| ROUNDUP: Unverständnis wegen Bau-Verzögerung - Bahn in der Kritik |
| 17.02.2026 13:59:00 |
Die Verzögerungen bei den Bauarbeiten an der
Bahnstrecke Hamburg-Berlin sorgen für Empörung und Unverständnis in
den betroffenen Ländern. "Das ist ein herber Rückschlag für die
Menschen in unserer Region, gerade wenn ich an die Pendler denke",
sagte Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos).
Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos)
sagte, dass er und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erst
vor wenigen Tagen Bahnchefin Evelyn Palla getroffen hätten. "Die
Ministerpräsidentin hat ausdrücklich gefragt, ob es bei der
Eröffnung bleibt. Da gab es kein Wort von der Bahn zur Verzögerung",
sagte Blank.
Bahn: Probleme bei Kabeltiefbauarbeiten wegen Frost
Die Bahn hatte am Montag mitgeteilt, dass sie aufgrund des
Winterwetters mit Frost und Schnee den Termin zur Fertigstellung der
Streckensanierung Ende April nicht einhalten kann. Erst am 13. März
will der bundeseigene Konzern mitteilen, wann auf der Strecke wieder
Züge fahren können. Am Dienstag hieß es, es gehe um eine Verzögerung
von "wenigen Wochen, nicht von Monaten". Die Lage habe in den
vergangenen Tagen neu bewertet werden müssen, die Öffentlichkeit sei
"umgehend" informiert worden.
Die Arbeiten sind der DB zufolge seit sechs Wochen in Verzug, weil
Frost und Schnee Kabeltiefbauarbeiten für die Signal- und
Stellwerksanlagen nahezu unmöglich machten. Schwierig gestalten sich
der Bahn zufolge aufgrund der Kälte auch Arbeiten an den
Oberleitungen.
Für Reisende sind das schlechte Nachrichten. Mit Zügen des
Fernverkehrs dauert die Fahrt zwischen Hamburg und Berlin wegen der
Umleitung derzeit 45 Minuten länger. Im Regionalverkehr fahren
Ersatzbusse - auch hier ist die Fahrzeit für die meisten Strecken
deutlich länger. Begonnen haben die Arbeiten Mitte August.
Immer mehr Risse am Konzept Generalsanierung
Eigentlich sollten die Generalsanierungen von rund 40 Strecken der
Befreiungsschlag der Bahn im Kampf gegen die marode Infrastruktur
und dadurch unpünktliche Züge sein. Die Grundidee: Die wichtigsten
Strecken werden rund ein halbes Jahr lang voll gesperrt und
grundlegend saniert. Dabei war klar: Die langen Vollsperrungen sind
für die Bahnfahrer ärgerlich. Die Aussichten auf reibungslosen
Verkehr nach den Bauarbeiten sollten diesen Ärger aber stets
lindern. Allerdings hat das einst verheißungsvolle Konzept
inzwischen einige Risse bekommen:
Die Bauzeit
Ursprünglich war geplant, die etwas mehr als 40 Generalsanierungen
bis 2031 zu erledigen. Inzwischen wurde der Zeitplan bis 2036
gestreckt, damit nicht zu viele Sanierungen gleichzeitig das Netz
belasten. In der Bahn-Branche kam die zeitliche Streckung gut an.
Dort gab es Befürchtungen, die Bahn sei sonst mit Planung und Bau
überfordert.
Ebenfalls verlängert hat sich die Bauzeit bei einzelnen
Generalsanierungen. Statt einem halben Jahr sollten etwa die
Bauarbeiten zwischen Hamburg und Berlin neun Monate dauern - plus
die nun angekündigte Verlängerung. Die Baustelle auf der Strecke
Emmerich-Oberhausen soll sogar eineinhalb Jahre bestehen -
allerdings nicht mit dauerhafter Vollsperrung.
Die Kosten
Wie so oft bei großen Bauprojekten liegen auch hier die tatsächlich
Kosten schnell über den Budgetplänen. Die Riedbahn etwa war mit 500
Millionen Euro veranschlagt - und kostete letztlich 1,3 Milliarden.
Für die Strecke Hamburg-Berlin wurden 2,2 Milliarden Euro
veranschlagt - angesichts der Verlängerung ist eine Erhöhung dieses
Budgets wahrscheinlich.
Die Baustellen vor und nach Generalsanierungen
Bei den Generalsanierungen werden Baumaßnahmen gebündelt
abgearbeitet - alles lässt sich so aber dann doch nicht erledigen.
Auf der Strecke Hamburg-Berlin wurde schon ein Jahr zuvor monatelang
gebaut, weil Arbeiten nicht aufgeschoben werden konnten. Ähnlich ist
es bei der Strecke Hamburg-Hannover: In diesem Jahr ist eine
Sanierung geplant, 2029 dann die Generalsanierung.
Es gibt auch den umgekehrten Fall: Auf der Strecke
Nürnberg-Regensburg läuft seit einigen Tagen die Generalsanierung,
2029 stehen schon die nächsten Bauarbeiten an: Bei nächtlicher,
eingleisiger Sperrung soll ein Überholgleis für den Personen- und
Güterverkehr gebaut werden. Bei der Generalsanierung kann das nicht
erledigt werden, da zumindest bis Herbst 2025 kein Planrecht vorlag.
Das Baufreiheitsversprechen
Im Gegenzug für die harten Belastungen durch die Vollsperrungen
versprach die Bahn zu Beginn ihrer Generalsanierungs-Pläne acht bis
zehn Jahre Baufreiheit für jeden Korridor. Das Versprechen wurde
später auf fünf Jahre verkürzt - und es mehren sich die Anzeichen,
dass auch dieser Zeitraum nicht auf allen Strecken eingehalten wird.
Die Leit- und Sicherungstechnik
Ein Grund dafür ist die Leit- und Sicherungstechnik, die der Bahn
verschiedene Probleme bereitet. Bei den Generalsanierungen werden
alle Strecken mit elektronischen Stellwerken ausgestattet,
eigentlich war auch die digitale Technik ETCS vorgesehen. Die
Inbetriebnahme sollte dann jeweils am Ende der Bauzeit erfolgen. In
einigen Fällen prüft der Konzern aber eine "nachgelagerte
Inbetriebnahme" - damit Sperrungen nicht noch länger dauern. Das
führt dann aber zu Verkehrseinschränkungen zu einem späteren
Zeitpunkt.
Branche: Generalsanierungen müssen auf den Prüfstand
In der Bahn-Branche kommen angesichts der Probleme bei den
Generalsanierungen grundsätzliche Fragen auf. "Bund und Bahn müssen
verbindliche Standards für Generalsanierungen festlegen, die auf
jeden Fall eine deutliche Kapazitätssteigerung für die Strecke und
belastbare Zeitpläne vorsehen", sagt Dirk Flege von der Allianz Pro
Schiene. "Hamburg-Berlin hätte eigentlich einen großen Zeitpuffer
haben müssen, weil weniger gebaut wird als ursprünglich vorgesehen."
Nun reichten aber die neun Monate Totalsperrung nicht einmal für die
abgespeckte Variante aus.
Ähnlich reagierte Peter Westenberger vom Verband der privaten
Güterbahnen: "Die Planung der Korridorsperrungen muss endlich
wirklich auf den Prüfstand."/nif/DP/mis
AXC0148 2026-02-17/13:59
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Autor: - dpa-AFX
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