| ROUNDUP 2/Merz will Neustart mit USA: 'Zusammen sind wir stärker' |
| 13.02.2026 18:34:00 |
(neu: Pistorius, Treffen mit Rubio)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat für einen
Neustart der transatlantischen Beziehungen zu den USA mit einem
starken und weitgehend eigenständigen europäischen Pfeiler geworben.
"Wenn unsere Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müssen wir
sie im doppelten Sinn neu begründen", sagte der CDU-Chef in seiner
Rede zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz. "Diese
Begründung muss handfest sein, nicht esoterisch. Wir müssen
diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss kommen: Zusammen
sind wir stärker."
Um militärische Eigenständigkeit Europas zu erreichen, kann sich
Merz eine stärkere europäische Zusammenarbeit bei der nuklearen
Abschreckung der Nato vorstellen. Dazu habe er mit dem französischen
Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche aufgenommen, sagte er.
Der CDU-Chef betonte aber auch, dass Deutschland sich an seine
rechtlichen Verpflichtungen halten werde. Dazu gehört, dass es keine
eigenen Atomwaffen besitzen darf.
Die nukleare Abschreckung der Nato basiert derzeit größtenteils auf
den in Europa - auch in Deutschland - stationierten US-Atomwaffen.
Die beiden einzigen europäischen Atommächte sind Frankreich und
Großbritannien.
In der Koalition ist die Idee eines europäischen Nuklearschirms
umstritten. SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich
in München skeptisch dazu: "Warum sollten wir als Europäer ein
Interesse haben, diese nukleare Abschreckung, die durch die
Amerikaner gewährleistet ist und zu bleiben scheint, dass wir die
infrage stellen durch andere Aktivitäten", sagte er.
"Ein Programm der Freiheit"
Die Merz-Rede war der Auftakt zu einer Sicherheitskonferenz, die
eine der wichtigsten der letzten Jahrzehnte werden könnte. Mit mehr
als 60 Staats- und Regierungschefs und etwa 100 Außen- und
Verteidigungsministern ist das weltweit wichtigste Spitzentreffen
zur Sicherheitspolitik so prominent besetzt wie noch nie.
Für die Bundesregierung von Union und SPD ist es die erste
Sicherheitskonferenz. Merz hatte seine programmatische Rede seit der
Weihnachtspause mit seinem Team vorbereitet und ihr den Titel "Ein
Programm der Freiheit" gegeben. Sie ist eine Reaktion auf die
Verwerfungen in den Beziehungen zu den USA im ersten Jahr der
zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Der Konflikt um die
dänische Insel Grönland brachte die Nato ins Wanken. Hinzu kamen
wiederholte Zolldrohungen Trumps, tiefgreifende Differenzen bei
Demokratieverständnis und Meinungsfreiheit und die Missachtung
internationaler Institutionen und Verträge durch die USA.
Europäische Antwort auf US-Vizepräsident JD Vance
Die Rede ist auch eine Antwort auf US-Vizepräsident JD Vance, der
die europäischen Verbündeten vor einem Jahr mit heftiger Kritik am
Zustand der Demokratie in Europa verstört hatte. Die
transatlantische Partnerschaft habe ihre Selbstverständlichkeit
verloren, sagte Merz. "Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten
hat sich eine Kluft aufgetan." Dies habe Vance "sehr offen gesagt"
und er habe damit recht.
Gleichwohl glaube er weiterhin an den freien Handel, an
Klimaabkommen und Weltgesundheitsorganisation, sagte Merz und
betonte, dass beide Seiten auf die transatlantische Partnerschaft
angewiesen seien. "Im Zeitalter der Großmächte werden auch die USA
auf dieses Vertrauen angewiesen sein. Selbst sie stoßen an die
Grenzen der eigenen Macht, wenn sie etwa im Alleingang unterwegs
sind."
Der Kanzler bekräftigte, dass Europa sich nur mit wirtschaftlicher
und militärischer Stärke sowie politischer Entschlossenheit in einer
neuen Weltordnung behaupten könne, die von Großmachtpolitik bestimmt
wird. "Eine Welt in der nur Macht zählt, wäre ein finsterer Ort",
sagte er. Die größte Stärke Europas bleibe, Partnerschaften,
Bündnisse und Organisationen zu bauen, die auf Recht und Regeln
basieren würden.
Neue Partnerschaften sollen Deutschland unabhängiger machen
Gleichzeitig kündigte Merz an, neue Partnerschaften schmieden zu
wollen, um Abhängigkeiten von Ländern wie China und den USA zu
verringern. "So wichtig europäische Integration und transatlantische
Partnerschaft für uns bleiben, sie werden nicht mehr hinreichen,
unsere Freiheit zu bewahren", sagte Merz. Er machte klar, dass
gemeinsame Werte nicht der einzige Maßstab für eine Zusammenarbeit
sein können. "Das gehöre zu den Lehren dieser Tage, Wochen und
Monate."
Eine "Schlüsselrolle" für Deutschland als Partner in einer neuen
Weltordnung können nach den Vorstellungen des Kanzlers Kanada,
Japan, der Türkei, Indien und Brasilien einnehmen. Er nannte auch
Südafrika, die Golfstaaten "und andere". "Wir wollen mit diesen
Staaten enger zusammenrücken, in gegenseitigem Respekt und mit
langem Atem."
Merz trifft US-Außenminister gleich nach seiner Rede
Die Krise in den transatlantischen Beziehungen und die neue
Weltordnung, in der Großmachtpolitik eine stärkere Rolle spielt,
wird wahrscheinlich das Leitthema der Münchner Sicherheitskonferenz
sein. Kurz nach seiner Rede traf sich Merz mit US-Außenminister
Marco Rubio, der am Samstag bei der Sicherheitskonferenz redet.
Die große Frage ist: Wird er an die Rede von Vance aus dem Vorjahr
anknüpfen oder nach der Grönland-Krise doch ein Stück auf die
Verbündeten zugehen. Die Europäer erhoffen sich ein Bekenntnis zur
Nato und möglichst auch eine klare Ansage zum Verbleib von
US-Truppen und Atomwaffen in Europa.
Rubio: "Europa ist uns wichtig"
Vor seinem Abflug schlug Rubio versöhnliche Töne an. "Europa ist uns
wichtig", sagte er. Die USA seien tief mit Europa verbunden und
"unsere Zukunft war immer miteinander verknüpft und wird es auch
weiterhin sein". Zugleich sagte er aber: "Deshalb müssen wir darüber
sprechen, wie diese Zukunft aussehen wird." Die alte Welt gebe es
nicht mehr. Man lebe in einer neuen Ära der Geopolitik.
Merz trifft auch Trump-Gegner in München
Sehr stark in München vertreten ist auch das andere Amerika, das
sich gegen Trump stellt. Allen voran der Gouverneur von Kalifornien,
Gavin Newsom, der als möglicher Präsidentschaftskandidat der
oppositionellen Demokratischen Partei 2028 gilt. Mit dem 58-Jährigen
will sich auch Merz treffen, was das Team Trump möglicherweise nicht
gefällt. Kurz vor seiner Abreise nach München sagte auf eine Frage
danach: "Die Gesprächspartner, die suche ich mir aus, nach Interesse
und nach dem, wen ich gerne treffen möchte und danach wird es
entschieden." Auch ein Ausdruck eines neuen europäischen
Selbstbewusstseins gegenüber den USA./mfi/DP/stw
AXC0248 2026-02-13/18:34
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Autor: - dpa-AFX
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