| OLYMPIA/Die NHL bestimmt: Superstars starten mit Jetlag bei Olympia |
| 09.02.2026 12:41:00 |
Spieler, Fans und IOC fiebern dem wohl besten
Eishockey-Turnier der Geschichte entgegen, aber viel Zeit bleibt den
Stars nicht. Erst am Sonntagmittag trafen die meisten Superstars aus
der nordamerikanischen Profiliga NHL, die bei den Olympischen
Winterspielen für die größte Attraktion sorgen sollen, in Mailand
ein - zwei Tage nach der offiziellen Eröffnungsfeier. "Die Rückkehr
der NHL-Spieler ist ein großer Schritt für uns, wir haben das schon
lange angestrebt", sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey - da waren
die NHL-Millionäre bis auf drei Ausnahmen noch gar nicht gelandet.
Die Fahnenträger Leon Draisaitl (Deutschland), Nino Niederreiter
(Schweiz) und David Pastrnak (Tschechien) waren notgedrungen schon
vorher eingeflogen worden. Die übrigen Olympioniken aus der besten
Liga der Welt setzte die NHL am Samstag in New York zusammen in die
Flugzeuge. Addiert man die Vertragssummen der Spieler, saß rund eine
Milliarde US-Dollar in den fünf gecharterten Flugzeugen. "Das ist
wirklich verrückt, aber jetzt sind wir hier", sagte US-Kapitän
Auston Matthews nach der Ankunft in Mailand.
Der 28 Jahre alte Weltklasse-Stürmer der Toronto Maple Leafs ist
einer von etlichen NHL-Superstars um Draisaitl (30), Connor McDavid
(29) oder Nathan MacKinnon (30), die bislang niemals die Chance
hatten, an Olympischen Winterspielen teilzunehmen.
NHL-Teambesitzer geben die Richtung im Welt-Eishockey vor
Die NHL - in dem Fall rund 30 Milliardäre, denen die Teams gehören -
hatten sich 2018 (Pyeongchang) und 2022 (Peking) geweigert, die
Saison für den in ihren Augen uninteressant erscheinenden
asiatischen Markt zu unterbrechen. Keine Spiele bedeuten eben auch
keine Einnahmen.
Ein einzelnes NHL-Team generiert ein Vielfaches des jährlichen
Umsatzes des Weltverbandes IIHF, der darauf angewiesen ist, jedes
Jahr eine Weltmeisterschaft auszurichten - während der NHL-Playoffs.
Anders als im Fußball ist der Weltverband in Verhandlungen mit der
dominierenden NHL somit allzu oft machtlos.
Spieler machen Druck
Das führte zu der absurden Situation, dass es im Eishockey über ein
Jahrzehnt lang kein Länderturnier gab, an dem die weltweit besten
Spieler allesamt teilnehmen konnten. Dass sich das wieder geändert
hat, liegt an den Spielern selbst. Deren Druck über die Gewerkschaft
NHLPA war am Ende zu groß.
Dass die besten Spieler der Welt mit Ausnahme der russischen - wegen
des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine - nun wieder auf
olympischem Eis stehen, hat neben kollektiver Begeisterung zu
einigen Superlativen geführt. "Ich würde schon sagen, dass es das
beste Eishockeyturnier jemals wird", sagte Bundestrainer Harold
Kreis stellvertretend für etliche Experten. Und das, obwohl zwischen
1998 und 2014 die NHL bereits für Olympia pausiert hatte. Nur hat
sich das Spiel in vielfacher Hinsicht in der vergangenen Dekade noch
einmal enorm entwickelt.
Hartgesonnene NHL-Stars mit kindlicher Begeisterung dabei
Nicht nur für Draisaitl, derzeit der bestbezahlte Eishockeyspieler
der Welt mit 14 Millionen US-Dollar pro Jahr, geht nun ein Traum in
Erfüllung. "Das war vielleicht der bislang schönste Moment in meinem
Leben", sagte Draisaitl nach seiner "Once-in-a-lifetime"-Erfahrung
als deutscher Fahnenträger. "Als kleiner Junge ist das dein größter
Traum: Einmal bei Olympischen Spielen auflaufen zu können", sagte
der Schweizer Fahnenträger Niederreiter.
Beide haben den anderen Stars gegenüber nun einen Vorteil. Sie sind
genau wie der tschechische Torjäger Pastrnak schon seit Freitag in
Mailand und haben mehr Zeit, sich einzugewöhnen und den Jetlag zu
überwinden. Denn in der NHL wurde noch bis Donnerstag gespielt.
Allzu lange wollten die Teambesitzer eben nicht auf Einnahmen
verzichten, daher schickten sie ihre Spieler ohne Eingewöhnungszeit
erst kurz vor dem Turnierstart nach Mailand.
Deutschland startet am Donnerstag ins Turnier
Schon am Mittwoch müssen die Mitfavoriten Schweden (gegen Italien)
und Finnland (gegen die Slowakei) ran. Ebenso wie die USA und Kanada
trafen auch deren Olympiateilnehmer erstmals in New York im Flugzeug
als Team aufeinander. Was die Teamfindung angeht, hat Deutschland
mit "nur" neun Profis aus Nordamerika so gesehen einen Vorteil. Für
Draisaitl und Co. geht es am Donnerstag (21.10 Uhr/ZDF und
Eurosport) gegen Dänemark los./lap/DP/mis
AXC0142 2026-02-09/12:41
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Autor: - dpa-AFX
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