| ROUNDUP: Historischer Erfolg für Japans Regierungspartei - Nikkei auf Rekordhoch |
| 09.02.2026 06:35:00 |
Japans Regierungspartei hat unter Führung der
stramm nationalkonservativen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi den
größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. Als erste Partei seit
dem Zweiten Weltkrieg gewann die Liberaldemokratische Partei (LDP)
bei der Wahl zum Unterhaus allein mehr als zwei Drittel der 465
Sitze in der mächtigen Parlamentskammer. Der überragende Sieg
verschafft der rechtsgerichteten Regierungschefin enorme Macht. Als
erste Frau an der Spitze der Regierung ist Takaichi erst seit Ende
Oktober im Amt. An der Börse kam die Nachricht gut an. Der Leitindex
der Tokioter Börse zog um fast sechs Prozent auf das Rekordhoch von
57.337 Punkten an.
Die LDP baute ihre Sitzzahl im Unterhaus von zuvor 198 auf 316
Mandate aus und überschritt damit als erste Partei im
Nachkriegsjapan die Zweidrittelmehrheit. So kann sie nun
Verfassungsänderungen vorantreiben und Gesetze verabschieden, selbst
wenn diese vom Oberhaus abgelehnt werden. In der zweiten Kammer des
nationalen Parlaments ist die Regierungskoalition der LDP und ihres
neoliberalen Juniorpartners Ishin weiterhin in der Minderheit.
Die seit ihrer Gründung 1955 fast ununterbrochen regierende LDP
hatte wegen eines Parteispendenskandals sowie der Unzufriedenheit im
Volk über die steigenden Preise und die Einwanderungspolitik bei den
vorherigen Wahlen sowohl im Unterhaus als auch im Oberhaus die
Mehrheit verloren. Gestützt von Ishin regierte sie zuletzt nur mit
einer hauchdünnen Mehrheit. Ihren jetzt überragenden Wahlsieg hat
die LDP Takaichis enormer Popularität zu verdanken.
Überschwängliche Glückwünsche vom US-Präsidenten
Die von Takaichi angestrebte Revision des Pazifismusartikels 9 der
seit 1947 unveränderten Verfassung, der Japan sicherheitspolitische
Schranken auferlegt, wird nun realistischer. In dem Artikel
verzichtet Japan "für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes
Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als
Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten".
Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi engere
Beziehungen zur Schutzmacht USA. US-Präsident Donald Trump
gratulierte ihr auf seiner Plattform Truth Social überschwänglich.
"Herzlichen Glückwunsch an Ministerpräsidentin Sanae Takaichi und
ihre Koalition zum ERDRUTSCHSIEG", schrieb Trump. "Sanae: Es war mir
eine Ehre, Sie und Ihre Koalition zu unterstützen. Ich wünsche Ihnen
viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer konservativen Agenda Frieden
durch Stärke."
Takaichi habe "keinerlei Berührungsängste" gegenüber Trump, sagte
Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der Universität
Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Ihr "fast
enthusiastischer Umgang mit ihm gilt ihrer Wählerschaft als Beweis
für diplomatisches Geschick", erklärte Klein.
Takaichi will Japans Militär kräftig aufrüsten, um in Asien ein
Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen. Bereits kurz nach
ihrem Amtsantritt war sie mit der Führung in Peking
aneinandergeraten, als sie sagte, ein Angriff Chinas auf die
demokratische Inselrepublik Taiwan würde eine "existenzbedrohende
Situation" für Japan darstellen, was zu einer militärischen Reaktion
führen könne.
Takaichi punktet mit harter Haltung gegenüber China
China reagierte mit scharfer Kritik, gestrichenen Flugverbindungen
und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Anstatt ihre
Wahlchancen zu schmälern, steigerte ihre harte Haltung gegenüber
Japans geopolitischem Rivalen Takaichis Popularität eher noch. Sie
habe es verstanden, über soziale Medien und im Fernsehen gezielt das
Bild einer starken Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder
nach vorn bringt, erklärte Experte Klein.
Im Wahlkampf hatte Takaichis Partei vor allem "das Ausländerproblem"
in den Mittelpunkt gestellt. Ausländer hielten sich nicht an die
Regeln, das Volk fühle sich unwohl und unsicher, dies werde man
"frontal" angehen, versprach die LDP. Mit dem Thema gelang es der
Partei offenbar, konservative Wähler zurückzugewinnen, die sich der
rechtsextremen und offen ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito
zugewandt hatten. Die Sanseito vervielfachte ihre Mandate am Ende
zwar von 2 auf 15, kann Takachis Partei aber nicht gefährlich
werden.
Oppositionsbündnis erleidet schwere Verluste
Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl hatte Takaichi die
Opposition kalt erwischt. Die stärkste Oppositionskraft, die
Konstitutionelle Demokratische Partei, und der langjährige
LDP-Partner Komeito schlossen sich hektisch zur Zentristischen
Reformallianz zusammen. Die neue Partei versteht sich als liberale
Alternative zur rechten Takaichi. Das Kalkül der Regierungschefin
ging jedoch auf: Das neue Oppositionsbündnis erlitt schwere
Verluste, die Zahl der Mandate schrumpfte von zusammengerechnet 167
Sitzen vor der Wahl auf nur noch 49 Sitze.
Ungeachtet der schon jetzt extrem hohen Staatsverschuldung
verspricht Takaichi, die Wirtschaft ihres Landes mit einer
aggressiven Fiskalpolitik wiederzubeleben. Das freut die Börse: Der
Nikkei-Index schoss zum Handelsauftakt nach Bekanntwerden des
Wahlergebnisses erstmals über die Marke von 57.000 Punkten.
Mit einer Senkung der Benzinsteuer sowie Zusagen, das Nettoeinkommen
vor allem junger Familien mit niedrigeren Einkommen durch
Steueränderungen zu erhöhen, wandte sich Takaichi im Wahlkampf
gezielt an die Jüngeren. Nach ihrem historischen Sieg sagte die
Regierungschefin dann: "Wir tragen eine außerordentlich große
Verantwortung, uns darauf zu konzentrieren, die von uns gemachten
Wahlversprechen konsequent umzusetzen."/ln/DP/zb
AXC0027 2026-02-09/06:35
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright APA/dpa-AFX. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von APA/dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 24.984,96 | -29,91 | -0,12% |
| TecDax | 3.630,26 | -5,14 | -0,14% |
| MDAX | 31.889,11 | -76,76 | -0,24% |
| Dow Jones (EOD) | 50.135,87 | 20,20 | 0,04% |
| Nasdaq 100 | 25.268,14 | 192,37 | 0,77% |
| S & P 500 (EOD) | 6.964,82 | 32,52 | 0,47% |
| SMI | 13.517,73 | 14,67 | 0,11% |
|
| EUR/US$ | 1,1902 | -0,00 | -0,11% |
| EUR/Yen | 184,3065 | -1,43 | -0,77% |
| EUR/CHF | 0,9112 | -0,00 | -0,21% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8701 | 0,00 | 0,01% |
| Yen/US$ | 0,0065 | 0,00 | 0,81% |
| CHF/US$ | 1,3061 | 0,00 | 0,19% |
|
| baha Brent Indication | 72,33 | 2,73 | 3,93% |
| Gold | 5.047,90 | 8,49 | 0,17% |
| Silber | 82,29 | 1,99 | 2,48% |
| Platin | 2.096,16 | 5,07 | 0,24% |
| |
|
|