| ROUNDUP: Merz sieht Webers EU-Reformvorschläge skeptisch |
| 30.01.2026 18:21:00 |
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich skeptisch
zur Umsetzbarkeit weitreichender EU-Reformvorschläge von EVP-Chef
Manfred Weber geäußert. "Vertragsänderungen in dieser Europäischen
Union der 27 zu erreichen, ist eine ziemlich schwierige Aufgabe",
sagte der CDU-Vorsitzende zum Auftakt eines EVP-Spitzentreffens im
kroatischen Zagreb. "Ich plädiere dafür, dass wir uns zunächst und
mit Vorrang auf die Aufgaben konzentrieren, die jetzt auf dem Tisch
liegen, und dazu zählen die beiden: Verteidigungsfähigkeit und
Wettbewerbsfähigkeit."
Weber will EU schlagkräftiger machen
In Zagreb beraten Spitzenpolitiker der konservativen Parteienfamilie
in der EU, der Europäischen Volkspartei EVP, über die Rolle Europas
in einer neuen Weltordnung, in der die Großmächte eine dominierende
Rolle spielen. Daran nehmen neben Merz weitere Regierungschefs wie
Donald Tusk (Polen) und Kyriakos Mitsotakis (Griechenland) teil.
Der CSU-Vizevorsitzende Weber sagte vor dem Treffen, dass er seine
Reformvorschläge im Kreis der EVP-Spitzen diskutieren wolle. "Wir
sind im Dialog, wir sind da im Gespräch miteinander." Es geht ihm
vor allem um drei Punkte, die zu einer Stärkung der EU in der Welt
führen sollen:
* Aus seiner Sicht sollte man die beiden Top-Posten in der EU zu
einem verschmelzen. Nach der nächsten Europawahl im Jahr 2029 sollte
das Amt der Kommissionspräsidentin mit dem des Ratspräsidenten
zusammengeführt werden. Als einen Grund nennt Weber, dass die EU in
den jüngsten Krisen um die Ukraine und Grönland keine tonangebende
Rolle spielte.
* Weber wirbt für eine europäische Armee, die auch in der Ukraine
zum Einsatz kommen soll. "Und sollte es zum Frieden in der Ukraine
kommen, sollten wir gemeinsame europäische Friedenstruppen
stationieren, als Keimzelle für eine europäische Armee", sagte er
dem "Spiegel".
* Außerdem will Weber als Reaktion auf das Prinzip der
Einstimmigkeit in außenpolitischen Fragen es einer kleineren Gruppe
von Staaten ermöglichen, über einen "Souveränitätsvertrag" enger
außenpolitisch zusammenzuarbeiten. In dieser Gruppe würde dann das
Prinzip der Einstimmigkeit nicht gelten.
Merz für Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik
Den letzten Punkt unterstützte Merz, aber nur insofern, dass er sich
gegen das Einstimmigkeitsprinzip wandte. "Wir haben das
Einstimmigkeitsprinzip im Binnenmarkt schon praktisch aufgegeben. Da
gilt praktisch überall das Prinzip der qualifizierten Mehrheit",
sagte er. "Ich glaube, dass wir da sukzessive hinkommen sollten,
dass wir auch mit Mehrheiten in der Außenpolitik entscheiden, in der
Sicherheitspolitik entscheiden. Es kann jedenfalls nicht sein, dass
immer nur der Letzte das Tempo bestimmt." Über den Weg zu diesem
Ziel sagte er aber nichts.
Kanzler für Europa als eigenständige Macht
Der Kanzler hatte am Donnerstag in seiner Regierungserklärung im
Bundestag gefordert, dass Europa sich in einer neuen Weltordnung
durch Geschlossenheit und Selbstbewusstsein als eigenständige Macht
behaupten müsse. Die eigenen Vorstellungen können laut Merz nur
durchgesetzt werden, "wenn wir auch selbst die Sprache der
Machtpolitik sprechen lernen, wenn wir selbst eine europäische Macht
werden". Eine neue Weltordnung der Großmächte nehme in hoher
Geschwindigkeit Gestalt an und Europa müsse die Alternative zu
Autokratie und Imperialismus sein.
Merz nannte drei Felder, auf denen Europa sich seiner Ansicht nach
beweisen muss.
* Europa solle seine Sicherheit selbst in die Hand nehmen. Dazu
müssten Abhängigkeiten im technologischen Bereich und bei der
Verteidigungsfähigkeit abgebaut werden.
* Die europäische Wirtschaft müsse wettbewerbsfähig gemacht werden.
Die Wachstumslücke zu China und den USA vergrößere sich. Diese
Dynamik müsse jetzt umgekehrt werden.
* Europa müsse als Einheit auftreten. "Geschlossenheit ist ein
Machtfaktor auf der Welt", sagte der Kanzler
Merz: "Europa muss geschlossen und selbstbewusst auftreten"
Konkrete Vorschläge zur Umsetzung dieser Ziele machte Merz
allerdings nicht. Zum Auftakt des EVP-Treffens bekräftigte er:
"Europa muss geschlossen und selbstbewusst auftreten." Er pochte
darauf, dass der Abbau von Bürokratie für ihn in Europa Priorität
habe. Dazu findet am 12. Februar ein EU-Sondergipfel
statt./mfi/DP/men
AXC0285 2026-01-30/18:21
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Autor: - dpa-AFX
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