| ROUNDUP 5/Bericht: Iran bestätigt mögliches Treffen mit den USA |
| 02.02.2026 22:34:00 |
(Aktualisierung: weitere Medieninfo zu erwarteten Teilnehmern
ergänzt)
TEHERAN/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die USA und der Iran wollen nach
Medienberichten aus beiden Ländern neue Verhandlungen aufnehmen. In
den kommenden Tagen sei ein Treffen voraussichtlich zwischen
Außenminister Abbas Araghtschi und dem US-Sondergesandten Steve
Witkoff geplant, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, die den
mächtigen Revolutionsgarden im Iran nahesteht.
Der genaue Ort und Zeitpunkt des Treffens sind demnach noch nicht
bekannt. Medienberichten zufolge könnte es in der Türkei
stattfinden. Tasnim änderte den Nachrichtenbeitrag am Nachmittag
(Ortszeit) und stellte klar, dass sämtliche Details für ein Treffen
noch unklar seien. Eine Bestätigung aus den USA stand zunächst aus.
Das US-Nachrichtenportal "Axios" berichtet unter Berufung auf zwei
informierte Quellen, es werde erwartet, dass sich Witkoff und
Araghtschi am Freitag in Istanbul treffen, um über ein mögliches
Abkommen zum iranischen Atomprogramm zu sprechen. Eine dritte mit
den Planungen vertraute Quelle sagte dem Portal demnach aber auch,
dass es sich dabei um das beste Szenario handele, jedoch nichts
endgültig sei, bis es wirklich stattfinde. Nach Informationen der
"New York Times" wird erwartet, dass an einem solchen Treffen am
Freitag in Istanbul auch der Schwiegersohn von US-Präsident Donald
Trump, Jared Kushner, sowie hochrangige Vertreter aus der Türkei,
Katar und Ägypten teilnehmen.
Außenminister fordert Respekt ein
Irans Außenminister Araghtschi sagte, sein Land habe die Diplomatie
nie aufgegeben, sei aber auch bereit für eine militärische
Eskalation. "Während wir immer Männer des Krieges waren, waren wir
auch immer Männer der Diplomatie", zitierte ihn die
Nachrichtenagentur Isna.
Mit dem iranischen Volk müsse respektvoll gesprochen werden,
forderte er. "Jeder, der mit Zwang sprechen will, wird ebenso mit
Zwang eine Antwort erhalten." Zuvor hatte er mit seinen Amtskollegen
in Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei telefoniert, wie die
staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.
Die Sorgen vor einem neuen Krieg waren zuletzt wieder gewachsen.
US-Präsident Trump hat der Staatsführung in Teheran mehrfach mit
Militärschlägen gedroht, auch wegen des brutalen Vorgehens
staatlicher Repressionskräfte gegen Demonstranten bei den jüngsten
Massenprotesten. Dabei sollen Tausende, wenn nicht sogar
Zehntausende Menschen getötet worden sein. Das US-Militär hat seine
Präsenz in der Region seit Anfang Januar deutlich ausgebaut, etwa
mit dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und dessen
Begleitschiffen.
Iranisches Atomprogramm weiter im Fokus
Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über Irans
umstrittenes Atomprogramm verhandelt, die Gespräche waren jedoch bei
zentralen Fragen ins Stocken geraten. So fordern die USA etwa, dass
Irans Führung ihre Urananreicherung vollständig einstellt. Teheran
ist zur Begrenzung seines Atomprogramms bereit, betrachtet die
Maximalforderung jedoch als rote Linie.
Nur einen Tag vor Beginn der geplanten sechsten Verhandlungsrunde im
Juni 2025 griff Israel den Iran an. Die Streitkräfte der Islamischen
Republik reagierten mit Raketenbeschuss. Knapp eine Woche später
schloss sich das US-Militär dem Krieg an und bombardierte zentrale
Atomanlagen. Trump sagte damals, Irans Nukleareinrichtungen seien
komplett vernichtet worden.
Weitere Streitpunkte sind Irans Raketenprogramm, die Unterstützung
militanter Gruppen in Nahost sowie der Verbleib von 400 Kilogramm
hochangereichertem Uran. Irans Regierung hatte vor Gesprächen
betont, zunächst nur über das Atomprogramm verhandeln zu wollen.
Trump zwischen Drohung und ausgestreckter Hand
Irans Regierung erhofft sich von Verhandlungen eine Aufhebung der
harten internationalen Sanktionen und wirtschaftlichen Aufschwung.
Ausgelöst wurden die jüngsten Demonstrationen Ende Dezember durch
die schwere Wirtschaftskrise, ehe sich die Proteste zu einem
politischen Aufstand ausweiteten.
Trump hatte den Demonstranten auf dem Höhepunkt der Proteste seine
Unterstützung zugesagt. Mitte Januar sprach sich der Republikaner
für einen Machtwechsel in der Islamischen Republik aus. Dass er nun
einen Deal mit der Staatsführung erwägt, sehen viele Iranerinnen und
Iraner kritisch.
Iran reagiert auf EU-Sanktionen gegen Revolutionsgarden
Der Iran hat unterdessen nach eigenen Angaben in Reaktion auf den
EU-Beschluss, die iranischen Revolutionsgarden als
Terrororganisation einzustufen, alle Botschafter europäischer Länder
einbestellt. "Gestern und heute wurden alle europäischen Länder und
EU-Mitgliedstaaten mit Botschaften in Teheran ins Außenministerium
einbestellt", sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai bei einer
Pressekonferenz. Es sei das "Mindeste", weitere Reaktionen würden
folgen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der deutsche
Botschafter erneut einbestellt wurde.
Parlament reagiert mit symbolischer Aktion
Bereits am Sonntag hatte Parlamentspräsident Mohammed Bagher
Ghalibaf erklärt, dass die Armeen der Europäer fortan auch als
Terrororganisationen betrachtet werden. Er berief sich dabei auf ein
Gesetz aus dem Jahr 2019. Aus iranischer Sicht ist damit auch die
Bundeswehr eine Terrororganisation. Im Parlament trugen Abgeordnete
aus Solidarität Uniformen der Revolutionsgarden. "Tod für Amerika"
und "Tod für Israel" riefen einige Politiker mit erhobenen Fäusten,
wie auf Videos iranischer Medien zu sehen war.
Die Europäische Union hatte am Donnerstag entschieden, die
Revolutionsgarden wegen ihres blutigen Vorgehens gegen die jüngsten
Massenproteste als Terrororganisation einzustufen. Die Entscheidung
gilt als symbolischer Schritt, der wegen bereits bestehender
Sanktionen wenig praktische Bedeutung haben dürfte. Über die Listung
der Revolutionsgarden als Terrororganisation wurde in der EU
jahrelang diskutiert./arb/mi/fsp/DP/he
AXC0286 2026-02-02/22:34
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Autor: - dpa-AFX
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