| ROUNDUP 2/Sorge vor Sanktionen: Bund will PCK-Raffinerie helfen |
| 15.02.2026 15:05:00 |
Die Angst geht um in Brandenburg: Die
PCK-Raffinerie in Schwedt nordöstlich von Berlin hat den Verzicht
auf russisches Öl überstanden, nun drohen möglicherweise
US-Sanktionen. Am 29. April endet eine Regelung, nach der die
Strafmaßnahmen ausgesetzt sind. Die Bundesregierung will in
Verhandlungen mit US-Behörden die Versorgungssicherheit mit Benzin
und Heizöl im Nordosten sicherstellen. Die Raffinerie versorgt Teile
von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Westpolen mit
Sprit, Heizöl, Kerosin und anderen Produkten.
"Die Bundesregierung setzt sich wie schon seit Beginn der Legislatur
dafür ein, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland auch
weiterhin gewährleistet bleibt sowie der Standort erhalten bleibt",
teilte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums der
Deutschen Presse-Agentur mit. "Die Bundesregierung steht bezüglich
der US-Sanktionen (...) für die deutschen Tochterunternehmen der
russischen Rosneft in einem sehr engen und konstruktiven Austausch
mit den zuständigen US-Behörden." Die "Welt am Sonntag" berichtete
zuvor darüber.
Die Regierung bereitet sich gleichzeitig "auf Alternativszenarien
zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit vor", wie aus einer
Antwort des Ministeriums auf eine Frage des
Linke-Bundestagsabgeordneten Christian Görke hervorgeht. "Ein
Wegfall der Rosneft Deutschland und der von ihr kontrollierten
Raffineriekapazitäten oder auch ein Wegfall der PCK allein könnten
kurzfristig nicht durch zusätzliche Importe von Raffinerieprodukten
voll kompensiert werden." Görke warnt: "Ein Greifen der
US-Sanktionen hätte dramatische Folgen für die Versorgung mit
Raffinerieprodukten in Deutschland."
Zusicherung aus den USA
Früher verarbeitete die PCK-Raffinerie nur russisches Öl aus der
Pipeline Druschba. Wegen des russischen Angriffskriegs auf die
Ukraine entschied die Bundesregierung, ab 2023 auf russisches
Pipeline-Öl zu verzichten. Die Raffinerie stellte auf andere Quellen
um, unter anderem aus Kasachstan. Sie gehört zu 54 Prozent deutschen
Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft, die der Bund wegen
des Kriegs unter Treuhandverwaltung stellte.
Die US-Sanktionen sind derzeit ausgesetzt. Im Oktober hatte ein
Sprecher von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von
einer Zusicherung der US-Behörden gesprochen, der zufolge sich die
Sanktionen nicht gegen die deutschen Rosneft-Töchter richten
sollten. Ein "Comfort Letter" als Übergangslösung liege vor. Doch
dies galt nur vorübergehend.
PCK und Landkreis dringen auf Unterstützung
Die PCK-Führung zeigt sich besorgt und bittet um Hilfe. "Wir stellen
bereits heute (...) Einschränkungen in unserem Geschäftsbetrieb
fest", erklärten die Geschäftsführer Ralf Schairer und Harry Gnorski
in einem Brief von Mitte Januar an Ministerin Reiche. "Die
Konsequenzen für die andauernde Sanktionsbetroffenheit betreffen
sowohl die Versorgungssicherheit der Region als auch die
Standortentwicklung mit Ansiedlung eines Leuchtturmprojektes zur
Herstellung von synthetischem Kerosin."
Die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk (CDU), dringt auf schnelle
Unterstützung. "Das ist das Problem, was zuerst gelöst werden muss,
mit der amerikanischen Seite zu verhandeln, dass diese Sanktionen
gegen Rosneft auch über den 29. April aufgrund der Treuhandschaft
nicht gelten", sagte Dörk der dpa. Am Dienstag (17. Februar) tagt
die Taskforce PCK unter Leitung von Brandenburgs Ministerpräsidenten
Dietmar Woidke (SPD) wieder. "Ich hoffe, dass bis dahin dann schon
auch die Gespräche hoffentlich von Erfolg gekrönt sind", sagte Dörk.
Wirtschaftsministerium verweist auf neue Regelung
Die US-Sanktionen verbieten laut US-Finanzministerium in der Praxis
jede wirtschaftliche Interaktion mit Rosneft, Lukoil
und ihren Tochterfirmen - nicht nur für
US-Unternehmen, auch für ausländische Banken oder Geschäftspartner,
die mit den sanktionierten Akteuren in Verbindung stehen. Auch
Großbritannien hatte Sanktionen gegen den russischen Öl-Sektor und
das Staatsunternehmen Rosneft beschlossen. Diese sollten nach
Ministeriumsangaben ebenfalls nicht die beiden deutschen
Tochtergesellschaften von Rosneft treffen.
Das Bundeswirtschaftsministerium verweist darauf, dass der Bundestag
eine Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes beschlossen hat, die eine
alternative Grundlage für eine Treuhandverwaltung schafft. Mit der
Umsetzung von Ausnahmevorschriften aus der EU-Sanktionsverordnung
"wird verhindert, dass EU-Tochterunternehmen sanktionierter
russischen Unternehmen selbst von den Sanktionen betroffen sind".
Zukunftslabor Schwedt: synthetischer Flugzeugkraftstoff
In Schwedt geht es längst nicht nur um Sprit und Heizöl. Am Standort
der Ölraffinerie will das Unternehmen Concrete Chemicals mit 350
Millionen Euro Fördermitteln synthetische Flugzeugkraftstoffe
herstellen - das sei die größte Anlage zur industriellen Produktion
von E-Kerosin in Deutschland. Das Wirtschaftsministerium spricht von
einem "zentralen Vorreiterprojekt"./vr/DP/zb
ISIN RU0009024277
AXC0059 2026-02-15/15:05
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Autor: - dpa-AFX
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