| ROUNDUP 2: Nachfrage nach Bioprodukten boomt - Anbau kommt nicht nach |
| 10.02.2026 14:28:00 |
(neu: mehr Details und Hintergrund)
NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die Deutschen greifen immer mehr in die
Bio-Regale - und die Bauern kommen mit der Produktion nicht
hinterher. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln sei im vergangenen Jahr
in Deutschland um 6,7 Prozent gestiegen, die Anbaufläche für
Bioprodukte dagegen nur um 1,1 Prozent gewachsen, teilte der
Spitzenverband der Biobranche, BÖLW, zum Start der weltweiten
größten Leitmesse BIOFACH in Nürnberg mit.
Der Bio-Anteil an der Gesamtfläche in Deutschland betrage 11,7
Prozent - das Ziel für 2030 liegt bei 30 Prozent. Damit wirtschafte
derzeit jeder siebte Hof in Deutschland ökologisch. Andere Länder in
Europa sind weiter: Österreich, Estland, Griechenland und Portugal
liegen jenseits der 20 Prozent.
Der Bioanteil am gesamten Lebensmittelumsatz betrug im vergangenen
Jahr nach Verbandsangaben 6,6 Prozent. Trotz weiterhin höherer
Preise der Bio-Lebensmittel geht der Trend weiter. 90 Prozent der
jungen Leute aus der sogenannten GenZ griffen zu Bio-Produkten.
"Chancen so gut wie schon lange nicht mehr"
Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU)
forderte Landwirte zur Umstellung auf Bio-Erzeugung auf. "Die
Chancen für umstellungswillige Betriebe sind so gut wie schon lange
nicht mehr", sagte die Ministerin. Bayern habe sich zum Ziel
gesetzt, bis zum Jahr 2030 den Anteil an Bio-Anbau auf 30 Prozent
der Fläche auszubauen. Bisher werden 14 Prozent der Anbaufläche
biologisch bewirtschaftet.
Die große Nachfrage nach Bioware werde von der bayerischen
Landwirtschaft noch nicht widergespiegelt. Nach vorläufigen Zahlen
habe Bayern im vergangenen Jahr von 430.000 Hektar Ökofläche bis zu
5.000 Hektar verloren. Etwas mehr als 300 der rund 11.800
Ökobetriebe seien aus der Förderung des Ökolandbaus ausgestiegen,
266 seien auf der anderen Seite dazugekommen.
Hemmschuh Politik?
Anbau- und Branchenverbände sehen in der Politik einen Hemmschuh.
"Wir sehen, dass die Umstellerzahlen hinter den Erwartungen
zurückbleiben", sagte die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres. Die
Bio-Anbaufläche wachse pro Tag um 80 Fußballfelder. "Aber das ist zu
wenig", sagte Andres. "Wir überlassen den Markt ohne Not anderen
Ländern, anderen Akteuren", betonte sie. Deutschland vergebe Chancen
- und sieht die Politik in der Verantwortung.
Das 30-Prozent-Ziel dürfe nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben.
Auch der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling sieht "politische
Kurzsichtigkeit". Der Grünen-Bundestagsabgeordnete bezeichnete
Agrarminister Alois Rainer (CSU) als "Tu-Nix-Minister", dessen
Trägheit gegenüber einer Boom-Branche zu mehr Importen nach
Deutschland führe. Rainer mache - im Gegenteil - der Biobranche das
Leben schwer, indem er etwa Erleichterungen für Gen-veränderte
Lebensmittel befürworte./dm/DP/jha
AXC0195 2026-02-10/14:28
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Autor: - dpa-AFX
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