| RBI steigert Gewinn 2025 ohne Russland um 48 Prozent / Geringere Vorsorgen für Frankenkredite in Polen und höhere Erträge stützen Ergebnis - Kosten auch gestiegen - Dividende von 1,60 Euro je Aktie geplant |
| 30.01.2026 12:58:00 |
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Durchgehend weitere Details und Aussagen des Vorstands nach der Pressekonferenz eingefügt.
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Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat ihren
Gewinn ohne das Russland-Geschäft im Vorjahr um 48 Prozent auf 1,44
Mrd. Euro gesteigert. Geholfen haben deutlich niedrigere Vorsorgen
für Fremdwährungskredite in Polen. Zudem stiegen die Erträge dank
eines stärkeren Kreditwachstums an, wie die Bank am Freitag
mitteilte. In Russland schrieb die Bank dagegen einen Verlust nach
Steuern von 86 Mio. Euro.
Konzernchef Johann Strobl bezeichnete das Ergebnis als "sehr gut"
und hob die operativen Steigerungen hervor. Das Kreditwachstum legte
im Jahresvergleich um 6 Prozent zu. Zum Jahresende stand das
Kundenkreditvolumen bei 101,2 Mrd. Euro. Vor allem im vierten
Quartal habe sich das Kreditgeschäft in allen Ländern des Konzerns
beschleunigt. Das stützte auch die Erträge der Bank: Der
Zinsüberschuss erhöhte sich um 1 Prozent auf 4,18 Mrd. Euro, der
Provisionsüberschuss kam um 9 Prozent höher bei 2,0 Mrd. Euro zu
liegen.
Risikokosten gesunken
Auch die Qualität des Kreditportfolios sei gut, so die Bank. Die
Quote notleidender Kredite lag bei 1,7 Prozent (2024: 2,1 Prozent).
Auch die Risikokosten der Bank sind im Vorjahr spürbar gesunken und
lagen Ende 2025 bei 192 Mio. Euro, nach 287 Mio. Euro im Jahr davor.
Die Harte Kernkapitalquote ohne Russland belief sich auf 15,5
Prozent (2024: 15,1 Prozent). Die Zahl sieht ein Worst-Case-Szenario
vor, bei dem die Bank die Russlandtochter zur Gänze abschreiben muss
und das gesamte Eigenkapital verliert. Ohne den Abzug aufgrund des
Worst-Case steht die Kapitalquote bei 17,9 Prozent.
Kosten gestiegen
Gestiegen sind aber nicht nur die Einnahmen, sondern auch die
Kosten. Die Verwaltungsaufwendungen legten um 4,4 Prozent auf 3,46
Mrd. Euro zu. Ein wesentlicher Posten seien Lohnerhöhungen über den
Inflationsraten gewesen, sagte Strobl. Vor allem in einigen
CEE-Märkten der RBI sei die Arbeitsmarktsituation sehr günstig für
Arbeitnehmer. Wenn die Arbeitslosigkeit gering ist, sitzen die
Arbeitnehmer bei Lohnverhandlungen meist am längeren Ast.
Ein weiterer Kostenpunkt sind die Bankensteuern, die die RBI in
unterschiedlichen Ländern entrichten muss. Für heuer dürften weitere
100 Mio. Euro an Ausgaben dazukommen, davon wohl alleine 50 Mio.
Euro in der Ukraine, erwartet die Bank.
Die RBI hat sich im Zuge der steigenden Kostenbelastung
Ausgabenziele gesetzt, sagte Strobl. Einen Stellenabbau am Standort
in Wien gebe es aber nicht, betonte der Chef. Im Dezember hatte es
Medienberichte über vermehrte Anmeldungen beim Arbeitsmarktservice
(AMS) gegeben. Strobl sagte, die RBI habe niemanden gekündigt, 70
Dienstverhältnisse seien im Einvernehmen aufgelöst worden. Das sei
bei einem Jahr und rund 1.500 Mitarbeitern in Wien "natürliche
Fluktuation".
Russland-Abbau geht weiter
In Russland wird das Geschäft indessen weiter abgebaut. Seit
Kriegsbeginn sei das Kreditvolumen um 60 Prozent gesunken, die
Kundeneinlagen seien seit Februar 2022 um 40 Prozent gesunken. Die
Bank zahlt schon seit längerem keine Zinsen mehr an Einlagekunden
aus. Unterm Strich schrieb die Bank in Russland einen Verlust von 86
Mio. Euro. Geschuldet ist das Minus vor allem russischen
Gerichtsstreitigkeiten zwischen Strabag und Rasperia Trading
Limited.
Nachdem bereits ein Urteil im Frühling die Russland-Tochter zur
Zahlung eines Schadenersatzes an den russischen Strabag-Aktionär
Rasperia von rund 2 Mrd. Euro verpflichtet hatte, kam im vierten
Quartal eine zusätzliche Rückstellung in Höhe von 339 Mio. Euro
hinzu. Die Bank musste den Betrag zurücklegen, nachdem ein
russisches Gericht die Strabag-Hauptaktionäre zu einer Zahlung von
339 Mio. Euro verpflichtet hatte. Die Raiffeisen Russland (AO
Raiffeisenbank) ist nur in den Fall involviert, da sie in einem
Verwandtschaftsverhältnis zum Strabag-Aktionär Raiffeisen-Holding
Niederösterreich-Wien steht.
Polen-Vorsorgen gesunken
Neben Russland ist auch Polen ein ewiges Sorgenkind der RBI. Im
Geschäftsjahr 2025 sorgte der Markt wegen deutlich gesunkener
Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten aber für einen positiven Effekt
in der Bilanz. Grund ist, dass die Gerichtsfälle nun nach und nach
abgearbeitet werden und die Vorsorgen damit abgebaut werden. In
viele Fällen werden auch Vergleiche erzielt, alleine im vierten
Quartal waren es 620.
In dem seit Jahren laufenden Streit geht es um Tausende Polen,
die noch vor der Finanzkrise wegen damals niedriger Zinsen in der
Schweiz Kreditverträge in Franken abgeschlossen hatten, um ihr Haus
zu finanzieren. Der polnische Zloty verlor jedoch in der Folgezeit
gegenüber dem Franken massiv an Wert, was die Häuselbauer stark
belastete. Viele Kreditnehmer klagten daraufhin gegen ihre Banken,
um aus den teuren Krediten herauszukommen.
Zum Ende 2025 gab es noch Rückstellungen für aushaftende
Schweizer-Franken-Kredite in Höhe von 1,26 Mrd. Euro, 2024 waren es
noch 1,6 Mrd. Euro gewesen. Euro-Hypothekarkredite sind noch im Wert
von 356 Mio. Euro aushaftend (2024: 395 Mio. Euro).
Ausblick 2026
Im Zuge der Ergebnisse will der Vorstand der Hauptversammlung am
9. April 2026 eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie vorschlagen. Für
das laufende Geschäftsjahr rechnet die RBI (ohne das
Russland-Geschäft) zudem mit einem Zinsüberschuss von 4,4 Mrd. Euro
und einem Provisionsüberschuss von 2,1 Mrd. Euro. Das Kreditwachstum
wird mit 7 Prozent beziffert. Die harte Kernkapitalquote soll über
15 Prozent bleiben.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0141-26, 88 x 94 mm; GRAFIK
0145-26, 88 x 90 mm)
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