| ROUNDUP: Japans neue Regierungschefin erringt Wahlsieg |
| 08.02.2026 13:05:00 |
Japans neue nationalkonservative
Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat bei der Unterhauswahl einen
deutlichen Sieg errungen. Ihre Liberaldemokratische Partei (LDP)
konnte die Mehrheit in der mächtigen Parlamentskammer zurückerobern,
wie japanische Medien auf Basis von Wählerbefragungen nach
Schließung der Wahllokale berichteten.
Demnach dürfte die LDP ihre bisherige Sitzzahl von 198 deutlich auf
mehr als 300 der 465 Sitze zählenden Parlamentskammer erhöht haben.
Mit ihrem bisherigen Partner, der neoliberalen Partei Ishin, könnte
sie sogar auf eine Zweidrittelmehrheit kommen.
Takaichi ist erst seit wenigen Monaten im Amt
Dabei ist Takaichi als erste Frau an der Spitze der Regierung erst
seit Ende Oktober im Amt. Bisher hat sie noch nicht viel erreicht.
Weder ist der Etat für das im April beginnende Haushaltsjahr
beschlossen, noch die durch den schwachen Yen geschürte Inflation
eingedämmt. Die Realeinkommen sinken.
Die seit 1955 fast ununterbrochen regierende LDP hatte wegen
Skandalen bei den vorherigen Wahlen im Unterhaus wie auch im
Oberhaus die Mehrheit verloren. Gestützt von Ishin regierte sie
zuletzt nur mit hauchdünner Mehrheit.
Die LDP profitierte nun von der überraschend hohen Popularität der
rechtsgerichteten Takaichi. Sie habe es verstanden, über soziale
Medien und im Fernsehen gezielt das Image einer starken
Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder nach vorn bringt,
sagte Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der
Universität Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio
"Ausländerproblem" im Mittelpunkt des Wahlkampfes
Im Wahlkampf stand vor allem das "Ausländerproblem" im Mittelpunkt.
Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich
unwohl und unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die
LDP. Auch will sie Ausländer mit verschärften Gesetzen fortan am
Kauf von Immobilien hindern.
Mit dem Thema gelang es der LDP Beobachtern zufolge, konservative
Wähler zurückzugewinnen, die sich der rechtsextremen und offen
ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito zugewandt hatten. Nach
ersten Berichten blieb die Sanseito bei der Wahl weit hinter den
Erwartungen zurück. Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl hatte
Takaichi die Opposition kalt erwischt.
Opposition mit Verlusten
Die größte Oppositionspartei, die Konstitutionelle Demokratische
Partei, und der langjährige LDP-Partner Komeito schlossen sich
hektisch zur Zentristischen Reformallianz zusammen. Die neue Partei
versteht sich als liberale Alternative zur rechten Takaichi. Das
Kalkül der Regierungschefin ging am Ende jedoch auf: Das neue
Oppositionsbündnis erlitt bei der Parlamentswahl deutliche Verluste.
Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi engere
Beziehungen zur Schutzmacht USA und einen Ausbau der Streitkräfte,
um in Asien ein Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen.
Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt war die 64-Jährige mit Peking
aneinandergeraten, als sie sagte, ein Angriff Chinas auf das
demokratische Taiwan würde eine "existenzbedrohende Situation" für
Japan darstellen, was zu einer militärischen Reaktion führen könne.
Takaichi profitiert von harter Haltung gegenüber China
Peking reagierte prompt mit scharfer Kritik, gestrichenen
Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische
Meeresfrüchte. Anstatt ihre Wahlchancen zu schmälern, steigerte ihre
harte Haltung gegenüber Japans geopolitischem Rivalen Takaichis
Popularität sogar noch - gerade auch unter den Jüngeren.
Ungeachtet der schon jetzt extrem hohen Staatsverschuldung
verspricht Takaichi zudem, die Wirtschaft ihres Landes mit einer
aggressiven Fiskalpolitik wiederzubeleben. Mit Senkung der
Benzinsteuer und Zusagen, das Nettoeinkommen durch Steueränderungen
zu erhöhen, vor allem für junge Familien mit niedrigeren Einkommen,
wandte sie sich gezielt an die Jüngeren./ln/DP/zb
AXC0050 2026-02-08/13:05
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Autor: - dpa-AFX
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