| ROUNDUP/Neuer Schnieder-Aufschlag: Das ist beim Führerschein geplant |
| 11.02.2026 16:55:00 |
Digitaler, einfacher, schneller - und günstiger:
Das sind die Ziele einer umfassenden Führerschein-Reform in
Deutschland. Fahrschüler sollen Ausbildungsfahrten auch mit den
Eltern machen können. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU)
konkretisierte nach einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern
Vorschläge, die er im vergangenen Oktober gemacht hatte. Kein
Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, sagte Schnieder.
"Das ist und bleibt die rote Linie."
Kosten sollen runter
"Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer", sagte der
Minister in Berlin. Die Kosten für einen Pkw-Führerschein lägen im
Durchschnitt bei rund 3.400 Euro. In der Spitze gehe das bis auf
4.000 oder 4.500 Euro in einzelnen Regionen hoch. "Das ist für
Jugendliche oder Berufseinsteiger ein ziemlicher Batzen Geld, für
manche unbezahlbar." Wenn man an Familien mit zwei oder drei Kindern
denke, sehe man das Ausmaß der Kosten. Deshalb solle die
Fahrausbildung so reformiert werden, dass die Kosten sinken.
Kernpunkte der Reform
In Deutschland sei über Jahrzehnte ein hochkomplexes Regelwerk
entstanden, das weit über das notwendige Mindestmaß hinausgingen,
sagte Schnieder mit Blick auf EU-Vorgaben. Das ist konkret geplant:
* Digitaler Unterricht statt Präsenzpflicht: Künftig sollen sich die
Fahrschülerinnen und Fahrschüler in allen Führerschein-Klassen das
erforderliche theoretische Wissen ausschließlich online aneignen
dürfen. Die Fahrschulen können weiterhin Theorieunterricht anbieten,
müssen aber nicht. Sie sollen zudem auf Anmietung oder Erwerb von
Schulungsräumen verzichten können. Fahrschüler, die ausschließlich
online lernen, können sich zur theoretischen Prüfung anmelden - die
Fahrschule übernimmt dann nur die praktische Ausbildung.
* Weniger Bürokratie: Viele Vorgaben für Fahrschulen sollen
gestrichen werden - zum Beispiel zu Unterrichtsräumen, Lehr- und
Lernmitteln.
* Simulatoren: Simulatoren, die bereits jetzt zunehmend in
Fahrschulen eingesetzt werden, sollen künftig als Option rechtlich
verankert werden, es soll aber keine Pflicht zur Nutzung geben.
* Weniger Fragen: Der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung der
Pkw-Führerscheinklasse B enthält derzeit 1.169 Fragen - er soll um
knapp 30 Prozent verringert werden
* Weniger Sonderfahrten: Beim Pkw-Führerschein sind bisher zwölf
Sonderfahrten je 45 Minuten vorgeschrieben - Überland, Autobahn und
Dunkelfahrt. Europarechtlich verpflichtend sind sie laut Ministerium
aber nicht, deswegen soll ihre Zahl deutlich auf drei Sonderfahrten
verringert werden - jeweils eine Überland-, Autobahn- und
Dunkelfahrt.
* Praktische Fahrprüfung: Bei der Klasse B beträgt die Fahrzeit
aktuell 30 Minuten und die Prüfungsdauer 55 Minuten - Ein- und
Ausparken etwa gehören nicht zur Fahrzeit. Die Fahrzeit soll nun auf
das EU-Mindestmaß verringert werden, um mehr Prüfungen pro Tag
durchzuführen und damit Wartezeiten zu verkürzen. Für Pkw soll die
Mindestfahrzeit künftig 25 Minuten betragen, die Prüfungsdauer 40
Minuten.
* Mehr Preistransparenz: Fahrschulen sollen Preise online verfügbar
machen. Die Daten sollen dann Vergleichsportale aufbereiten können.
* Fahrprüfer: Für die Abnahme der praktischen Prüfungen solle kein
Diplomingenieur mehr erforderlich sein, so Schnieder. Auch dies habe
teilweise zu Engpässen geführt.
Laienausbildung
Bereits im Oktober hatte das Ministerium von einer
"Experimentierklausel" gesprochen. "Nahestehende Personen" sollten
in die Fahrausbildung einbezogen werden können - in der Regel
dürften das die Eltern sein. Die Grundidee: Bereits im Rahmen der
Fahrausbildung sollen Fahrschülerinnen und Fahrschüler deutlich mehr
Fahrpraxis gewinnen - und damit besser auf die Prüfung vorbereitet
werden. Das Stichwort: Laienausbildung. In Österreich werde dies
erfolgreich gemacht.
In dem nun vorgelegten Papier heißt es, die Regelung solle zeitlich
befristet auf fünf Jahre eingeführt werden. Nach einer erfolgreichen
theoretischen Prüfung und sechs Fahrstunden in der Fahrschule sollen
Fahrschüler in der Laienausbildung 1.000 Kilometer Fahrpraxis in
Begleitung sammeln, die per Fahrtenbuch festgehalten werden. Danach
soll es wieder in die Fahrschule gehen, bei der dann unter anderem
noch die Sonderfahrten gemacht werden. Für Laienausbilder sollen
Anforderungen gelten - so müssen sie den Pkw-Führerschein seit
mindestens sieben Jahren besitzen und dürfen nicht mehr als einen
Punkt in Flensburg haben.
Kein neues Preisschild
Es hänge kein "festes Preisschild" an der Reform, sagte Schnieder.
Die Kosten richteten sich auch danach, welche Fahrschule welche
Maßnahmen umsetze. Der Minister nannte als Beispiel aber Luxemburg
und Belgien - die Länder hätten dieselben EU-Vorgaben. In Luxemburg
koste der Führerschein im Durchschnitt 1.500 Euro, in Belgien 2.000
Euro.
Seit den Ankündigungen Schnieders, dass der Führerschein günstiger
werden solle, ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die
Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Viele potenzielle Fahrschüler
warten ab, bis der Führerschein günstiger wird.
Der Minister hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der
Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März. Danach könnten
rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden.
Kostentreiber Wiederholungsprüfung
Viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler scheitern in der Theorie- und
Praxisprüfung - das treibt die Kosten. Im vergangenen Jahr fielen 44
Prozent durch die Theorieprüfung und 37 Prozent durch die praktische
Prüfung. Das zeigt ein aktueller Datenreport des Tüv-Verbands. Die
Zahlen beziehen sich auf den Pkw-Führerschein der Klassen B und B17
- B17 steht für begleitetes Fahren ab 17.
Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale,
finanzielle und zeitliche Belastung für die Betroffenen, sagte
Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim
Tüv-Verband. "Wer den Führerscheinerwerb effizienter und
kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten
Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen."
Tüv warnt vor Abstrichen bei der Sicherheit
Kritisch bewertet der Verband Vorschläge, die auf eine pauschale
Absenkung von Anforderungen zielten - etwa bei der Fahrzeit,
Prüfungsdauer und im Fragenkatalog. Es dürfe keine "Fahrprüfung
light" geben', bei der Effizienz vor Gründlichkeit stehe. Das bisher
erreichte Sicherheitsniveau bei der Fahrausbildung könne mit den von
Schnieder geplanten Maßnahmen nicht gehalten werden./hoe/DP/jha
AXC0241 2026-02-11/16:55
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Autor: - dpa-AFX
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