| ROUNDUP 3: Bank-Schließfächer in Stuhr geplündert - 'Arg ist es schon' |
| 15.02.2026 18:18:00 |
(Aktualisierung: weitere Infos der Bank)
STUHR (dpa-AFX) - Erst der große Coup in Gelsenkirchen, nun eine
kleine Bankfiliale nahe Bremen: Unbekannte drangen in der
Mittagspause über einen Lichtschacht in den Keller einer Volksbank
im niedersächsischen Stuhr ein und brachen 14 Schließfächer auf. "Zu
den Inhalten können wir nichts sagen", meinte ein Sprecher der
Polizei. "Weil wir auch nicht wissen, was die Bankkunden da
platziert haben."
Die Bank müsse die Geschädigten zunächst fragen, wie hoch die
Einlagen waren. Grundsätzlich halte man sich aber bedeckt: "Auch bei
Tankstellenüberfällen sagen wir nie etwas über die Höhe", sagte der
Sprecher. Die betroffenen Kundinnen und Kunden, die die 14
Schließfächer gemietet hätten, seien bereits informiert worden. Rund
70 Prozent der weiteren Kundinnen und Kunden habe man bis
Sonntagnachmittag erreicht. Der Einbruch passierte am Freitag.
"Die Bank hat mit uns Kontakt aufgenommen und eine Hotline
eingerichtet", sagte der Polizeisprecher. Bis zum Samstagnachmittag
seien die Betroffenen angerufen worden. Am Montag sollten alle
anderen Schließfachbesitzer kontaktiert werden. In der Filiale gibt
es mehr als 700 Schließfächer.
Drei Männer in blauen Overalls flüchten
Bisher gebe es keine konkrete Spur von den Einbrechern. Nach Angaben
der Ermittler drangen sie über einen Lichtschacht ein. Sie steuerten
den Raum mit den Schließfächern von Privatkunden an und öffneten
gewaltsam die Tür. Dort brachen sie 14 Fächer auf und verschwanden
mit der Beute. Laut Zeugen könnte es sich um drei Täter handeln,
sagte der Polizeisprecher. Sie sollen blaue Overalls getragen und
vermutlich mit einem schwarzen Auto geflüchtet sein.
Nun sucht die Polizei nach Zeugen. "Wir haben schon Klinken geputzt
und Nachbarn befragt", sagte der Sprecher am Sonntag. Der Aufruf
richte sich auch an Anwohner, die Videokameras an ihren Häusern
installiert hätten und möglicherweise Hinweise auf die Tat am
Freitagmittag geben können.
Schmuckstücke von der Mutter
Von außen deutete am Tag danach nichts auf den Einbruch hin. Keine
Polizei mehr, nicht mal ein Absperrband war zu sehen. Nur einige
Kunden, die Geld abheben wollten. Ihm sei "beschissen" zumute, sagte
Klaus Hriesik, der mit seiner Frau vor der verlassenen Filiale in
der Kälte ausharrte. "Arg ist es schon, weil die Ersparnisse da drin
sind, für den späten Lebensabend."
Seine Frau Irene Hriesik pflichtete ihm bei. "Es sind da auch
Schmuckstücke drin", erzählte die Besitzerin eines Schließfachs.
"Die bekomme ich ja nicht wieder. Das sind Teile von meiner Mutter
oder von meiner Schwiegermutter, und das ist natürlich mehr als
ärgerlich." Der Fall erinnere sie an Gelsenkirchen - nur dass sie es
nie für möglich gehalten habe, einmal selbst betroffen zu sein.
Eine andere Kundin schüttelte den Kopf. "Ich bin eigentlich sauer",
meinte die Frau. "Die Leute haben ihre Ersparnisse da. Das Vertrauen
ist hin." Wie konnten die Täter in der Mittagspause über einen
Schacht unbeobachtet in den Tresorraum eindringen? Sie verstehe
nicht, warum die Bank ihr Sicherheitskonzept nach dem Einbruch in
Gelsenkirchen nicht verschärft habe.
Wie die Täter vorgingen
Ende Dezember hatten sich Einbrecher in Gelsenkirchen von einer
benachbarten Tiefgarage aus über mehrere Tage hinweg mit einem
Spezialbohrer Zugang zu einem Tresorraum verschafft. Sie brachen
mehr als 3.000 Schließfächer auf und flohen mit Geld, Schmuck und
Wertgegenständen in Millionenhöhe. Auch in Wilhelmshaven hatten zwei
Täter Ende Januar in einer Sparkassen-Filiale Schließfächer
aufgebrochen.
In Stuhr sei nun alles ganz schnell gegangen, berichtete die
Polizei. Die Täter nutzten die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Laut
Polizei brachen die Unbekannten über den Schacht ein. Sie seien
zielgerichtet zu dem Raum mit den Schließfächern vorgedrungen,
hätten gewaltsam die Tür geöffnet und einige Fächer leer geräumt.
Beißender Geruch und offene Türen
In dem Raum befinden sich laut Bank 718 Schließfächer - davon wurden
14 Fächer aufgebrochen und geplündert. "Alle anderen Fächer sind
unversehrt", teilte die Bank mit. Zu möglichen Schadenshöhen könne
man aus ermittlungstechnischen Gründen derzeit keine Angaben machen.
Über die Inhalte der Schließfächer habe die Bank zudem keine
Kenntnis. Die Tresorräume seien nicht betroffen.
Die Beamten vermuten, dass die Täter nicht genug Zeit für weitere
Fächer hatten. Nach der Mittagspause sei eine Mitarbeiterin in den
Keller gegangen. Sie habe einen "ganz beißenden Geruch"
festgestellt, ihr sei sofort übel geworden.
Die Bank alarmierte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr rückte mit 87
Kräften aus, ein Trupp mit Chemieschutzanzügen und Atemschutz führte
Messungen durch. Sie stellten eine unbekannte Flüssigkeit an Türen
fest, eine Gefahr für die Gesundheit habe nicht bestanden.
Der Hausmeister stellte schließlich Einbruchspuren fest. Türen
standen offen. Die unbekannte Flüssigkeit mit dem starken Geruch sei
wahrscheinlich nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, meinte der
Polizeisprecher. Manche Täter wollen so die Arbeit der Beamten
verzögern oder ihre Spuren verwischen.
Bank: Sicherheit wird regelmäßig geprüft
Die Bank wies Vorwürfe von sich. "Unsere Sicherheits- und
Schutzvorkehrungen entsprechen den aktuellen, banküblichen Standards
und werden regelmäßig überprüft", betonte eine Mitarbeiterin der
Filiale. "Dazu zählen sowohl bauliche als auch organisatorische
Maßnahmen." Am Montag soll der Betrieb in der Geschäftsstelle normal
weitergehen.
Bankkunde Klaus Hriesik hat kein Verständnis. Es sei tragisch, dass
die Bank nicht besser geschützt sei. "Am helllichten Tag mittags
steigen die kleinen Gangster hier ein", sagt der Besitzer eines
Schließfachs. "Das Ganze kann man nur als grob fahrlässig
betrachten."/koe/miu/DP/he
AXC0065 2026-02-15/18:18
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Autor: - dpa-AFX
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