| ROUNDUP: Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige? Parteien uneins |
| 10.02.2026 14:49:00 |
Nach Ankündigungen mehrerer europäischer Länder
zu strengeren Regeln für die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen
wird ein Verbot auch in Deutschland kontrovers diskutiert. Während
aus der CDU befürwortende Stimmen kommen, zeigt sich der
Koalitionspartner SPD zurückhaltender. Jugendministerin Karin Prien
(CDU) etwa erklärte im Deutschlandfunk, ein Verbot bis zu einem
bestimmten Alter könne sie sich persönlich vorstellen. Sie wolle
aber die Ergebnisse einer von der Bundesregierung eingesetzten
interdisziplinären Expertenkommission abwarten.
Die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Anne König, wurde deutlicher und forderte eine Altersgrenze für
Social Media ab 16 Jahren. Dabei verwies sie auf klare Regeln im
analogen Raum zum Schutz von Kindern wie Altersgrenzen und
Aufsichtspflichten. Im digitalen Raum fehlten diese Konsequenz noch
zu oft. "Dabei bewegen sich Kinder und Jugendliche täglich auf
Plattformen, die durch Algorithmen, problematische Inhalte,
Cybermobbing, Hass oder sexualisierte Kontaktaufnahme reale Gefahren
bergen und die selbst Erwachsene häufig überfordern."
Vorreiter Australien
Im Ausland wollen gleich mehrere Länder dem Vorbild Australiens
folgen, das vor zwei Monaten als erstes Land der Welt ein generelles
Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat. Die Kinder
dürfen dort keine eigenen Social-Media-Accounts mehr haben. Die
dänische Regierung hatte im November angekündigt, für soziale Medien
ein Mindestalter von 15 Jahren einführen zu wollen. In
Großbritannien stimmte zuletzt das Oberhaus für eine entsprechende
Gesetzesänderung. Konkretere Pläne gibt es auch in Frankreich.
Ebenso wurde in Spanien ein Verbot angekündigt.
Auch viele kritische Stimmen
Die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag,
Carmen Wegge, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND),
pauschale Verbote für junge Menschen oder eine Klarnamenpflicht
gingen am Kern des Problems vorbei. "Soziale Plattformen können
süchtig machen und tragen zur Radikalisierung von Menschen bei",
sagte sie. "Wir müssen die Plattformen in die Pflicht nehmen und die
Verbraucher stärken."
Umsetzung dürfte Herausforderungen bringen
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek ist ebenfalls gegen ein
pauschales Verbot: "Ich bin persönlich kein Fan davon, dieses Verbot
bis 16 umzusetzen", sagte sie in der ntv-Talkshow "Pinar Atalay".
Jugendliche seien "sehr pfiffig" und könnten das Verbot leicht
umgehen.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoglu zeigte sich
durchaus offen für die Diskussion. "Ohne klare Gesetzgebung, die bei
Missachtung dann auch weh tut, wird weder Meta noch Tiktok seine
Algorithmen oder Inhalte jugendfreundlicher gestalten." Aus seiner
Sicht müsse da auch ein Mindestalter in Betracht gezogen werden,
"wohlwissend, dass die Umsetzung Herausforderungen mit sich bringt".
Kinder und Eltern fühlten sich alleingelassen, "der Staat sollte
hier mutig vorangehen".
Juso-Chef: Regulierung der Portale wichtig
Für eine Regulierung der Plattformen sprach sich der
Juso-Vorsitzende Philipp Türmer aus. "Viele junge Menschen empfinden
Social Media als Belastung - und die Plattformen kalkulieren das
ein", so der Chef der SPD-Nachwuchsorganisation. "Die Risiken und
möglichen Schäden werden in Kauf genommen, weil Aufmerksamkeit
Profit bringt."
Mögliches Verbot auf Tagesordnung beim CDU-Parteitag
Das kontrovers diskutierte Social-Media-Verbot wird auch Thema beim
CDU-Bundesparteitag am 20. und 21. Februar in Stuttgart sein. Der
CDU-Landesverband Schleswig-Holstein hat dazu einen Antrag gestellt,
der ein "gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für offene
Plattformen" fordert. Dies soll durch eine verpflichtende
Altersüberprüfung begleitet werden. Ministerpräsident Daniel Günther
(CDU) hatte sich bereits im Dezember für ein rasches Verbot nach dem
Vorbild Australiens starkgemacht.
Auch generelle Handynutzung an Schulen Thema
Zudem will die CDU bei ihrem Parteitag auch über einen Antrag zu
strengeren Regeln für die Handynutzung an Schulen beraten. Der
Antrag mit dem Titel "Digitale Schutzzonen an Schulen - Bundesweite
Regelung zur privaten Nutzung von digitalen Endgeräten bis Klasse 10
einführen" wurde von der Frauen Union sowie der Mittelstands- und
Wirtschaftsunion eingebracht.
Ob daraus eine Position der CDU wird, entscheidet der Parteitag.
Eine allgemeine Umsetzung würde zudem die Zustimmung des
Koalitionspartners SPD erfordern./thn/DP/jha
AXC0202 2026-02-10/14:49
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Autor: - dpa-AFX
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