| ROUNDUP 3: So viel durstiger als angegeben sind Plug-in-Hybride |
| 18.02.2026 18:15:00 |
(neu: Reaktion VDA.)
KARLSRUHE (dpa-AFX) - Im Alltagsbetrieb sind Plug-in-Hybride sehr
viel durstiger als auf dem Papier. Im Schnitt verbrauchen sie etwa
das Vierfache des offiziellen Werts, wie eine Untersuchung des
Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und
anderer Organisationen zeigt. Basis der Untersuchung sind Echtdaten
von knapp einer Million Fahrzeuge verschiedener Hersteller mit den
Baujahren 2021 bis 2023. Zuvor hatte der SWR berichtet.
Dass Autos - auch anderer Antriebsarten - im Alltag vom im
vorgegebenen WLTP-Zyklus gemessenen Normverbrauch abweichen, ist
bekannt. Auch der Vorwurf, dass die Differenz bei Plug-in-Hybriden
besonders hoch sein könnte, wird immer wieder vorgebracht. Der jetzt
gemessene Unterschied ist allerdings extrem: Während der
durchschnittliche Normverbrauch ungefähr bei 1,4 bis 1,6 Litern auf
100 Kilometern lag, waren es den Realdaten zufolge - je nach
Berechnungsmethode zwischen 5,8 und 6,1 Liter pro 100 Kilometer und
damit in der Nähe reiner Verbrenner. Entsprechend höher sind
CO2-Ausstoß und Spritkosten.
Bei neuen Plug-in-Hybriden könnte der Unterschied allerdings
niedriger ausfallen. Die Regeln für die Verbrauchsmessung des
Antriebstyps wurden zwischenzeitlich verschärft. Selbst auf ihrer
Basis erwarten die Studienautoren aber noch Alltags-Verbräuche, die
fast doppelt so hoch sind wie die Normdaten. Der WLTP gibt eine
genaue Abfolge von Geschwindigkeiten und Beschleunigungen vor. Ziel
ist es, vergleichbare Verbrauchswerte zu ermitteln.
Selbst im Elektro-Modus ist der Verbrauch höher
Zu der Diskrepanz trägt dem Bericht zufolge bei, dass die Autos im
Alltag selbst im überwiegend elektrischen Entlademodus
durchschnittlich etwa 3 Liter pro 100 Kilometer verbrauchten - viel
mehr als bisher gedacht. Dies sei ein "Schock" für alle beteiligten
Wissenschaftler gewesen, zitiert der SWR den Studienleiter Patrick
Plötz vom Fraunhofer ISI.
Zudem zeigen die Daten, dass viele Plug-in-Hybride praktisch nicht
oder nur wenig aufgeladen werden. Auch das trägt zu höheren
Sprit-Verbräuchen bei, weil die Kraft dann komplett vom
Verbrennungsmotor kommen muss. Wie häufig das der Fall war,
unterschied sich dabei nach Hersteller sehr stark. Insgesamt lag der
elektrische Fahranteil aber nur bei rund einem Viertel.
Aufgrund der neuen Ergebnisse fordern die Wissenschaftler, die
EU-Regularien anzupassen - unter anderem, indem ein niedrigerer
elektrischer Fahranteil in die Berechnung einfließt. Die Lücke
zwischen "theoretischem" und "tatsächlichem" Kraftstoffverbrauch sei
viel zu groß. Diese müssen man durch schärfere Vorgaben bei der
Berechnung des Kraftstoffverbrauchs von Plug-in-Hybriden deutlich
verkleinern.
Wichtig für EU-Flottenziele
Eine solche Anpassung hätte auch Auswirkungen für die
Autohersteller, denn die Einhaltung der ihnen von der EU
vorgegebenen CO2-Flottenwerte wird anhand der WLTP-Verbräuche
berechnet. Eine weitere Anpassung der Berechnung ab 2027 ist bereits
geplant, auch für sie gehen die Autoren aber davon aus, dass im
Alltag rund 40 Prozent mehr als auf dem Papier verbraucht würde. Die
Regeln müssten also auch darüber hinaus verschärft werden.
Auch Plötz plädiert im SWR für eine Anpassung an die Realität auf
der Straße: "Wir können heute, weil es jetzt die Daten und die
Infrastruktur gibt, aufhören, Fahrzeuge nach ihrer Typgenehmigung zu
bewerten, sondern können die Realdaten messen und sagen: die
Hersteller, die auf der Straße die Grenzwerte einhalten, die sind
gut und wer die auf die Straße nicht einhält, der muss vielleicht
eine Strafzahlung leisten."
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) lehnte dagegen jede
Verschärfung ab. "Plug-in-Hybride sind bei den Verbrauchern beliebt
und tragen zur wachsenden Akzeptanz der E-Mobilität bei", sagte eine
Sprecherin. Hier sollten gezielte Anreize geschaffen werden, damit
der rein elektrische Fahranteil steige. Denn klar sei: Im rein
elektrischen Modus stießen Plug-in-Hybride keinerlei CO2 aus.
VCD fordert Änderungen bei staatlicher Förderung
Der Umweltverband VCD fordert Konsequenzen aus der Studie. Diese
belege, was man selbst schon lange sage: "Plug-In-Hybride sind eine
Mogelpackung", betont Sprecher Michael Müller-Görnert. "Diese
Technik ist ein Auslaufmodell und gehört nicht gefördert.
Stattdessen sollte die neue Kaufprämie der Bundesregierung
ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge gelten und - anders
als geplant - auch gebrauchte E-Autos einbeziehen. Das schont das
Klima und hilft Familien mit wenig Geld."
Bundesumweltminister Carsten Schneider räumte ein, dass rein
elektrisch betriebene Fahrzeuge besser für die Umwelt seien. Die
Entscheidung, auch Plug-in-Hybride zu fördern, habe "vor allen
Dingen wirtschaftspolitische Gründe und beschäftigungspolitische
Gründe". Der SPD-Politiker verwies darauf, dass die Förderung für
Plug-in-Hybride niedriger als für reine Elektroautos
ausfällt./ruc/DP/men
ISIN DE0005190003 DE0007100000 DE0007664039 JP3633400001 DE000PAG9113
AXC0230 2026-02-18/18:15
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Autor: - dpa-AFX
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