| ROUNDUP 3: Stahlhütte HKM soll bleiben - aber starker Stellenabbau |
| 06.02.2026 19:33:00 |
(neu: Stellungnahme Vallourec)
DUISBURG/SALZGITTER (dpa-AFX) - Beim Duisburger Stahlhersteller HKM
soll auch künftig Stahl gekocht werden - allerdings mit 1.000 statt
3.000 Beschäftigten und unter alleiniger Führung von Salzgitter. Die
beiden Gesellschafter Thyssenkrupp Steel und
Salzgitter AG haben sich jetzt auf Eckpunkte
verständigt, wie Thyssenkrupp schon in Kürze aussteigen kann. Der
dritte Gesellschafter Vallourec äußerte sich bereits
zustimmend. Salzgitter hatte sein Interesse an einer
Komplettübernahme bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht und
dabei auch schon einen Stellenabbau skizziert.
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann gehören den Stahlunternehmen
Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter (30 Prozent) und dem
französischen Röhrenhersteller Vallourec (20 Prozent). HKM
beschäftigt etwa 3.000 Menschen und produziert mit zwei Hochöfen
Vorprodukte für die Eigentümer. Thyssenkrupp und Vallourec wollen
sich vor dem Hintergrund der angespannten Stahlkonjunktur schon seit
Längerem aus dem Unternehmen zurückziehen. Im Raum stand auch eine
Schließung des Traditionsunternehmens. Die Vereinbarung kam jetzt
unter Vermittlung des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten
Roland Koch zustande.
Ab 2029 bekommt Thyssenkrupp keine Brammen mehr von HKM
Die Vereinbarung sieht einen Verkauf der HKM-Gesellschaftsanteile
von Thyssenkrupp Steel an Salzgitter zum 1. Juni 2026 vor. Die
Belieferung an Thyssenkrupp Steel von HKM soll dann Ende 2028
auslaufen. Bisher war dies für Ende 2032 geplant. Finanzielle
Details zum Ausstieg von Thyssenkrupp wollten die Unternehmen nicht
veröffentlichen.
Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen,
Hendrik Wüst (CDU) und Olaf Lies (SPD), begrüßten die Einigung. "Sie
kann bei allen schmerzhaften Folgen eine verantwortungsvolle Lösung
sein", so Wüst. Die Beschäftigten müssten nun schnell endgültige
Klarheit bekommen. "Wenn wir Industrieland bleiben wollen, brauchen
wir eine wettbewerbsfähige Stahlindustrie."
"Mit der heutigen Verständigung ist ein wichtiger Schritt gelungen,
einen drohenden Strukturbruch abzuwenden und Beschäftigung und
Wertschöpfungsketten in Deutschland zu sichern", sagte Lies. Er sei
froh, dass viele Beteiligte an einem Strang gezogen hätten, damit
der traditionsreiche Standort in Duisburg eine Perspektive bekomme.
"Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Erhalt des Standortes
verbunden ist mit einem Abbau von Beschäftigung. Das ist die
Kehrseite dieser Einigung."
Damit das Ganze vollzogen werden kann, muss neben der Zustimmung von
Vallourec noch eine weitere Bedingung erfüllt sein: Ein bereits
beauftragtes sogenanntes Fortführungsgutachten müsse zu einer
positiven Bewertung kommen, hieß es.
Ein Salzgitter-Sprecher bestätigte die Eckdaten, die Salzgitter-Chef
Gunnar Groebler im Dezember in einem Interview der "WAZ" vorgestellt
hatte. Demnach sollen die beiden Hochöfen von HKM stillgelegt
werden. Im Gegenzug soll ein neuer Elektrolichtbogenofen Stahl
erzeugen - und zwar 2,0 bis 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. "Für den
Ofen gibt es die Zusage einer öffentlichen Förderung von knapp 200
Millionen Euro", sagte der Sprecher.
2.000 Stellen sollen wegfallen
Das industrielle Konzept für die Fortführung von HKM sehe eine
Belegschaftsstärke von rund 1.000 Beschäftigten vor, sagte der
Sprecher weiter. Das bedeutet, dass 2.000 Stellen abgebaut werden.
"Wie der Stellenabbau im Einzelnen vollzogen wird, wird Gegenstand
von Verhandlungen sein zwischen Betriebsrat und Unternehmen", so der
Sprecher. Salzgitter machte keine Angaben dazu, wann der
Stellenabbau beginnen könnte.
Voraussetzung für eine Übernahme aller Anteile sei, dass sich die
bisherigen Miteigentümer an den Kosten für eine Verkleinerung
beteiligten, hatte Groebler betont. Dazu machten Salzgitter und
Thyssenkrupp Steel keine Angaben.
Vallourec ist bereit zum Verkauf
Vallourec äußerte sich am Abend zustimmend zu der Vereinbarung. "Da
die Strategie von Vallourec keine Beteiligung an HKM mehr erfordert,
ist der Konzern bereit, seine Eigentumsbeteiligung zu verkaufen",
hieß es in einem Statement auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Vallourec sehe die zwischen Thyssenkrupp Steel und Salzgitter
erzielte Einigung als wichtigen Schritt in Richtung einer möglichen
Veräußerung. Man werde die Bedingungen der Vereinbarung in den
kommenden Tagen gründlich analysieren.
Thyssenkrupp Steel will 11.000 Stellen abbauen oder auslagern
Für Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE), Deutschlands größten
Stahlhersteller, ist ein Ausstieg aus HKM ein wichtiger Schritt bei
der Neuaufstellung des angeschlagenen Unternehmens. Ein harter
Sanierungskurs soll TKSE wieder wettbewerbsfähig machen. Er sieht
weniger Produktionskapazitäten sowie den Abbau und die Auslagerung
von insgesamt 11.000 Stellen vor.
Auswirkungen dürfte die Einigung auch auf die laufenden
Verhandlungen von Thyssenkrupp mit dem indischen Stahlunternehmen
Jindal Steel über eine Übernahme der Stahlsparte haben.
Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte sich zuletzt zurückhaltend zu
diesen Verhandlungen geäußert und lediglich gesagt: "Mit Jindal
Steel sind wir in konstruktivem Austausch."
TK-Stahlchefin: "Faire und für alle Beteiligten tragfähige Lösung"
Thyssenkrupp-Stahlchefin Marie Jaroni nannte die Einigung einen
Meilenstein zur zukunftsfesten Aufstellung von Thyssenkrupp Steel.
"Mit der Vereinbarung ist es uns gelungen, eine faire und für alle
Beteiligten tragfähige Lösung zu erzielen. Damit kommen wir unserer
Verantwortung sowohl für Thyssenkrupp Steel als Ganzes als auch für
die HKM-Beschäftigten nach", sagte sie.
Die Vereinbarung sei ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg, für HKM
eine gute industrielle Zukunft zu erarbeiten, sagte Groebler. "Sie
schafft Klarheit für alle Beteiligten in diesem Prozess und gibt den
Mitarbeitenden von HKM eine positive Perspektive." HKM könne damit
ein Teil des Transformationsprozesses hin zur CO2-armen
Stahlerzeugung im Salzgitter-Konzern werden.
IG Metall ist erleichtert
Die IG Metall äußerte sich trotz des erwarteten Stellenabbaus
erleichtert. "Die Fortführung von HKM ist ein gutes Signal für den
Stahlstandort NRW", sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Es werde
ein schwieriger Weg, aber es würden wichtige Wertschöpfungsketten in
NRW und darüber hinaus abgesichert.
Der Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus,
sagte: "Damit bleibt Duisburg der größte Stahlstandort Europas. Das
ist ein gutes Signal in die Belegschaft, in die Region und für den
Stahl in Deutschland."
Positiv äußerte sich auch Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin
Mona Neubaur (Grüne): "Die Einigung zur künftigen
Gesellschafterstruktur der HKM bringt mehr Klarheit und eröffnet
eine industrielle Perspektive für Duisburg und die Beschäftigten",
sagte sie. Für die Beschäftigten und ihre Familien bleibe die
Situation dennoch herausfordernd: "Die Zukunft von HKM darf nicht
allein betriebswirtschaftlich gedacht werden, sondern muss
Beschäftigung, Qualifikation und regionale Wertschöpfung mit in den
Blick nehmen."/tob/DP/stw
ISIN DE0007500001 DE0006202005 FR0013506730
AXC0227 2026-02-06/19:33
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Autor: - dpa-AFX
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