| ROUNDUP: Tchibo unterliegt auch im zweiten Anlauf gegen Aldi Süd |
| 10.02.2026 14:40:00 |
Der Kaffeeröster Tchibo hat im Streit um
angeblich zu niedrige Kaffeepreise erneut eine juristische
Niederlage gegen Aldi Süd einstecken müssen. Die Richter des 6.
Kartellsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf wiesen die Berufung
gegen das Urteil der ersten Instanz zurück, wie eine Sprecherin
mitteilte. (Az. VI-6 U 1/25)
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Tchibo kann Revision
einlegen und die Entscheidung von einem höheren Gericht prüfen
lassen. Eine schriftliche Urteilsbegründung liegt bislang nicht vor.
Der Hamburger Kaffeeröster wirft dem Discounter vor, seit Ende 2023
Kaffee der Aldi-Eigenmarke Barissimo mehrfach unter den
Herstellungskosten verkauft zu haben - und damit zu billig. Tchibo
sieht darin einen Verstoß gegen geltendes Recht und wollte Aldi Süd
dieses Vorgehen gerichtlich untersagen lassen. Die aggressive
Preispolitik schade dem Wettbewerb und den Verbrauchern.
Tchibo will weitere Schritte prüfen
Die Richter teilten diese Auffassung nicht. Ein unbilliges Verhalten
des Discounters liege nicht vor, hieß es. Aldi Süd dürfe bei
Rabattaktionen Kaffee unter den Herstellungskosten anbieten.
Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke sagte nach der Entscheidung:
"Bedauerlicherweise hat das Gericht die Chance verpasst, einer
strukturellen Fehlentwicklung im deutschen Lebensmittelhandel
Einhalt zu gebieten."
Offen bleibt, ob der Rechtsstreit damit beendet ist. Tchibo kann
innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils Revision
beantragen, dann müsste sich der Bundesgerichtshof mit dem Streit
befassen. "Wir werden jetzt die schriftliche Urteilsbegründung
bewerten und weitere Schritte prüfen", sagte der Tchibo-Sprecher.
Aldi Süd äußerte sich auf Nachfrage nicht.
Experte: "juristisch sauber begründet"
Bereits im Januar 2025 war Tchibo in erster Instanz mit seiner Klage
vor dem Landgericht Düsseldorf gescheitert und anschließend in
Berufung gegangen. Nach Angaben des Kaffeerösters hat Aldi Süd
bestimmte Kaffeesorten zeitweise mit erheblichen Verlusten verkauft
- von zwei Euro pro Kilo und mehr ist die Rede. Produziert wird der
Kaffee von Aldis Tochtergesellschaft New Coffee.
Aus Sicht von Branchenexperten verdeutlicht das Verfahren die
veränderten Machtverhältnisse im Handel. "Der Fall illustriert, wie
Lebensmittelketten Markenhersteller unter Druck setzen, indem sie
Eigenmarken am Markt positionieren und sogar selbst in die
Produktion einsteigen", sagte Jens-Uwe Franck, Professor für
Handels- und Kartellrecht an der Universität Mannheim. Das Verbot
des Verkaufs unter Einstandspreis bei Lebensmitteln gelte nicht für
Verkäufe unter Herstellungskosten. Dies habe das Gericht "juristisch
sauber begründet".
Der Bundesgerichtshof beschäftigte sich vor Jahren schon einmal mit
einem ähnlichen Fall. Im Jahr 2002 untersagte der Kartellsenat dem
US-Einzelhandelskonzern Walmart bestimmte
Billigangebote. Damals beanstandeten die Richter, dass
Zucker-Raffinade und Würfelzucker unter den eigenen Einkaufspreisen
angeboten würden. Aufgrund der damals überlegenen Marktmacht von
Walmart in Deutschland beeinträchtige eine solche Praxis kleine und
mittlere Wettbewerber.
Preise für Kaffee stark gestiegen
Sogenannte Eckpreisartikel wie Kaffee oder Butter haben im
Lebensmittelhandel eine Zugkraft, weil hier besonders auf die Preise
geachtet wird. Die Ketten bieten sie oft vergünstigt an, um Kunden
in die Läden zu locken. "Generell gilt, dass das Kartellrecht auch
marktstarken Einzelhändlern eine Mischkalkulation gestattet, bei der
sie darauf setzen, einzelne Produkte zu Werbezwecken mit Verlust zu
verkaufen", sagte Kartellrechtler Franck.
Kaffeehändler und -röster erleben derzeit herausfordernde Zeiten.
Die Rohkaffeepreise sind zuletzt stark gestiegen, vor allem infolge
schlechter Ernten. Laut Marktbericht der Internationalen
Kaffee-Organisation ICO lag der durchschnittliche Preis für ein
US-Pfund Rohkaffee (etwa 454 Gramm) im Dezember vergangenen Jahres
bei ungefähr 3 US-Dollar. Vor zwei Jahren, im Februar 2024, waren es
noch 1,82 US-Dollar. Auch Tchibo hat deshalb seine Preise erhöht -
im Februar 2025 und in der kommenden Woche erneut.
163 Liter pro Kopf im Jahr
Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland müssen für das
beliebte Heißgetränk deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor
ein paar Jahren. Bohnenkaffee war im Dezember laut Statistischem
Bundesamt im Schnitt knapp 55 Prozent teurer als 2020. Im Vergleich
mit dem Vorjahresmonat lag der Preis mehr als 21 Prozent höher.
Nach Angaben des deutschen Kaffeeverbandes werden hierzulande im
Schnitt 163 Liter Kaffee pro Kopf getrunken. Bundesweit gibt es mehr
als 900 Röstereien. Im Jahr werden laut Verband mehr als eine
Million Tonnen Rohkaffee nach Deutschland importiert. Ein großer
Teil davon stammt aus Brasilien. 2025 wurden 5,4 Millionen
60-Kilo-Säcke Kaffee von dort eingeführt. Deutschland war damit
größter Abnehmer von brasilianischem Kaffee, wie der Verband der
Kaffee-Exporteure Cecafé kürzlich mitteilte./cr/DP/mis
AXC0198 2026-02-10/14:40
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Autor: - dpa-AFX
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