| ROUNDUP/Sorgen um PCK-Raffinerie: Bund will US-Sanktionen verhindern |
| 14.02.2026 17:35:00 |
Die Angst geht um in der Uckermark: Die
PCK-Raffinerie in Schwedt nordöstlich von Berlin hat den Verzicht
auf russisches Öl überstanden, doch nun drohen möglicherweise
US-Sanktionen: Am 29. April endet eine Regelung, nach der die
Sanktionen derzeit ausgesetzt sind. Die Bundesregierung will in
Verhandlungen mit den USA die Versorgungssicherheit mit Benzin und
Heizöl im Nordosten sicherstellen. Die Raffinerie versorgt 90
Prozent von Berlin und Brandenburg mit Sprit, Heizöl, Kerosin und
anderen Produkten, auch Teile von Mecklenburg-Vorpommern und
Westpolen.
"Die Bundesregierung steht bezüglich der US-Sanktionen (...) für die
deutschen Tochterunternehmen der russischen Rosneft in einem sehr
engen und konstruktiven Austausch mit den zuständigen US-Behörden",
teilte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums der
Deutschen Presse-Agentur mit. "Die Bundesregierung setzt sich wie
schon seit Beginn der Legislatur dafür ein, dass die
Versorgungssicherheit in Deutschland auch weiterhin gewährleistet
bleibt sowie der Standort erhalten bleibt." Die "Welt am Sonntag"
berichtete zuvor darüber.
Zusicherung aus den USA
PCK verarbeitete früher nur russisches Öl aus der Pipeline Druschba.
Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entschied die
Bundesregierung, ab dem Jahr 2023 auf russisches Pipeline-Öl zu
verzichten. Die Raffinerie stellte auf andere Quellen unter anderem
aus Kasachstan um. Sie gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des
russischen Staatskonzerns Rosneft, die der Bund wegen des Kriegs
unter Treuhandverwaltung stellte.
Die US-Sanktionen sind derzeit ausgesetzt: Im Oktober hatte ein
Sprecher von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von
einer Zusicherung der US-Behörden gesprochen, der zufolge sich die
Sanktionen nicht gegen die deutschen Rosneft-Töchter richten
sollten. Ein "Comfort Letter" als Übergangslösung liege vor.
PCK und Landkreis dringen auf Unterstützung
Die PCK-Führung zeigt sich besorgt und bittet den Bund um Hilfe.
"Wir stellen bereits heute (...) Einschränkungen in unserem
Geschäftsbetrieb fest", erklärten die Geschäftsführer Ralf Schairer
und Harry Gnorski in einem Brief von Mitte Januar an
Bundeswirtschaftsministerin Reiche. Das sei durch die Befristung der
Treuhandverwaltung bis zum 10. März begründet und werde noch
verschärft durch die Befristung der Ausnahmelizenz der Sanktionen
bis zum 29. April.
Die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk (CDU), dringt auf eine
schnelle Unterstützung. "Das ist das Problem, was zuerst gelöst
werden muss, mit der amerikanischen Seite zu verhandeln, dass diese
Sanktionen gegen Rosneft auch über den 29. April aufgrund der
Treuhandschaft nicht gelten", sagte Dörk der dpa. Am kommenden
Dienstag (17. Februar) tagt die Taskforce PCK unter Leitung von
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wieder. "Ich
hoffe, dass bis dahin dann schon auch die Gespräche hoffentlich von
Erfolg gekrönt sind", sagte Dörk.
Wirtschaftsministerium verweist auf neue Regelung
Die US-Sanktionen verbieten nach Angaben des US-Finanzministeriums
in der Praxis jede wirtschaftliche Interaktion mit Rosneft, Lukoil
und ihren Tochterfirmen - nicht nur für
US-Unternehmen, sondern auch für ausländische Banken oder
Geschäftspartner, die mit den sanktionierten Akteuren in Verbindung
stehen. Auch Großbritannien hatte Sanktionen gegen den russischen
Öl-Sektor und das Staatsunternehmen Rosneft beschlossen. Diese
sollten nach Ministeriumsangaben ebenfalls nicht die beiden
deutschen Tochtergesellschaften von Rosneft treffen.
Der Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke warnt: "Ein Greifen
der US-Sanktionen hätte dramatische Folgen für die Versorgung mit
Raffinerieprodukten in Deutschland." Das
Bundeswirtschaftsministerium verweist darauf, dass der Bundestag
eine Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes beschlossen hat, die eine
alternative Grundlage für eine Treuhandverwaltung schafft. Mit der
Umsetzung von Ausnahmevorschriften aus der EU-Sanktionsverordnung
"wird verhindert, dass EU-Tochterunternehmen sanktionierter
russischen Unternehmen selbst von den Sanktionen betroffen sind".
Zukunftslabor Schwedt: synthetischer Flugzeugkraftstoff
In Schwedt geht es längst nicht mehr nur um Sprit und Heizöl. Am
Standort der Ölraffinerie soll an der Energie der Zukunft gearbeitet
werden. Mit Hilfe von 350 Millionen Euro Fördermitteln will das
Unternehmen Concrete Chemicals synthetische Flugzeugkraftstoffe
herstellen - das sei die größte Anlage zur industriellen Produktion
von E-Kerosin in Deutschland. Das Bundeswirtschaftsministerium
spricht von einem "zentralen Vorreiterprojekt"./vr/DP/zb
ISIN RU0009024277 US67812M2070
AXC0069 2026-02-14/17:35
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Autor: - Oder) (dpa-AFX
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