| ROUNDUP 2: Deutsche Börse nach Rekordgewinn mit neuem Milliardendeal |
| 12.02.2026 12:51:00 |
Die Deutsche Börse setzt nach
einem Rekordgewinn 2025 auf den nächsten Milliardendeal und nimmt
politischen Druck in den USA unter Präsident Trump in Kauf.
Deutschlands größter Börsenbetreiber kauft den Daten- und
Indexanbieter ISS Stoxx für 1,1 Milliarden Euro komplett, wie der
Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.
Dabei übernimmt die Deutsche Börse, die bereits 80 Prozent der
Anteile an ISS Stoxx hält, vom Finanzinvestor General Atlantic die
übrigen 20 Prozent. An der Börse wurden die Übernahme und die am
Mittwochabend veröffentlichten Zahlen positiv aufgenommen.
Die zuletzt unter Druck stehende Aktie legte bis zum Mittag knapp
zwei Prozent auf 207 Euro zu. Damit reduzierte das Papier ihr Minus
seit Ende 2025 auf rund sieben Prozent. Die Deutsche-Börse-Anteile
stehen seit dem im Mai vergangenen Jahres erreichten Rekordhoch von
etwas mehr als 294 Euro unter Druck. Nach dem Kursrückgang seit dem
Rekordstand befindet sich die Aktie wieder auf dem Niveau vom Herbst
2024. In den vergangenen fünf Jahren legte der Kurs des Papiers um
rund 50 Prozent zu und hinkt damit dem Dax deutlich hinterher.
Über zehn Jahre gesehen hat das Papier, das seit 25 Jahren an der
Börse gehandelt wird, allerdings mit einem Anstieg von fast 200
Prozent die Nase im Vergleich zum Dax leicht vorn. Die Deutsche
Börse wird aktuell mit knapp 39 Milliarden Euro bewertet und damit
in etwa so viel wie zum Beispiel die Commerzbank .
Beide liegen damit in dieser Wertung im Mittelfeld des Dax.
ETF-Boom treibt ISS-Stoxx-Geschäft
Die Komplettübernahme von ISS Stoxx soll das Wachstum der Deutschen
Börse weiter ankurbeln, die im vergangenen Jahr so viel verdiente
wie noch nie. ISS Stoxx bietet Börsenindizes, an denen sich Anbieter
von Indexfonds (ETFs) orientieren, Analysen sowie
Nachhaltigkeitslösungen, die ein Trendthema an den Finanzmärkten
waren, bis sich die politische Stimmung gerade in den USA drehte.
Zudem gibt der Stimmrechtsberater ISS Empfehlungen für
Großinvestoren für deren Abstimmungen auf Hauptversammlungen.
Mit dem Boom von ETFs, die auch bei Privatanlegern über Sparpläne
beliebt sind, ist ISS Stoxx wichtig für die Deutsche Börse. "45
Prozent des europäischen ETF-Wachstums basierte auf unseren
STOXX-Indizes", sagte Konzernchef Stephan Leithner bei der Vorlage
der Jahreszahlen in Frankfurt.
Nachhaltigkeit als Reizthema bei Trump
Allerdings bekommt ISS Stoxx Druck in den USA, denn Trump lehnt
Nachhaltigkeits- und Diversitätsregeln (ESG) ab und sieht die Arbeit
von Stimmrechtsberatern wie ISS als ideologische Einmischung in
amerikanische Unternehmen. Der Vermögensverwalter der US-Bank
JPMorgan hatte kürzlich die Zusammenarbeit mit
Stimmrechtsberatern wie ISS beendet, in Texas gibt es gesetzlichen
Gegenwind gegen ESG als Kriterium für Stimmrechtsentscheidungen.
Der politische Druck sei ein Grund, warum das Geschäft mit
Stimmrechtsberatung 2025 nur verhalten gewachsen sei, sagte
Finanzvorstand Jens Schulte. Leithner betonte, ISS arbeite eng mit
Behörden in den USA zusammen. Man sei überzeugt, dass
Stimmrechtsberatung langfristig wichtig bleibe.
Ursprünglich hatte der Dax-Konzern auch einen Börsengang von ISS
Stoxx in Erwägung gezogen, dieser kam aber nicht zustande und ist
nun mit der Komplettübernahme vom Tisch. Der Ausstieg von General
Atlantic soll schon Ende März wirksam werden.
Nächster Milliardendeal
Mit der Übernahme der übrigen Anteile von ISS Stoxx kündigt die
Deutsche Börse den zweiten großen Deal binnen weniger Wochen an.
Erst im Januar hatte sie mitgeteilt, die Fondsplattform Allfunds für
rund 5,3 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Es wäre die größte
Übernahme in der Geschichte des Unternehmens. "Mit der Übernahme von
Allfunds schaffen wir einen europäischen Investmentfonds-Champion",
sagte Leithner.
Die Deutsche Börse setzt seit Jahren auf Übernahmen, um unabhängiger
von Börsenschwankungen zu werden. Allerdings sind die Hürden für den
Allfunds-Deal hoch: So stehen Genehmigungen von Behörden aus,
insbesondere der Wettbewerbshüter bei der EU-Kommission. Der Vollzug
der Übernahme wird erst 2027 erwartet.
Bis die Allfunds-Übernahme endgültig eingetütet ist, bleibt der Kauf
des dänischen Softwareherstellers Simcorp im Jahr 2023 für rund 3,9
Milliarden Euro der größte Zukauf der Deutschen Börse. Die Software
von Simcorp soll Anlageverwaltern und Finanzinstituten dabei helfen,
effizienter zu werden.
Dividende soll steigen
Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Börse auch dank Zukäufen
Rekordzahlen erzielt. Unterm Strich verdiente der Konzern 2,1
Milliarden Euro, drei Prozent mehr als vor einem Jahr. Davon sollen
die Aktionäre profitieren, die zuletzt einen Kurseinbruch verdauen
mussten, da Investoren mit dem Boom um Künstliche Intelligenz
Konkurrenz für die Deutsche Börse fürchten. Die Dividende soll um 20
Cent auf 4,20 Euro je Aktie steigen.
Die Prognose für das neue Jahr bekräftigte der Konzern und erwartet
weiter organisches Wachstum. "Durch starkes strukturelles Wachstum
haben wir den Gegenwind aus Zinsumfeld, geringer Volatilität und
Währungseffekten mehr als ausgeglichen", kommentierte Konzernchef
Stephan Leithner die Zahlen.
Die Nettoerlöse ohne das zinsabhängige sogenannte Treasury-Ergebnis
seien um neun Prozent auf 5,2 Milliarden Euro geklettert. Der Gewinn
vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um drei
Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, ohne das Treasury-Ergebnis wuchs
der operative Gewinn um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Damit
wurden die Erwartungen der Experten erfüllt.
Jahresprognose und mittelfristige Ziele
Zudem wurden die Prognosen für das laufende Jahr bestätigt. So
sollen die Nettoerlöse ohne das Treasury-Ergebnis auf 5,7 Milliarden
und das entsprechende Ebitda auf 3,1 Milliarden Euro steigen. "Die
strukturellen Wachstumstreiber in unseren Geschäften sind voll
intakt. Daher blicken wir zuversichtlich auf das laufende
Geschäftsjahr und erwarten, unsere operativen Ziele für 2026 zu
erreichen", sagte Leithner.
Leithner, der seit etwas mehr als einem Jahr an der Spitze des
Konzerns steht, hatte im Dezember die neuen mittelfristigen Ziele
vorgestellt. Da die Kosten dabei nicht so stark wie die Erträge
zulegen sollen, wird beim operativen Ergebnis bis 2028 im Schnitt
ein jährlicher Zuwachs von rund zwölf Prozent auf 3,7 Milliarden
Euro in Aussicht gestellt. Die Erlöse ohne das Treasury-Ergebnis,
welches im Wesentlichen die Nettozinserträge und Entgelte aus
hinterlegten Sicherheiten umfasst, sollen im Jahresschnitt um acht
Prozent auf 6,5 Milliarden Euro wachsen.
Neben den Ertrags- und Gewinnzielen hatte die Deutsche Börse im
Dezember angekündigt, zusätzlich zur Dividende Aktienrückkäufe
fortan fest einzuplanen. Das Volumen und der Zeitpunkt der Käufe
würden jährlich festgelegt, wobei das Volumen von der erwarteten
Höhe der überschüssigen Liquidität abhänge. Für 2026 sei vor diesem
Hintergrund ein Aktienrückkauf von 500 Millionen Euro geplant. Die
Dividendenausschüttungsquote soll dabei bei 30 bis 40 Prozent
liegen, wobei die Dividende je Aktie kontinuierlich steigen soll.
Trotz der hohen Ausschüttungen und der am Donnerstag sowie im Januar
angekündigten Übernahmen hat der Konzern nach Aussagen des
Finanzvorstands Jens Schulte noch Luft für weitere kleinere
Übernahmen. Größere Zukäufe sind aber erst mal tabu, damit die
Verschuldung nicht weiter steigt und die derzeit sehr gut Bewertung
bei den Ratingagenturen in Gefahr ist./als/zb/mis
ISIN DE0005810055
AXC0182 2026-02-12/12:51
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Autor: - dpa-AFX
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