| ROUNDUP: Bahn-Tarifgespräche stehen nach erstem Angebot am Kipppunkt |
| 10.02.2026 15:14:00 |
Die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn
stehen nach einem ersten Angebot des Konzerns auf der Kippe. "Ich
kann heute noch nicht sagen, inwieweit wir morgen wieder hier am
selben Ort uns zusammenfinden", sagte der Chef der Gewerkschaft
Deutscher Lokomotivführer (GDL), Mario Reiß, in Berlin. Dort läuft
derzeit die vierte Gesprächsrunde, die eigentlich bis einschließlich
Freitag angesetzt ist.
Reiß betonte, er könne ein Scheitern der Verhandlungen derzeit nicht
ausschließen, "weil das Angebot so niederschwellig ist, dass unsere
Kollegen natürlich erst mal das verdauen müssen". Er hoffe aber, die
eigenen Gremien davon überzeugen zu können, weiterzuverhandeln. "Es
ist ja so, dass wir bis Ende Februar immer noch Möglichkeiten haben,
das alles wieder auf die Bahn zu bringen."
Das Angebot der Bahn
Die Deutsche Bahn hatte zuvor erstmals in der laufenden
Tarifauseinandersetzung ein Angebot vorgelegt. Dieses umfasst in
Summe 6 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, wie das Unternehmen
mitteilte. Die konkreten Punkte sind:
* 3,8 Prozent Entgelterhöhung in zwei Schritten. 2 Prozent soll es
demnach zum 1. September dieses Jahres geben, 1,8 Prozent ein Jahr
später.
* Die übrigen 2,2 Prozent sollen über sogenannte Strukturanpassungen
im Tarifsystem erfolgen, zum einen über die Einführung einer
weiteren Entgeltstufe, zum anderen über gezielte Erhöhungen bei
Entgelt und Zulagen für Beschäftigte im operativen Bereich.
* Eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro.
* Neue Vorschläge im Zusammenhang mit dem Tarifeinheitsgesetz.
Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge
derjenigen Arbeitgebervertretung angewendet wird, die dort die
Mehrheit der Mitglieder hat.
* Eine Laufzeit von 30 Monaten.
"Das ist ein gutes und sehr weitreichendes Angebot", teilte
Bahn-Personalvorstand Martin Seiler mit. "Wir bilden Kernforderungen
der GDL ab und senden damit ein klares Signal für weitere
Verhandlungen: Eine Einigung am Tisch ist möglich."
Die GDL fordert in den Verhandlungen bisher unter anderem 8 Prozent
mehr Geld für die Beschäftigten bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
3,8 Prozent davon sollen über eine Entgelterhöhung erzielt werden.
Die weiteren Erhöhungen will die Gewerkschaft über
Umstrukturierungen im Tarifsystem erreichen, etwa mit der Einführung
der neuen Tarifstufe. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll aber
zwölf Monate betragen. Arbeitskämpfe, die sich auf den Bahnverkehr
in Deutschland auswirken dürften, sind erst ab März möglich.
GDL prüft Grundlage für weitere Gespräche
GDL-Chef Reiß will sich nun am Abend mit den eigenen Gremien über
das weitere Vorgehen beraten. Er selbst befürworte, die
Verhandlungen fortzusetzen, betonte er. Die Offerte kritisierte er
als deutlich zu niedrig. "Auf dem Papier mag das zunächst nach
Bewegung aussehen", teilte er mit. "Entscheidend ist jedoch die
konkrete Ausgestaltung - insbesondere die vorgesehene Laufzeit von
zweieinhalb Jahren." In dieser Betrachtung relativiere sich die Zahl
deutlich.
Wie es nun weitergeht, ist offen. Streiks sind noch bis Ende Februar
aufgrund einer Friedenspflicht nicht möglich. Allerdings könnte die
GDL schon jetzt eine Urabstimmung über unbefristete Arbeitskämpfe
einleiten. Dann könnte sie, die notwendigen Mehrheiten der eigenen
Mitglieder vorausgesetzt, ab März mit Arbeitskämpfen loslegen, die
sich erneut erheblich auf den Bahnverkehr in Deutschland auswirken
dürften. Für kürzere Warnstreiks ab März braucht die GDL keine
Urabstimmung./maa/DP/he
AXC0211 2026-02-10/15:14
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Autor: - dpa-AFX
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