| ROUNDUP: Prämie hebt Interesse an E-Autos stark und sorgt für Kritik |
| 01.02.2026 15:05:00 |
Die neue Förderung für Elektroautos hat das
Kundeninteresse bereits kurz nach ihrer Ankündigung sprunghaft
steigen lassen. Sowohl die Onlineplattformen MeinAuto.de und Carwow
als auch der Präsident des Zentralverband Deutsches
Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, bestätigen dies auf
Anfrage der dpa. Bei den Plattformen hat sich die Zahl der Anfragen
teilweise vervielfacht. Es gibt aber auch Kritik, unter anderem vom
Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer.
"Wir sehen derzeit ein sehr hohes Interesse. Ich denke, es kommt bei
den Privatkunden sehr gut an", sagt Peckruhn über das
Förderprogramm. Die Erfahrung zeige, dass solche Aktionen des Staats
immer eine deutliche Reaktion bei den Kunden erzeugten. Das sei
schon bei der Abwrackprämie 2009 so gewesen und dann auch bei der
ersten Elektroautoförderung. Leider habe deren abruptes Ende aber
auch einen sehr starken Effekt in die andere Richtung gezeigt.
Viele Kunden haben Fragen
Vielen Kunden kämen auch mit Fragen, sagt Peckruhn. Kompliziert
werde es vor allem bei Leasingverträgen, wenn die Prämie
vorfinanziert werden müsse - schließlich könne man sie erst nach der
Zulassung beantragen. Das führe dazu, dass ein Teil der Kunden
derzeit auch noch abwarte, wie die Regelungen ganz konkret
ausfallen. Der ZDK hat daher bereits die Bundesregierung
aufgefordert, bei der Umsetzung des Programms keine Zeit zu
verlieren.
Ein anderer Teil der Kunden habe aber auch schon bestellt, teilweise
noch im alten Jahr, nachdem klar geworden sei, dass für die
Förderung der Zulassungszeitpunkt entscheidend ist. Angesichts der
Lieferzeiten von Neuwagen vergehen zwischen Bestellung und
Neuzulassung in der Regel Monate. Daher ist es wahrscheinlich, dass
sich die Auswirkungen der Förderung bei den Neuzulassungszahlen erst
in einigen Monaten voll zeigen. Dann wird auch klar werden, ob die
Prämie nur Interesse und Informationsbedarf erzeugt oder auch
konkrete Kaufabschlüsse gebracht hat.
Sprunghafte Anstiege im Netz
Auch im Internet zeigt sich das hohe Interesse sehr deutlich: Bei
Meinauto.de hat sich der Traffic auf den Seiten zu Elektroautos,
Plug-in-Hybriden und Prämien im Vergleich zum Dezember mehr als
verzehnfacht, wie ein Sprecher sagt. Interessanterweise ist
allerdings auch das Interesse an anderen Antriebsarten gestiegen,
wenn auch in sehr viel geringerem Maß. "Die Förderung hat bei vielen
wohl den Wunsch auf Neuwagen geweckt."
Carwow verzeichnete nach der offiziellen Ankündigung der Förderung
einen Anstieg der Anfragen zu Elektroautos auf mehr als das
Dreifache im Vergleich zur Vorwoche. Elektrofahrzeuge machten
dadurch fast drei Viertel der Anfragen aus.
1.500 bis 6.000 Euro Förderung
Das Bundesumweltministerium hatte vergangene Woche angekündigt, dass
Privatkunden beim Kauf von reinen Elektroautos, Plug-in-Hybriden und
Elektroautos mit Range Extender wieder eine staatliche Förderung
bekommen können. Je nach Fahrzeugart und persönlichen Umständen
liegt sie zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Doch es gibt
Einkommensobergrenzen - für eine Familie mit zwei Kindern sind es
beispielsweise 90.000 Euro. Und die maximale Förderung von 6.000
Euro bekommt diese Familie nur mit einem Haushaltseinkommen von
maximal 45.000 Euro.
Unter anderem hier setzt Dudenhöffers Kritik an: "Familien mit
Kindern, die über ein Jahreseinkommen von 45.000 Euro und weniger
verfügen, kaufen üblicherweise Gebrauchtwagen und haben, wenn sie in
Städten wohnen, üblicherweise keine Möglichkeit eine Wallbox zu
installieren", sagt der Branchenexperte. Insgesamt sei die Prämie
"ein steuerfinanziertes Förderprogramm", das der Markt nicht
brauche. Schließlich hätten schon vor ihrer Einführung steigende
Rabatte auf Elektroautos deren Absatz angetrieben.
Prämie könnte Importe aus China fördern
Es werde nun spannend, ob mit Unterstützung der Prämie der Anteil
billiger Importe - insbesondere aus China - steige, sagt er. "Die
Voraussetzungen dazu hat das Umweltministerium mit der Förderprämie
geschaffen." Insbesondere die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW
, Mercedes und Porsche mit ihren
vergleichsweise teuren Autos könnten nur zusehen. "Arbeitsplätzen in
der deutschen Autoindustrie wird durch eine kleine Sonderkonjunktur
E-Auto nicht geholfen."
Zumindest im Januar hat die Ankündigung der Prämie bisher nicht zu
starken Ausschlägen bei Rabatten wichtiger Modelle geführt. Im
Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, dass die Hersteller weniger
eigenen Rabatt geben, wenn der Staat dafür sorgt, dass die Autos
billiger werden. Im Schnitt der wichtigsten von Dudenhöffer
beobachteten Fahrzeuge ist der Rabatt auf Stromer im vergangenen
Monat aber sogar leicht angestiegen. "Bis auf einige
Lockvogel-Angebote konnten wir wenig systematische Veränderungen im
Markt durch die Prämienankündigung erkennen", sagt
Dudenhöffer./ruc/DP/zb
ISIN DE0005190003 DE0007100000 DE0007664039 US88160R1014 NL00150001Q9
AXC0074 2026-02-01/15:05
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Autor: - dpa-AFX
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