| ROUNDUP: Crews streiken: Lufthansa streicht zahlreiche Flüge |
| 11.02.2026 15:49:00 |
Wegen der angedrohten Crew-Streiks hat die
Lufthansa ihren Flugplan für diesen Donnerstag
drastisch zusammengestrichen. Eine genaue Zahl der gestrichenen
Verbindungen nannte Deutschlands größte Fluggesellschaft nicht,
sprach aber von "umfangreichen Flugstreichungen". Auf den
Abflugplänen größerer Flughäfen wie Frankfurt oder Berlin finden
sich nur noch ganz vereinzelte Lufthansa-Verbindungen, die
aufrechterhalten werden sollen.
Die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo haben Piloten
und Kabinenpersonal für diesen Donnerstag zu ganztägigen
Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Grundsätzlich sollen die Starts
der Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cityline von deutschen
Flughäfen bestreikt werden. Erst für den Freitag rechnet Lufthansa
wieder mit der Rückkehr zum normalen Flugplan.
Umbuchungen und Bahnfahrten
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben die Auswirkungen für ihre
Fluggäste so gering wie möglich halten. Wenn möglich, würden von
Flugstreichungen betroffene Passagiere auf andere Airlines innerhalb
und außerhalb des Konzerns umgebucht. Innerdeutsch reisende Gäste
können ihre Tickets in Fahrscheine der Deutschen Bahn umtauschen.
Die Reisenden werden gebeten, ihre hinterlegten Kontaktinformationen
zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Im Falle einer
Annullierung sollen Passagiere mit hinterlegter Mobilfunknummer
automatisch eine Benachrichtigung mit einer alternativen
Reisemöglichkeit erhalten.
Nicht zum Flughafen kommen
Die Passagiere sollen sich auf die Informationen verlassen, rät auch
ein Sprecher des Frankfurter Flughafens. "Zum Flughafen zu kommen,
um zu schauen, ob noch was anderes fliegt, ist eine schlechte Idee."
Ursprünglich waren am Drehkreuz 1074 Flugbewegungen geplant mit rund
140.000 Passagieren. In Marktkreisen wird damit gerechnet, dass
allein in Frankfurt mehr als 200 Starts der Lufthansa Classic
ausfallen.
Ziele der Gewerkschaften
Die rund 4.800 Piloten der Lufthansa und der Lufthansa Cargo
streiken für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und
Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine
Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit deutlicher Mehrheit für
Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Von einem Streik hatte die
Gewerkschaft in den letzten Monaten abgesehen. Nach sieben
Verhandlungsrunden blieb auch ein vorerst letztes Angebot der VC
nach ihren Angaben ohne Reaktion.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will ohne Urabstimmung der knapp 20.000
Beschäftigten mit einem Warnstreik Verhandlungen erzwingen zu
Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der
Regionaltochter Cityline. Allein dort seien wegen der
Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen
tariflichen Sozialplan aushandeln, der bislang vom Management
verweigert werde.
Streit um Strategie im Hintergrund
Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Strategie des
Vorstands, mit neu gegründeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten
Airlines samt ihrer gut dotierten Arbeitsplätze unter Druck zu
setzen. Die Passagiere sollen davon möglichst wenig bemerken. Aus
Sicht des Unternehmens ist gerade die Kerngesellschaft Lufthansa zu
teuer.
Die neuen AOCs sollen touristische Flüge (Discover) und
Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews
kostengünstiger gestalten. Dort werden dann auch neue Flugzeuge
eingesetzt oder sogar von den Altgesellschaften hin verlagert.
Die bisherige Regionaltochter Lufthansa Cityline mit rund 30
Flugzeugen steht vor dem Aus. Noch sind die neuen Gesellschaften im
Konzernrahmen von rund 740 Flugzeugen verhältnismäßig klein. City
Airlines zählt aktuell 14 Flugzeuge und Discover hat 30 Mittel- und
Langstreckenflugzeuge in der Flotte.
Vorstand: "Unnötige Eskalation"
Der Lufthansa-Vorstand hat die Crew-Streiks als "völlig unnötige
Eskalation" kritisiert. Die jeweiligen Forderungen der
Gewerkschaften würden weitere starke Kostensteigerungen bei der
Lufthansa-Kerngesellschaft bedeuten, sagte Personalvorstand und
Arbeitsdirektor Michael Niggemann in Berlin. Dort bestehe aber
keinerlei Spielraum.
Die mit Abstand größte Airline des Konzerns war 2024 in die
Verlustzone gestürzt und soll mit einem Sanierungsprogramm namens
"Turnaround" wieder auf Kurs gebracht werden. Am 6. März legt der
MDax -Konzern auch dazu neue Zahlen vor.
Die Piloten gingen bereits heute mit monatlichen Bezügen von
durchschnittlich 8.400 Euro einschließlich der gesetzlichen Rente in
den Ruhestand, erklärte Niggemann. Die Forderungen der Vereinigung
Cockpit gingen weit darüber hinaus. "Wir können eine Top-Versorgung
nicht einfach noch mal verdoppeln."
Niggemann: Kabine schon jetzt zu teuer
Den Kabinenbeschäftigten bei der perspektivisch auslaufenden
Cityline habe man großzügige Angebote zur Übernahme bei anderen
Gesellschaften gemacht, sagte der Manager. Ufo verlangt hier
Verhandlungen über einen tariflichen Sozialplan.
Die Ufo-Forderungen zum Manteltarif bei der Lufthansa Classic liefen
auf weitere Kostensteigerungen von rund 10 Prozent hinaus. Bereits
heute liege die Produktivität der Besatzungen bei der
Kerngesellschaft 10 bis 20 Prozent hinter dem Wettbewerb. Niggemann
setzt nach eigenen Angaben auf weitere Gespräche. "Ich bin fest
überzeugt, dass es den Beschäftigten um Perspektiven geht. Da ist
eine Erhöhung der Kosten genau kontraproduktiv."/ceb/DP/jha
ISIN DE0008232125 DE0008467416
AXC0220 2026-02-11/15:49
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Autor: - dpa-AFX
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