| Tschentscher kritisiert maritimen Koordinator |
| 08.02.2026 13:19:00 |
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)
wünscht sich vom maritimen Koordinator der Bundesregierung,
Christoph Ploß (CDU), bei der Hafenfinanzierung mehr Unterstützung.
Zugleich monierte er, dass der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete
als Koordinator nicht die von allen Küstenländern getragenen
Positionen unterstütze.
"Wir brauchen - und das war auch zugesagt - die Unterstützung der
Hamburger CDU-Abgeordneten in Berlin für die Interessen ihrer
Heimatstadt", sagte Tschentscher der Deutschen Presse-Agentur. "Der
maritime Koordinator hat die Aufgabe, die Hafenpolitik
voranzubringen." Dies funktioniere aber nur, wenn Ploß die
Positionen der Länder vertrete - was aus Sicht des Bürgermeisters
bisher nicht der Fall sei.
Küstenländer fordern für Seehäfen mehr Geld vom Bund
Hamburg und die anderen Küstenländer verlangen seit langem vom Bund
deutlich mehr Investitionen in die Hafeninfrastruktur. Bislang
erhalten alle Seehäfen zusammen 38 Millionen Euro pro Jahr. Nötig
sind aber nach Berechnungen des Zentralverbands der deutschen
Seehafenbetriebe und des Deutschen Gewerkschaftsbunds rund 500
Millionen Euro.
Auch Ploß hatte sich noch Ende 2024 - damals noch in der Opposition
- in einem Konzeptpapier für die Bundestagswahl dieser Forderung
angeschlossen.
Tschentscher: Finanzierung der Häfen ist nationale Aufgabe
Die Instandhaltung der Seehäfen, über die ein Großteil des deutschen
Außenhandels abgewickelt werde und denen auch für die Verteidigung
eine entscheidende militärische Bedeutung zukomme, sei eine
nationale Aufgabe, sagte Tschentscher. Deshalb müsse sich der Bund
auch stärker an der Finanzierung beteiligen.
Bisher werde in Berlin aber nur auf den vom Bund aufgelegten
Investitionsfonds für Länder und Kommunen verwiesen, aus dem
Infrastrukturprojekte finanziert und die Modernisierung des Landes
vorangebracht werden sollen. "Das würde aber bedeuten, dass wir die
kompletten Beträge, die wir in Hamburg aus dem Investitionsfonds
bekommen, eben nicht für Schulen, für Kultur, für Polizei oder für
Straßen und Brücken einsetzen könnten, sondern alles in den Hafen
lenken müssten", sagte Tschentscher.
Tschentscher: Ploß keine Hilfe - "eher das Gegenteil"
Alle norddeutschen Länder würden dadurch benachteiligt, "wenn sie
die Gelder, die der Bund allen Ländern zur Verfügung stellt, nicht
dafür nutzen könnten, wofür sei eigentlich gedacht sind". Dass sie
diese Position des Bundes geschlossen ablehnen, wisse man auch im
Kanzleramt sowie im Wirtschafts- und Verkehrsministerium - allesamt
CDU-geführt, sagte Tschentscher.
"Alle drei kennen diese Position und signalisieren uns auch, dass
sie an einer Lösung arbeiten. Nur der maritime Koordinator hilft
leider gar nicht." Zwar habe auch Ploß bekundet, Hamburger
Interessen vertreten zu wollen. "Aber er vertritt dezidiert eine
Position, die alle fünf norddeutschen Länder ablehnen", sagte der
Bürgermeister. "Das ist ein Problem, weil es keine Hilfestellung ist
- es ist eher das Gegenteil."
1,3 Milliarden Euro für Bremerhaven "in Nacht-und-Nebel-Aktion"
Noch immer empört zeigte sich Tschentscher über die 1,3 Milliarden
Euro, die Bremerhaven im November vom Haushaltsausschuss des
Bundestages zugeschlagen bekommen hatte. Das Geld soll dort in den
kommenden Jahren in den Ausbau verteidigungswichtiger
Hafeninfrastruktur fließen. Für Bremerhaven sei das zwar eine gute
Nachricht, erklärte Tschentscher. Es habe sich allerdings um eine
"Nacht-und-Nebel-Aktion" gehandelt, "über die noch nicht einmal die
Mitglieder der Bundesregierung vernünftig informiert wurden".
Deshalb seien sowohl der schleswig-holsteinische Ministerpräsident
Daniel Günther - "der ja bekanntermaßen ein CDU-Parteibuch in der
Tasche trägt - als auch die anderen SPD-geführten Küstenländer not
amused über diese Entscheidung, die einfach unkoordiniert und damit
unvertretbar ist", sagte Tschentscher. Und auch da stelle sich ihm
die Frage: "Was koordiniert eigentlich der maritime Koordinator?"
CDU-Oppositionschef: Bürgermeister Tschentscher liegt falsch
Die CDU-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft wies die Kritik
Tschentschers scharf zurück. Der Bürgermeister liege falsch, sagte
Fraktionschef Dennis Thering der Deutschen Presse-Agentur.
"Ausgerechnet denjenigen anzugreifen, der auf Bundesebene für
maritime Fragen zuständig ist, führt in der Sache keinen Schritt
weiter." Der eigentliche Engpass liege nicht bei Ploß, sondern bei
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der für die
Haushaltsprioritäten des Bundes verantwortlich sei.
"Gerade der rot-grüne Senat sollte sich an die eigene Nase fassen",
sagte Thering. Schließlich habe sich die Stadt entschieden, aus dem
für Hamburg vorgesehenen Anteil am Sondervermögen des Bundes für
Infrastruktur rund 600 Millionen Euro für ein Naturkundemuseum im
Elbtower auszugeben. "Diese Summe fehlt nun an anderer Stelle, auch
im Hafen."
CDU: Rot-grüner Senat setzt falsche Prioritäten
Wenn der Bund angesichts solcher Entscheidungen wenig Bereitschaft
zeige, zusätzliche Gelder bereitzustellen, sei das kein Versagen des
Hafenkoordinators, sondern Ausdruck einer falschen
Prioritätensetzung des rot-grünen Senats, sagte Thering. "Wer selbst
Milliarden in Prestigeprojekte lenkt, kann schwerlich erwarten, dass
der Bund anschließend die Lücken stopft."/fi/klm/DP/zb
ISIN DE000A0S8488
AXC0052 2026-02-08/13:19
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Autor: - dpa-AFX
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