| Zalando-Betriebsrat: Alternativen zur Schließung prüfen |
| 05.02.2026 16:37:00 |
Der Betriebsrat des Erfurter Logistikzentrums des
Mode-Versandhändlers Zalando hat den Vorstand
aufgefordert, Alternativen zur Schließung des Standorts zu prüfen.
"Darüber ist überhaupt noch nicht gesprochen worden", sagte der
Betriebsratsvorsitzende Tony Krause vor einer Betriebsversammlung
der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) wird den
Beschäftigten nach Angaben der Staatskanzlei die Unterstützung der
Landesregierung zusichern. "Die Entscheidung des Unternehmens war
verantwortungslos", erklärte Voigt.
Zukunft für 2.700 Arbeitnehmer unsicher
Bei der Betriebsversammlung geht es um die berufliche Zukunft der
2.700 Beschäftigten des Internet-Modehändlers in Erfurt. Der
Betriebsrat hat - um allen Platz zu bieten - eine Messehalle in
Erfurt gemietet. Betroffen sind nach Schätzungen außerdem etwa 300
Beschäftigte bei Dienstleistern in der Region.
Die Arbeitnehmervertretung kritisiert seit der
Schließungsentscheidung von Anfang Januar, dass der Betriebsrat
entgegen der rechtlichen Regelungen nicht rechtzeitig gehört worden
sei. Er pocht auf sein Beteiligungsrecht. Seit der Verkündung, dass
der Standort im September geschlossen werden soll, habe es keinen
Kontakt mit dem Vorstand gegeben, sagte Krause. Der Betriebsrat habe
inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet.
Kritik an Taschenkontrollen
Trotz des Schocks laufe der Betrieb in dem Logistikzentrum normal
weiter. "Es gibt niemanden, der auf uns zukommt wegen eines
Aufhebungsvertrags". Erste Vorbereitungen zur Jobvermittlung durch
die regionale Arbeitsagentur gebe es nur für Beschäftigte, deren
befristete Verträge in nächster Zeit ausliefen.
Kritik übte der Betriebsrat an Sicherheitsvorkehrungen des
Unternehmens bei der ersten Betriebsversammlung nach dem
angekündigten Standort-Aus am Donnerstagabend. Es sei mit vielen
Sicherheitskräften, Taschenkontrollen und möglicherweise Scannern zu
rechnen, so Krause. "Wir halten das für völlig überzogen."
Krause verwies darauf, dass das Unternehmen bereits bei der
Verkündung der Standortschließung Anfang Januar extreme
Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe. Es seien Fenstergriffe
entfernt und etwa 50 zusätzliche Sicherheitsleute, aber auch
Sanitäter eingesetzt worden. Ein Unternehmenssprecher von Zalando
sagte auf Anfrage zu den Sicherheitsvorkehrungen, der Arbeitgeber
habe eine Fürsorgepflicht und stehe bei Vorfällen auch in der
Haftung. "Sicherheit geht vor".
Landesregierung spart nicht mit Kritik
Nach Angaben von Voigt wolle die Landesregierung alles daransetzen,
neue berufliche Perspektiven für die Zalando-Beschäftigten zu
schaffen. "Wir unterstützen Qualifizierungen, organisieren Beratung
direkt vor Ort und setzen auf die vielen Logistikunternehmen hier in
Mittelthüringen. Wir werden alles dafür tun, dass alle Betroffenen
eine faire Chance auf neue Arbeit bekommen."
Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) warf dem Unternehmen
vor, es über lange Zeit versäumt zu haben, kontinuierlich in die
Modernisierung und Weiterentwicklung seines ältesten und größten
Logistikstandorts zu investieren. "Die Entscheidung zur
Standortschließung war aus meiner Sicht deshalb keineswegs
alternativlos - sondern sie wäre vermeidbar gewesen." Den Umgang mit
den Mitarbeitern bezeichnete sie als "geradezu schäbig".
Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) erinnerte an die
finanzielle Förderung der Investition vor 14 Jahren. Für Zalando
wurde von der Stadt eine Buslinie eröffnet und ein Radweg gebaut.
Schenk: "Zalando darf jetzt nicht zu billig davonkommen."
Mitbestimmung müsse wirklich gelebt werden./rot/DP/he
ISIN DE000ZAL1111
AXC0278 2026-02-05/16:37
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Autor: - dpa-AFX
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