| ROUNDUP: Merz und Macron reden über möglichen europäischen Atomschirm |
| 13.02.2026 14:46:00 |
Deutschland und Frankreich reden über einen
möglichen europäischen Atomschirm. "Ich habe mit dem französischen
Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche über europäische
nukleare Abschreckung aufgenommen", sagte Bundeskanzler Friedrich
Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz.
Merz betonte dabei, dass Deutschland sich an seine rechtlichen
Verpflichtungen halten werde. Er spielte damit auf den 1990
geschlossenen Zwei-Plus-Vier-Vertrag mit den vier Siegermächten des
Zweiten Weltkriegs an. In diesem bekräftigten die damals noch zwei
deutschen Staaten den "Verzicht auf Herstellung und Besitz von und
auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische
Waffen". Sie erklärten darüber hinaus, dass "auch das vereinte
Deutschland sich an diese Verpflichtungen halten wird".
Französischer Atomschirm könnte ausgebaut werden
Für denkbar wird allerdings gehalten, dass der derzeit rein
nationale französische Atomschirm ausgebaut wird, um auch
Deutschland und anderen EU-Staaten Schutz anzubieten. Dies würde
dann die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato für den Fall
ergänzen, dass die USA langfristig auch ihr Engagement in diesem
Bereich zurückfahren wollen.
Die aktuelle nukleare Teilhabe der Nato sieht vor, dass in Europa
stationierte US-Atomwaffen vom Typ B61 im Ernstfall auch von
Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden und dann etwa
gegnerische Streitkräfte ausschalten. US-Atomwaffen sollen offiziell
unbestätigten Angaben zufolge zum Beispiel in Norditalien, in
Belgien sowie in den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen
Büchel lagern.
Deutsche Regierungen wollten lange nicht reden
Macron hatte Deutschland und anderen EU-Partnern bereits 2020
während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump Gespräche
über eine europäische Kooperation bei der atomaren Abschreckung
angeboten. Bei der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stieß er
aber auf genauso wenig Resonanz wie bei ihrem Nachfolger Olaf Scholz
(SPD). Bundeskanzler Merz (CDU) hatte sich dagegen bereits im
Wahlkampf zu Gesprächen darüber bereit erklärt und das bei seinem
Antrittsbesuch in Paris als Bundeskanzler im vergangenen Mai
bekräftigt.
Frankreich ist seit dem Austritt Großbritanniens am 31. Januar 2020
die einzig verbliebene Atommacht der EU. Macron fordert seit langem,
dass sich Europa unabhängiger von der Supermacht USA machen sollte -
auch um strategisch autonom handeln zu können. Bei der
Sicherheitskonferenz vor drei Jahren hatte Macron gesagt, die
derzeitige russische Aggression gegen die Ukraine sei eine
Ermahnung, welch wichtige Rolle Atomwaffen in der Europäischen Union
und in der Nato hätten und weiter haben müssten.
Merz will EU-Verteidigungsklausel "ausbuchstabieren"
Merz betonte in seiner Rede, Deutschland denke eine mögliche
europäische nukleare Abschreckung "strikt eingebettet" in die
deutsche nukleare Teilhabe in der Nato. Zugleich verwies Merz auch
darauf, dass die EU-Staaten sich über Artikel 42 Absatz 7 des
EU-Vertrags dazu verpflichtet hätten, sich einander im Fall eines
bewaffneten Angriffs beizustehen. "Wir müssen nun ausbuchstabieren,
wie wir dies europäisch organisieren wollen", sagte er. "Nicht als
Ersatz für die Nato, sondern als einen selbsttragenden, starken
Pfeiler innerhalb des Bündnisses."
Große Frage ist dabei vor allem, ob die EU die militärischen
Strukturen dafür hat, im Ernstfall auch ohne die Amerikaner handeln
zu können. Da in der Nato das Konsensprinzip gilt, könnte die
Kommandostruktur dort in Streitfällen möglicherweise nicht genutzt
werden./aha/DP/jha
AXC0172 2026-02-13/14:46
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Autor: - dpa-AFX
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