| ROUNDUP 2: Japans neue Regierungschefin erringt Wahlsieg |
| 08.02.2026 15:05:00 |
Japans neue nationalkonservative
Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat bei der Wahl zum Unterhaus
einen überragenden Sieg errungen. Ihre Liberaldemokratische Partei
(LDP) konnte ihre Mehrheit in der mächtigen Kammer des nationalen
Parlaments zurückerobern, wie japanische Medien auf Basis von
Wählerbefragungen nach Schließung der Wahllokale berichteten.
Demnach dürfte die LDP ihre bisherige Sitzzahl von 198 auf mehr als
300 des 465 Sitze zählenden Unterhauses erhöht haben. Mit ihrem
bisherigen Partner, der neoliberalen Partei Ishin, könnte sie sogar
auf eine Zweidrittelmehrheit kommen.
Die von der rechtsgerichteten Takaichi seit langem angestrebte
Revision von Artikel 9 der seit 1947 unveränderten Verfassung, der
Japan sicherheitspolitische Schranken auferlegt, würde damit
realistischer werden. In dem Artikel verzichtet Japan "für alle
Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die
Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung
internationaler Streitigkeiten".
Takaichi ist erst seit wenigen Monaten im Amt
Dabei ist Takaichi als erste Frau an der Spitze der Regierung erst
seit Ende Oktober im Amt. Bisher hat sie noch nicht viel erreicht.
Weder ist der Etat für das im April beginnende Haushaltsjahr
beschlossen, noch die durch den schwachen Yen geschürte Inflation
eingedämmt. Die Realeinkommen sinken.
Die seit 1955 fast ununterbrochen regierende LDP hatte wegen
Skandalen bei den vorherigen Wahlen im Unterhaus wie auch im
Oberhaus die Mehrheit verloren. Gestützt von Ishin regierte sie
zuletzt nur mit hauchdünner Mehrheit.
Die LDP profitierte nun von Takaichis überraschend hoher
Popularität. Die 64-jährige Politikerin habe es verstanden, über
soziale Medien und im Fernsehen gezielt das Image einer starken
Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder nach vorn bringt,
erklärte Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der
Universität Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio.
"Ausländerproblem" im Mittelpunkt des Wahlkampfes
Im Wahlkampf stand vor allem das "Ausländerproblem" im Mittelpunkt.
Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich
unwohl und unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die
LDP. Auch will sie Ausländer mit verschärften Gesetzen fortan am
Kauf von Immobilien hindern.
Mit dem Thema gelang es der LDP Beobachtern zufolge, konservative
Wähler zurückzugewinnen, die sich der rechtsextremen und offen
ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito zugewandt hatten. Nach
ersten Berichten blieb die Sanseito bei der Wahl weit hinter den
Erwartungen zurück. Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl hatte
Takaichi die Opposition kalt erwischt.
Enges Verhältnis zu Trump
Die größte Oppositionspartei, die Konstitutionelle Demokratische
Partei, und der langjährige LDP-Partner Komeito schlossen sich
hektisch zur Zentristischen Reformallianz zusammen. Die neue Partei
versteht sich als liberale Alternative zur rechten Takaichi. Das
Kalkül der Regierungschefin ging am Ende jedoch auf: Das neue
Oppositionsbündnis erlitt bei der Parlamentswahl deutliche Verluste.
Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi engere
Beziehungen zur Schutzmacht USA. "Takaichi hat keinerlei
Berührungsängste gegenüber US-Präsident Donald Trump, ihr fast
enthusiastischer Umgang mit ihm gilt ihrer Wählerschaft als Beweis
für diplomatisches Geschick", sagte Experte Klein.
Auch will Takaichi die Streitkräfte des Landes ausbauen, um in Asien
ein Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen. Bereits kurz
nach ihrem Amtsantritt war Takaichi mit Peking aneinandergeraten,
als sie sagte, ein Angriff Chinas auf das demokratische Taiwan würde
eine "existenzbedrohende Situation" für Japan darstellen, was zu
militärischer Reaktion führen könne.
Takaichi profitiert von harter Haltung gegenüber China
Peking reagierte mit scharfer Kritik, gestrichenen Flugverbindungen
und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Anstatt ihre
Wahlchancen zu schmälern, steigerte ihre harte Haltung gegenüber
Japans geopolitischem Rivalen Takaichis Popularität noch. Sie gilt
als Protegé des 2022 ermordeten Ex-Premiers Shinzo Abe, dessen
nationalistische und revisionistische Ansichten sie teilt.
Ungeachtet der schon jetzt extrem hohen Staatsverschuldung
verspricht Takaichi, die Wirtschaft ihres Landes mit einer
aggressiven Fiskalpolitik wiederzubeleben. Mit Senkung der
Benzinsteuer und Zusagen, das Nettoeinkommen durch Steueränderungen
zu erhöhen, vor allem für junge Familien mit niedrigeren Einkommen,
wandte sie sich gezielt an die Jüngeren./ln/DP/zb
AXC0055 2026-02-08/15:05
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Autor: - dpa-AFX
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