| Letzter Gruß an F60 - Sprengung rührt Bergleute zu Tränen |
| 05.02.2026 14:30:00 |
Es ist ein Tag voller Wehmut, an dem Tränen
fließen. Bergleute aus dem Lausitzer Braunkohlerevier kommen
zusammen - das gekreuzte Bergbauzeichen aus Schlägel und Eisen an
der Jacke. Zum letzten Mal erklingt von der legendären F60 der
Bergmannsgruß "Glück auf". Die gigantische Abraumförderbrücke - 500
Meter lang, 80 Meter hoch und aus 31.000 Tonnen Stahl - wurde am
Vormittag im ehemaligen Tagebau Jänschwalde gesprengt.
"Das geht mir sehr nahe", sagt Ingenieur Karsten Möhring und weint.
45 Jahre F60 - das sei sein Leben, sagt der Fachmann, inzwischen im
Ruhestand. Beschäftigte des Energieerzeugers Leag und ehemalige
Mitarbeiter verfolgen die Sprengung, die strenge
Sicherheitsvorkehrungen nötig macht, via Livestream im Internet.
Die Stimmung ist emotional: "Danke F60" ist zu hören. Mit dem Fall
der Förderbrücke geht ein wichtiges Kapitel Lausitzer
Bergbaugeschichte zu Ende. Das Unternehmen Leag baut angesichts des
Kohleausstiegs 2023 aber längst an neuen Energie-Projekten und
errichtet Wind- und Solarparks.
Nicht alle Bergleute wollen sich Sprengung anschauen
Der ehemalige Tagebauleiter Dietmar Junker ist aufgeregt. "Ich
denke, ein Tränchen wird man schon verdrücken", sagt er, kurz bevor
der Koloss mit lautem Krachen fällt. "Es gibt auch Kollegen, die
können sich das nicht anschauen, weil sie sagen, das war unser
Arbeitsplatz, der in wenigen Augenblicken ein Schrotthaufen ist."
Zum ersten Mal fällt eine F60. Sie wird als technisches Meisterwerk
und eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt
bezeichnet. Drei andere Stahl-Kolosse dieses Typs sind im Lausitzer
Revier noch im Betrieb. Eine F60 wird als Besucherbergwerk im Süden
Brandenburgs genutzt.
Tagebau-Arbeit mit der F60 bei minus 25 Grad
Viele Bergleute erinnern sich, wie mit der F60 über Jahrzehnte
Braunkohle in Jänschwalde freigelegt wurde, um die Stromversorgung
zu sichern.
"Man empfindet erst mal Stolz, dass wir das Kraftwerk Jänschwalde
ständig versorgt haben mit Braunkohle - egal unter welchen
Wetterbedingungen", sagt Junker. "Wir hatten hier im Tagebau Winter
mit Temperaturen von minus 25 Grad." Auch Betriebsrätin Katrin
Lösche, die 1984 eine Ausbildung auf der F60 begann, sagt: "Wir
haben gemeinsam geschwitzt, gefroren, geschippt (...)"./mow/DP/jha
AXC0234 2026-02-05/14:30
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Autor: - dpa-AFX
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