| ROUNDUP/Regierungskrise in London: Premier Starmer kauft sich Zeit |
| 10.02.2026 06:35:00 |
Der infolge des Epstein-Skandals schwer
angeschlagene britische Premierminister Keir Starmer stemmt sich
trotz der jüngsten politischen Turbulenzen weiterhin gegen
Forderungen nach seinem Rücktritt. Bei einer nicht öffentlichen
Ansprache an die Labour-Fraktion im Unterhaus zeigte sich Starmer
von seiner kämpferischen Seite, wie britische Medien unter Berufung
auf Teilnehmer berichteten. "Ich habe noch jeden Kampf gewonnen",
soll Starmer den Abgeordneten zugerufen haben. Demnach erhielt er
dafür viel Applaus.
Neben Oppositionspolitikern hatte zuvor auch der Chef der
schottischen Labour-Partei, Anas Sarwar, seinen Parteifreund Starmer
zum Rücktritt aufgefordert. Auslöser für die aktuelle Krise war die
Entscheidung des Premiers, den Politikveteran Peter Mandelson vor
gut einem Jahr zum Botschafter in den USA zu ernennen, obwohl er
enge Bande zum - da längst verstorbenen - Sexualstraftäter Jeffrey
Epstein pflegte. Über die vergangenen Tage wurde der Druck immer
größer, mehrere Vertraute Starmers traten in kurzer Folge zurück.
Charles will etwaige Ermittlungen gegen Andrew unterstützen
Der 2019 im Gefängnis gestorbene US-Multimillionär Epstein hatte
jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen
und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte
zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Die
kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten zeigten auf, wie eng
Mandelson mit dem Sexualstraftäter verbandelt war. Die Polizei
ermittelt zudem wegen der Weitergabe vertraulicher
Regierungsinformationen, die Mandelson seinem Freund gesteckt haben
soll.
Auch für die britischen Royals wird die Causa Epstein wegen der
einst engen Beziehung zwischen dem New Yorker Finanzier und dem
inzwischen in Ungnade gefallenen Ex-Prinzen Andrew zur immer
größeren Belastung. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen
Andrew zutage gefördert hatten, kündigte König Charles III. in einer
Mitteilung des Palasts an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen
gegen seinen Bruder zu unterstützen.
Andrew könnte ein noch tieferer Sturz drohen
Ähnlich wie bei Mandelson geht es auch bei Andrew um vertrauliche
Informationen, die an den US-Investor Epstein weitergegeben worden
sein sollen. Sollte es tatsächlich zu strafrechtlichen Ermittlungen
kommen, droht dem Ex-Prinzen, der wegen seiner Verbindung mit
Epstein bereits alle Titel und Ämter verloren hat, ein noch tieferer
Sturz. Er selbst reagierte auf die Vorwürfe zunächst nicht.
Dafür meldete sich Prinz William zu Wort, der am Montag zu einem
mehrtägigen Besuch in Saudi-Arabien eingetroffen war. Der
Thronfolger muss dort einen Drahtseilakt bestehen: Einerseits bemüht
sich Großbritannien um engere wirtschaftliche Beziehungen zu dem
Königreich am Persischen Golf. Andererseits gilt das autoritär
geführte Land wegen systematischer Menschenrechtsverstöße als
schwieriger Partner.
"Ich kann bestätigen, dass der Prinz und die Prinzessin über die
anhaltenden Enthüllungen zutiefst besorgt sind", sagte ein Sprecher
von William und dessen Frau, Prinzessin Kate, der mitreisenden
Presse zum Epstein-Skandal. Ihre Gedanken seien weiterhin bei den
Opfern.
Den wichtigsten Berater hat Starmer schon verloren
Für Starmer dürfte die Regierungskrise längst nicht durchgestanden
sein. Der Premier hatte in der vergangenen Woche auf Druck von
Oppositionspolitikern und aus den Reihen seiner eigenen Partei
angekündigt, die Dokumente und Korrespondenz zum Auswahlverfahren
vor der Ernennung Mandelsons als Botschafter zu veröffentlichen.
Wann genau und in welchem Umfang das geschehen wird, ist unklar. Es
wird jedoch damit gerechnet, dass dabei weitere unbequeme Details
ans Licht kommen dürften.
Zudem hat der Regierungschef mit dem kürzlichen Rücktritt seines
Stabschefs Morgan McSweeney seinen wichtigsten Strippenzieher
verloren. Ob er seine bislang ohnehin recht glücklose Amtszeit
retten und die Geschicke noch einmal herumreißen kann, ist ohne den
engen Berater an seiner Seite noch ungewisser.
Es fehlt an einer Ersatzlösung
Schon seit Monaten wird darüber spekuliert, dass die Labour-Fraktion
Starmer aus dem Amt jagen könnte. Zudem wird in der Partei
befürchtet, dass Labour bei den Regionalwahlen in Schottland und
Wales sowie bei den Kommunalwahlen in England im Mai auf
empfindliche Niederlagen zusteuert. Spätestens dann rechnen viele
mit einem Misstrauensantrag in der Fraktion. Größter Hemmschuh der
parteiinternen Gegner Starmers war bisher das Fehlen einer
geeigneten Herausforderin oder eines Herausforderers./cmy/DP/zb
AXC0030 2026-02-10/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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