| ROUNDUP 3: Stürzt Großbritanniens Premier über den Epstein-Skandal? |
| 09.02.2026 20:45:00 |
(durchgehend aktualisiert)
LONDON/GLASGOW (dpa-AFX) - Der Epstein-Skandal erschüttert in
Großbritannien sowohl die Regierung als auch das Königshaus. Das Amt
von Premierminister Keir Starmer schien zeitweise am seidenen Faden
zu hängen. Dem Labour-Politiker könnte zum Verhängnis werden, dass
er einen Epstein-Vertrauten zum Botschafter in den USA gemacht hat.
Nachdem der Druck über Tage immer größer geworden war, traten in
kurzer Folge mehrere Vertraute Starmers zurück. Auch der Premier
selbst war mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.
Für die Royals wird unterdessen die einst enge Beziehung von
Ex-Prinz Andrew mit dem Sexualstraftäter Epstein immer stärker zur
Belastung. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen Andrew
zutage gefördert hatten, kündigte König Charles III. laut einer
Mitteilung des Palasts an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen
gegen seinen Bruder zu unterstützen.
Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Jeffrey Epstein hatte
jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen
und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte
zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Starmer lässt Rücktrittsforderung zurückweisen
Der in die Enge getriebene Premier Starmer wandte sich am Abend an
seine Fraktion, um dort für Unterstützung zu werben. Zuvor hatte der
Chef der Labour-Partei in Schottland, Anas Sarwar, Starmer zum
Rückritt aufgefordert. Er ist der bislang ranghöchste Parteifreund
Starmers, der dem Premier die Unterstützung entzog. Mehrere Minister
stellten sich hingegen hinter den Regierungschef, dem britische
Medien den "dunkelsten Tag" seit Amtsantritt im Juli 2024
bescheinigten.
"Die Führung in der Downing Street muss ausgetauscht werden", sagte
Sarwar bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in
Glasgow. Es könne nicht weitergehen wie bisher, sagte der Politiker,
der bei der Regionalwahl in Schottland im Mai darauf hofft, die
regierende Unabhängigkeitspartei SNP abzulösen.
Starmer ließ die Forderung von einem Sprecher zurückweisen. Er werde
nicht zurücktreten. Der Premier habe ein "klares Mandat für fünf
Jahre vom britischen Volk, um Wandel herbeizuführen und das ist, was
er tun wird", sagte der Sprecher.
Kabinett schart sich um Premier
Unterdessen stellten sich zahlreiche Minister der Labour-Regierung
hinter ihren Premier. "Wir dürfen uns durch nichts von unserer
Mission, Großbritannien zu verändern, ablenken lassen, und wir
unterstützen den Premierminister dabei", teilte Vizepremier David
Lammy auf der Plattform X mit. Unterstützung kam unter anderem auch
von Finanzministerin Rachel Reeves, Verteidigungsminister John
Healey und Außenministerin Yvette Cooper.
Zuvor waren sowohl Starmers engster Vertrauter in der Regierung,
Stabschef Morgan McSweeney, als auch Kommunikationschef Tim Allan
von ihren Posten zurückgetreten.
Mandelson stürzt Starmer in Krise
Die brenzlige Situation, in der sich Starmer nun befindet, hat er
dem Labour-Veteranen und früheren Wirtschaftsminister Peter
Mandelson zu verdanken, den er kurz nach dem Amtsantritt von
US-Präsident Donald Trump zum Botschafter in Washington ernannt
hatte.
Mandelson hatte enge Verbindungen zu Epstein, wie die jüngst vom
US-Justizministerium veröffentlichten Akten beweisen. Dass Mandelson
auch nach Epsteins Verurteilung wegen der Prostitution einer
Minderjährigen den Kontakt gehalten hatte, war Starmer bekannt, wie
er kürzlich eingestehen musste. Während seiner Zeit als
Wirtschaftsminister unter Ex-Premier Gordon Brown soll Mandelson
mitten in der Finanzkrise sogar marktrelevante Informationen an den
US-Investor verraten haben. Die Polizei ermittelt in der Sache.
Hat sich Andrew strafbar gemacht?
Die Polizei interessiert sich auch für die Beziehung zwischen
Epstein und dem Ex-Prinzen Andrew. Die für Windsor zuständige
Polizeibehörde hatte mitgeteilt, sie prüfe Vorwürfe, wonach Andrew
in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche
Dokumente an Epstein weitergeleitet haben könnte. Britische Medien
hatten in den Epstein-Akten E-Mails entdeckt, die nahelegen, dass
Andrew etwa Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und
Singapur an den Sexualstraftäter weiterleitete. Ob sich Andrew damit
selbst strafbar gemacht haben könnte, war zunächst unklar.
Der Buckingham-Palast wollte die offizielle Einleitung von
Ermittlungen nicht abwarten. Der König habe seine tiefe Besorgnis
über die Vorwürfe hinsichtlich des Verhaltens seines Bruders bereits
durch Worte und ein beispielloses Vorgehen deutlich gemacht, sagte
ein Palastsprecher laut einer Mitteilung am Abend.
Er fügte demnach hinzu: "Die konkreten Vorwürfe sind von Herrn
Mountbatten-Windsor zu klären. Sollte sich die Thames Valley Police
an uns wenden, stehen wir bereit, sie zu unterstützen, wie es sich
gehört." Die Gedanken und Sympathien des Königspaars seien stets bei
den Opfern jeglichen Missbrauchs, hieß es in der Mitteilung weiter.
Andrew hat wegen seiner angeblichen Verwicklung in den
Missbrauchsskandal um Epstein alle Ehren, militärische Ränge und
Titel verloren. Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte Andrew
vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, darunter auch, als
sie noch minderjährig war. Er stritt alle Vorwürfe stets ab, doch
eine Zivilklage Giuffres endete im Vergleich. Zuletzt wurde ihm von
Charles sogar der durch Geburt erworbene Titel "Prinz" aberkannt. Er
heißt nun nur noch Andrew Mountbatten-Windsor. Zudem musste er aus
dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss
Windsor ausziehen.
Auch William und Kate äußern sich zum Epstein-Skandal
Als Charles am Montag der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire
einen Besuch abstattete, rief ihm ein Mann zu: "Wie lange wussten
Sie über Andrew Bescheid?" Es war bereits der zweite öffentliche
Auftritt des Königs, der von einem Zwischenruf zu dem Thema gestört
wurde.
Prinz William und Prinzessin Kate bezogen erstmals öffentlich
Stellung in der Angelegenheit. "Ich kann bestätigen, dass der Prinz
und die Prinzessin über die anhaltenden Enthüllungen zutiefst
besorgt sind", sagte ein Sprecher des Thronfolgerpaars mehreren
Medienberichten zufolge. "Ihre Gedanken sind weiterhin bei den
Opfern", heißt es weiter./cmy/DP/he
AXC0235 2026-02-09/20:45
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Autor: - dpa-AFX
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