nach
vorläufigen Zahlen ging das operative Ergebnis vor Zinsen und
Steuern (Ebit) um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, wie
der Technologiekonzern aus Gerlingen bei Stuttgart mitteilte.
Bereits im Vorjahr war der Wert um ein Drittel abgesackt.
Die Zahlen zeigen, unter welch hohem Druck der Konzern steht. Der
Gewinn fällt so niedrig aus wie lange nicht. Selbst im Corona-Jahr
2020 hatte Bosch noch gut zwei Milliarden Euro operativen Gewinn
eingefahren. Immerhin: Rote Zahlen schrieb demnach keiner der vier
Geschäftsbereiche. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf
91,0 Milliarden Euro.
"Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren
Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch
schmerzhaftes Jahr für Bosch", sagte Konzernchef Stefan Hartung. Die
selbstgesteckten Umsatz- und Gewinnziele habe man nicht erreichen
können. Aber woran lag das? Ein Überblick.
Weltlage und "mangelnde Wettbewerbsfähigkeit"
Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne
beschäftigt, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die
geopolitische Lage ist nach wie vor unsicher. Hinzugekommen sind
2025 unter anderem die US-Zölle.
Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, habe sich
erheblich verschärft, sagte Hartung. Und das nicht nur in der
Autoindustrie, die immer noch die Lieferengpässe bei Nexperia-Chips
verdaut - und ohnehin weniger produziert als noch vor ein paar
Jahren.
Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile
nicht mehr wettbewerbsfähig. Soll heißen: Der Konzern kann im
Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Der Anspruch ist aber ein
anderer. In den wesentlichen Märkten will Bosch zu den drei
führenden Anbietern gehören. Das erfordere derzeit vor allem
niedrigere Kosten und nachfrageorientierte Kapazitäten. Hartung
forderte von der Politik aber auch Local-Content-Regeln. Dadurch
könnte ein derzeit verzerrter Wettbewerb wieder gerechter werden.
Stellenabbau kostet Milliarden
Um das Ruder herumzureißen, müssen die Schwaben deutlich sparen.
Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. "Wir arbeiten hart
an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver
ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede
Investition noch sorgfältiger ab", sagte Hartung.
Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern,
müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken - und
dazu Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung
persönlich schwergefallen. "Wir hoffen, dass wir das in der
Größenordnung in den nächsten Jahren nicht mehr machen müssen",
sagte Hartung.
Im September hatte der Konzern angekündigt, rund 13.000 weitere
Stellen zu streichen - zusätzlich zu laufenden Programmen. An
mehreren Standorten wird darüber aktuell noch verhandelt. Klar ist
aber schon: Um langfristig beim Personal sparen zu können, muss
Bosch richtig tief in die Tasche greifen.
"Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis
erheblich", sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach
rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt - beispielsweise für
Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den
gestiegenen Zöllen.
Ende 2025 beschäftigte die Gruppe rund 412.400 Menschen auf der
ganzen Welt - 5.400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich
eine Verschiebung von Europa in andere Weltregionen.
Überproportional von der Entwicklung betroffen war Deutschland, wo
knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren es
zuletzt rund 123.100 Menschen - und damit 6.500 oder fünf Prozent
weniger als zum Ende des Vorjahres.
Zukunftsprojekte: Teuer - und werfen (noch) wenig ab
Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität,
Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen,
bestimmte Chips - in all diesen Bereichen wollen die Schwaben
künftig gut aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die
Rechnung aber nicht auf.
Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich vorfinanzieren,
sagte Forschner. "Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke
mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist
als ursprünglich erwartet."
Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im Schaufenster
stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu, als ursprünglich
erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt
aber auch andere Beispiele: Bereits länger hat der Konzern einen
Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist
nach der Pleite eines Hauptkunden aber überschaubar. Bis sich das
System für Bosch auszahlt, dürften Jahre vergehen.
Kauflaune im Keller
Bosch ist nicht nur der weltgrößte Autozulieferer. Die Produkte des
Konzerns finden sich auch in zahlreichen Haushalten. Viele Menschen
halten wegen der mauen Wirtschaftslage ihr Geld aktuell aber lieber
zusammen. Kühlschränke, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge
und Gartengeräte verkauften sich zuletzt schlechter. Die
Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche
geprägt. Nur in diesem Bereich ging der Umsatz 2025 zurück.
Wenn doch geshoppt wird, dann oft günstiger - und bei Anbietern aus
Fernost. Gerade in Deutschland könne man zum Beispiel beobachten,
dass weniger und preiswertere Küchen gekauft werden, sagte Hartung.
Mit spürbaren Folgen für die Hausgeräte-Tochter BSH: Ihre zwei
deutschen Herdwerke seien zuletzt nur noch bis maximal zur Hälfte
ausgelastet gewesen. Der Kern der Produktion sei aber eine
Emaillierungsanlage, die sehr viel Energie benötige. "Wenn man die
nur zur Hälfte betreibt, hat man gigantische Kosten".
Letztlich habe man sich aufgrund dieser "katastrophalen ökonomischen
Situation" dazu entschieden, eines der Werke zu schließen. Das sei
bitter gewesen, sagte Hartung. Zu BSH gehören die Marken Bosch,
Siemens, Neff und Gaggenau. Mit fast identischen Problemen hat auch
die Elektrowerkzeug-Sparte zu kämpfen. Die Folge sind auch dort
Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung
der Produktion ins Ausland.
Wie geht es 2026 weiter?
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine
Entspannung. "Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals
zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang
auswirken", sagte Forschner. Er rechnet aber mit deutlichen
Fortschritten bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen - und mit einer
entsprechend besseren Ertragslage. Die für Zukunftsinvestitionen
benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde man
allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9
Prozent.
Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wird im April erwartet.
Dann präsentiert Bosch die vollständigen und geprüften Jahreszahlen
- darunter auch den Nettogewinn./jwe/DP/men
AXC0155 2026-01-30/11:56
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Autor: - dpa-AFX
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