| ROUNDUP 3: Mehr Geld im öffentlichen Dienst - Ende der Warnstreiks |
| 14.02.2026 14:35:00 |
Auch diesmal ging es nicht ohne Verlängerung.
Erst am Morgen konnten Arbeitgeber und Gewerkschaften nach langen
Verhandlungstagen und -nächten eine Einigung für den öffentlichen
Dienst der Länder verkünden. Hunderttausende Angestellte und Beamte
in wichtigen Jobs vom Finanzamt bis zur Justiz, von der Polizei bis
zur Uniklinik sollen in drei Schritten 5,8 Prozent mehr Geld
bekommen. Was bedeutet der Tarifabschluss?
Für die Bürgerinnen und Bürger
Die Menschen dürfen nun wieder auf störungsfreie Abläufe hoffen,
zumindest in diesem Teil des Alltags. Weitere Warnstreiks oder gar
unbefristete Streiks in Kitas, Hochschulen, Straßenmeistereien oder
anderen öffentlichen Stellen sind vom Tisch. Für die Laufzeit bis
31. Januar 2028 ist beim öffentlichen Dienst in 15 von 16
Bundesländern Ruhe. Für Hessen wird separat verhandelt, weil das
Land vor mehr als 20 Jahren aus der Tarifgemeinschaft deutscher
Länder (TdL) ausschied.
Für die Beschäftigten
Verdi-Chef Frank Werneke sagte im Namen der Gewerkschaft: "Wir haben
nicht alle Ziele erreicht, die wir uns in dieser Tarifrunde
vorgenommen haben, aber doch viele." Entscheidend war für Verdi und
den dbb Beamtenbund, dass die Erhöhung der Entgelte nicht niedriger
ausfällt als im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bei Bund
und Kommunen von 2025. Auf den ersten Blick war es eine
Punktlandung: 5,8 Prozent mehr gab es auch damals, die Laufzeit von
27 Monaten ist ebenfalls gleich. In den Details gibt es aber
Unterschiede.
Die Eckpunkte sehen so aus: Die Erhöhung macht mindestens 100 Euro
im Monat aus, für Nachwuchskräfte etwas mehr, nämlich 150 Euro. Die
Arbeitsbedingungen im Osten sollen beim Kündigungsschutz und bei der
Arbeitszeit denen im Westen angeglichen werden. Letzteres betrifft
die drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena.
Die Zulage für Schichtdienste steigt auf monatlich 100 Euro. Die
Wechselschichtzulage steigt auf 200 Euro im Monat, in Krankenhäusern
auf 250 Euro.
Verhandelt wurde nominell für rund 925.000 Tarifbeschäftigte der
Länder. Das Ergebnis wird aber traditionell auf die mehr als 1,3
Millionen Beamten und Pensionisten übertragen. Das soll auch diesmal
so sein, fordern die Gewerkschaften. dbb-Chef Volker Geyer
kritisierte, dass Bayern eine um sechs Monate verzögerte Übernahme
angekündigt habe. "Das stößt auf unseren massiven Widerstand", sagte
der Gewerkschafter.
Für die Länder
Trotz leerer Kassen einiger Länder sei es ein "vertretbarer
Kompromiss", sagte der Verhandlungsführer der Länder, Andreas
Dressel (SPD). Der Hamburger Finanzsenator bezifferte das Volumen
des Tarifpakets nur für die Tarifbeschäftigten auf 4,11 Milliarden
Euro. Rechne man die Übernahme für die Beamten dazu, komme man auf
12,34 Milliarden Euro, mit "Ewigkeitseffekt" durch höhere
Besoldungstabellen über die Jahre auf mehr als 20 Milliarden Euro.
"Das sind also gewaltige Summen, aber wir können die jetzt auch
verantworten", sagte er im Vergleich zu anderen Tarifabschlüssen.
Wichtig sei auch, was nicht in den Tarifvertrag aufgenommen worden
sei. "Ein zusätzlicher freier Tag, ein zusätzlicher Urlaubstag,
hätte nicht in diese Zeit gepasst", sagte Dressel. Das erklärt
vielleicht die Frage, warum für die Länder nicht einfach der
Tarifvertrag für Bund und Kommunen übernommen, sondern in drei
Runden tage- und nächtelang verhandelt wurde, begleitet von für
Bürger nervigen Warnstreiks. "Da sage ich ganz klar, diesen
vollständigen Abschluss von Bund und Kommunen für die Länder hätten
wir nicht bezahlen können", sagte Dressel. Der Abschluss blieb recht
nah an ihrem zwischenzeitlich genannten Angebot, die Entgelte in
drei Schritten mit einer Laufzeit von 29 Monaten um "mehr als fünf
Prozent" anzuheben.
Für die Gewerkschaften
Verdi und dbb Beamtenbund hatten sieben Prozent mehr Einkommen
gefordert - mindestens aber 300 Euro pro Monat. 200 Euro pro Monat
mehr sollte es für Nachwuchskräfte geben. Man wollte eine Laufzeit
von nur zwölf Monaten. Davon ist man nun ein gutes Stück entfernt,
für die Gewerkschaften eine bittere Pille.
Als Erfolge unterstrich Werneke, dass es eine echte
Reallohnsteigerung gebe sowie eine Übernahmevereinbarung für
Auszubildende - sie können also nach dem Abschluss mit einem Job
rechnen. Der Kündigungsschutz im Osten sei verbessert und die
Arbeitszeiten seien verringert worden. "36 Jahre nach der
Wiedervereinigung sind endlich die letzten Unterschiede im
Tarifvertrag zwischen Ost und West abgeschafft", sagte Werneke.
Auch die höheren Schichtzulagen verbuchte er auf der Habenseite.
Nicht gelungen sei ein eigener Tarifschutz für die 300.000
studentischen Beschäftigten, aber immerhin eine Erhöhung der
Mindeststundenentgelte.
"Verhandlungen mit Finanzministern sind immer schwierig, aber in
diesem Jahr kam natürlich noch einmal besonders dazu, dass die
Finanzlage einer Reihe von Ländern problematisch ist, wie auch die
Finanzlage vieler Kommunen", sagte der Verdi-Chef. Aber: "Der
öffentliche Dienst darf nicht kaputtgespart werden." Er deutete an,
welche Schlacht die Gewerkschaften als Nächstes schlagen wollen: Zur
angemessenen Finanzierung des Gemeinwesens brauche man eine
Diskussion über höhere Vermögens- und Erbschaftsteuern./vsr/bw/DP/zb
AXC0053 2026-02-14/14:35
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Autor: - dpa-AFX
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