| WDH/ROUNDUP/Kühnert: Abgeordneten-Altersbezüge sind skandalös |
| 01.02.2026 17:19:00 |
(ausgefallenes Schlagwort in der Überschrift ergänzt)
BERLIN (dpa-AFX) - Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hat
seine Versorgungsansprüche als ehemaliger Bundestagsabgeordneter als
viel zu hoch kritisiert. In der Rentendebatte werden zudem
Forderungen nach einer längeren Lebensarbeitszeit lauter.
Einschnitte sollte es laut Experten auch bei den Beamtenpensionen
geben, wie Ökonomen parallel zu den laufenden Beratungen der
Rentenkommission der Bundesregierung forderten.
Kühnert rückte das Versorgungssystem für Politikerinnen und
Politiker in den Fokus. Dieses sei "vollkommen ungerecht", sagte er
in der Online-Sendung "Berlin Sandmann". Er sei knappe vier Jahre im
Parlament gewesen und werde "alleine für diese kurze Zeit im
Bundestag" im Rentenalter monatlich 800 oder 900 Euro bekommen. "Das
finde ich, ehrlich gesagt, skandalös". Auf Nachfrage präzisierte
Kühnert: "Das ist viel zu viel".
Angestellte kämen für so eine Beschäftigungszeit auf 200 bis 300
Euro. "Das ist auch völlig ausreichend", so Kühnert. Bei
Abgeordneten ist die Altersentschädigung Bestandteil der
grundgesetzlich zustehenden Bezüge, die die Unabhängigkeit der
Parlamentarier sichern sollen.
Wie der Finanzlobbyist selbst noch vorsorgt
Außerdem berichtete der ehemalige Politiker, der auch mit
sozialistischen Thesen für Wirbel gesorgt hatte, dass er inzwischen
am Aktienmarkt Geld in ETF-Fonds angelegt habe - anders als in
seiner Zeit als Politiker, in der er "eine Korrumpierung von sich
selbst" habe verhindern wollen. Seit einigen Monaten arbeitet der
wegen gesundheitlicher Probleme und Anfeindungen zurückgetretene
SPD-Politiker als Lobbyist für alternative Finanzpolitik beim Verein
"Bürgerbewegung Finanzwende".
Kühnert: Nicht nur über Kürzungen reden
In der aktuellen Renten-Reformdiskussion kritisierte Kühnert, dass
oft nur über ein höheres Rentenalter und Leistungskürzungen geredet
werde. Dabei gebe es Alternativen.
Kühnert sprach sich - ähnlich wie dies auch SPD-Parteichefin Bärbel
Bas getan hatte - für eine Einbeziehung weiterer Einkommensgruppen
in die gesetzliche Rente aus. Vor allem Beamtinnen und Beamte hat
der 36-Jährige im Blick. Kühnert sitzt in der Rentenkommission des
Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die ab Ende Februar über eigene
Reformforderungen beraten will. Der DGB will bis Sommer einen
Gegenentwurf zu offiziellen Vorschlägen erarbeiten.
Beamtenpensionen in der Diskussion
Wirtschaftswissenschaftler verlangten Einsparungen bei Pensionen für
Beamtinnen und Beamte. Langfristig wäre es sinnvoll, "weniger zu
verbeamten, um den Anstieg der Pensionslasten abzuschwächen", sagte
der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen der
"Welt am Sonntag". Pensionen heutiger Beamtinnen und Beamte dürften
nicht gekürzt werden. Spielraum gebe es bei Sonderzahlungen. Auch
der Wirtschaftswissenschaftler Martin Werding sprach sich für
weniger Verbeamtungen aus. Möglich sei auch eine Absenkung des
Höchstruhegehaltssatzes von 71,75 Prozent, sagte er der Zeitung.
Aktuelle Renten-Beratungen
In der Regierungskommission zur Rente wird seit 7. Januar über eine
Reform beraten. Das Gremium umfasst Expertinnen und Experten sowie
Vertreterinnen und Vertreter der schwarz-roten Koalition. "Dabei
spielen unter anderem Fragen zum Renteneintritt, der
Rentenentwicklung und den Beiträgen eine Rolle", so die Regierung.
Die Lebensarbeitszeit ist für den nordrhein-westfälischen
Arbeitsminister und CDU-Vizevorsitzende Karl-Josef Laumann ein
zentraler Punkt. "Mit 65 haben Männer noch eine Lebenserwartung von
etwa 18 Jahren und Frauen eine Lebenserwartung von rund 21 Jahren",
sagte Laumann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Ein Teil
dieser Jahre kann schon noch mit Arbeit gefüllt sein."
Laumann: Rentenalter "Schritt für Schritt" anheben
Laumann sprach sich für die Prüfung einer weiteren Anhebung des
regulären Renteneintrittsalters von 67 Jahren "Schritt für Schritt"
aus. Positiv äußerte sich der frühere Chef des Unionssozialflügels
darüber, Lebensalter und Beitragsjahre zu kombinieren. "Wer mit 16
Jahren anfängt zu arbeiten, sollte früher in Rente gehen können als
jemand, der erst mit Mitte 20 startet." Bei betrieblicher und
privater Altersvorsorge als Ergänzung zur Rente sei voraussichtlich
über eine Verpflichtung zu reden. Das Modell der Freiwilligkeit habe
sich "nicht so richtig" bewährt.
Bisher hat Schwarz-Rot eine Reihe größerer Änderungen bei der Rente
umgesetzt, vor allem die Absicherung des Rentenniveaus und die
Ausweitung der Mütterrente. Weitergehende politische Antworten auf
die immer zahlreicheren Babyboomer, die ins Rentenalter kommen,
werden in der Kommission derzeit zunächst unter Ausschluss der
Öffentlichkeit diskutiert./bw/DP/he
AXC0081 2026-02-01/17:19
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Autor: - dpa-AFX
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