| ROUNDUP: Carl Zeiss Meditec verlagert Produktion nach China - Stellenabbau? |
| 12.02.2026 11:09:00 |
Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec
ist unter anderem wegen Problemen in seinem wichtigen
China-Geschäft zum Jahresstart in die roten Zahlen gerutscht. Als
Konsequenz will der Augenheilkundespezialist nun mehr Produktion in
die Volksrepublik verlagern. "Um weiter am großen chinesischen Markt
partizipieren zu können, müssen wir mehr Wertschöpfung dorthin
verlegen", sagte Finanzvorstand Justus Felix Wehmer am Donnerstag im
Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Wir können
nicht ausschließen, dass das Auswirkungen auf Standorte woanders in
der Welt, und sicherlich auch Deutschland, haben kann." Die Aktie
gab zuletzt rund zwei Prozent nach.
Für genauere Aussagen, etwa auch zu einem möglichen Stellenabbau,
sei es derzeit noch zu früh, ergänzte Wehmer. "Das muss erst einmal
durch die zuständigen Gremien." Auch die bereits im Januar
ausgesetzte Prognose für das noch bis Ende September laufende
Geschäftsjahr liegt vorerst weiter auf Halde.
Im ersten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) hatte das Unternehmen
unter dem Strich 4,9 Millionen Euro Verlust verbucht, nach einem
Gewinn von 15,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Wie bereits bekannt
brach das operative Ergebnis (Ebita) um fast 80 Prozent auf gut 8
Millionen Euro ein. Grund war neben negativen Währungseffekten und
höheren Abschreibungen auch das schwierige China-Geschäft.
Das Unternehmen steht in China laut Aussage des Finanzvorstands
erheblich unter Druck, zu reagieren. Dort änderten sich derzeit
immer schneller die Spielregeln, erläuterte der Manager. Die
Regierung in Peking versuche in immer stärkerem Umfang, den
chinesischen Markt durch Schutzmaßnahmen nach außen hin
abzuschotten. Auch habe Carl Zeiss verschärfte Auflagen erheblich zu
spüren bekommen, die als Reaktion auf EU-Strafzölle für chinesische
Elektroautos eingeführt worden waren. Problematisch sei zudem die
generell schwache Wirtschaftslage in China und die anhaltende
Kaufzurückhaltung.
Ein Rückzug aus China steht für Carl Zeiss Meditec gleichwohl außer
Frage. Für das Jenaer Unternehmen, das neben künstlichen Linsen
(Intraokularlinsen) auch Instrumente für die Augenuntersuchung sowie
Operationsmikroskope und medizinische Laser herstellt, ist das Land
mit einem Umsatzanteil von einem Viertel der wichtigste Markt.
"China ist der weltweit größte Markt für die Augenheilkunde. Als
führendes Unternehmen im Bereich der Ophtalmologie ist es
schlechterdings nicht vorstellbar, dort keinen Zugang zu haben",
betonte Wehmer. Carl Zeiss Meditec verfügt aktuell über zwei eigene
Produktionsstandorte in der Volksrepublik in Guangzhou und Suzhou.
Über die Verlagerungen von Produktion hinaus kündigte das
ostdeutsche Unternehmen die Neuausrichtung seiner Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten an. Hinzu kämen weitere Effizienzmaßnahmen;
dabei gehe es darum, sich alle Prozesse im Konzern genauer
anzuschauen, eventuell zu vereinheitlichen und zu standardisieren,
um Kosten zu sparen, erläuterte Wehmer. "Ich will da gar keine
Funktion besonders hervorheben, aber auch keine ausnehmen."
Die aktualisierten Ziele für das Jahr soll es weiterhin spätestens
bis zur Halbjahresbilanz am 12. Mai geben, bekräftigte der
Finanzvorstand. "Bis dahin haben wir mehr Klarheit." Offen ist
bislang unter anderem der Ausgang einer wichtigen landesweiten
Ausschreibung in China, bei der der Konzern sich mit einer teuren
Premiumlinse bewirbt. Das Geschäft wäre bei einem Zuschlag
einträglich. Doch erst seit Kurzem ist den Jenaern bekannt, dass sie
gegen zwei lokale Anbieter antreten. Heimische Unternehmen werden
mittlerweile bei der Vergabe oft bevorzugt.
Zudem liegt laut Wehmer für eine weitere Linse in China bislang nur
die Zulassung in mündlicher Form vor. Abzuwarten bleibe auch die
Nachfrage rund um das chinesische Neujahrsfest sowie die weitere
Entwicklung der US-Zölle./tav/niw/mis
ISIN DE0005313704
AXC0146 2026-02-12/11:09
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Autor: - dpa-AFX
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