| ROUNDUP 2/CDU-Parteitag: Rückenwind oder Dämpfer für Kanzler Merz |
| 19.02.2026 19:44:00 |
(Aktualisierung: Äußerungen von Generalsekretär Linnemann bei Pk
aufgenommen)
STUTTGART (dpa-AFX) - Kanzler Friedrich Merz will beim CDU-Parteitag
in Stuttgart angesichts von Unmut in den eigenen Reihen über die
Arbeit seiner Regierung für seinen Reformkurs werben. "Ich kenne
natürlich auch manche Unzufriedenheit, auch manche Kritik", räumte
der CDU-Chef beim traditionellen Rundgang durch die Parteitagshalle
auf die Frage einer Journalistin ein, woran es liege, dass sich
Bürger in Umfragen unzufrieden über seine Arbeit äußerten.
"Das ist in einer Demokratie im Übrigen auch einigermaßen normal,
dass nicht alle gleich zufrieden sind", fügte Merz hinzu. Er
ergänzte: "Aber ich werde versuchen, den Weg aufzuzeigen, auf dem
wir sind." Zugleich wiederholte der 70-Jährige seine Andeutung vom
Vortag zu einer möglichen zweiten Amtszeit.
Kanzler: Haben viel geschafft, sind aber noch längst nicht am Ziel
Er gehe von guter Stimmung unter den 1.001 Delegierten aus, sagte
Merz. Die CDU werde sich aber "auch mit den Herausforderungen zu
beschäftigen haben, vor denen wir stehen - innenpolitisch,
außenpolitisch, wirtschaftspolitisch, sozialpolitisch."
Der Kanzler fügte hinzu: "Wir haben viel geschafft, aber wir haben
auch noch viel zu tun, und das wird auch meine Botschaft morgen
sein. Wir sind auf einem Weg, aber wir sind noch längst nicht am
Ziel." Er werde versuchen, dies den Delegierten bei seiner Rede am
Freitag zu vermitteln.
Linnemann: Werden Merz Rücken stärken in schwierigen Zeiten
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigte sich überzeugt, dass
sich die Delegierten bei der ersten Wiederwahl von Merz zum CDU-Chef
in dessen Zeit als Kanzler breit hinter den Vorsitzenden stellen.
"Wir werden ihm den Rücken stärken in unglaublich schwierigen
Zeiten", sagte er nach Beratungen der CDU-Gremien. In der Partei
gibt es angesichts des holprigen Starts der von Merz geführten
schwarz-roten Koalition im Bund auch Unmut darüber, dass der Kanzler
etwa Versprechungen von schnellen Reformen nicht einhalten konnte.
Chef der Jungen Gruppe: Kein Kanzlerwahlverein mehr
Der Vorsitzende der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion im
Bundestag, Pascal Reddig (CDU), rief seine Partei auf, sich ohne
Rücksicht auf Landtagswahlkämpfe klarer zu positionieren. "Die
Zeiten, in denen die CDU auf einem Parteitag immer nur Dinge
beschlossen hat, die die Regierung sowieso machen wollte, sind
vorbei. Wir sind kein Kanzlerwahlverein mehr", sagte er der "Zeit".
"Wir drehen uns ständig um Einzelvorschläge, die umgehend zerredet
werden. So kommen wir nicht weiter."
Wiederwahl des CDU-Chefs: Rückenwind oder Dämpfer?
Merz war 2022 wegen der Corona-Pandemie bei einem Online-Parteitag
mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt und später mit 95,3 Prozent per
Briefwahl bestätigt worden. 2024 kam er auf 89,8 Prozent. Mit
Spannung wird erwartet, ob er wieder auf ein Ergebnis von mehr als
90 Prozent kommt oder einen Dämpfer verkraften muss.
Merz wiederholt Aussage zu nächster Amtszeit
Nachdem Merz am Vortag deutlich gemacht hatte, dass er eine zweite
Amtszeit anstrebt, wich er der Frage aus, ob es ein Jahr nach der
Bundestagswahl zu früh sei, die Kanzlerkandidatur in der Union zu
klären. Beim Politischen Aschermittwoch in Trier habe er mit dem
rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am
22. März, Gordon Schnieder, verabredet, dass man sich in fünf
Jahren, wenn Schnieder zur Wiederwahl stehe, wieder treffe "und ich
dort die Absicht habe, auch erneut als Bundeskanzler dabei zu sein".
Dies sei die gemeinsame Botschaft gewesen.
Merz ist am 11. November 70 geworden und der älteste Bundeskanzler
seit Konrad Adenauer, der 1963 im Alter von 87 Jahren aus dem Amt
schied.
Linnemann hält an Abgrenzung zu Linkspartei fest
Linnemann sagte auf eine Journalistenfrage, er sehe keinen Anlass
für Änderungen am bestehenden Unvereinbarkeitsbeschluss seiner
Partei mit der Linkspartei. "Das Thema Antisemitismus spielt in der
Linkspartei eine große Rolle und breitet sich weiter aus." Es sei
daher für ihn undenkbar, mit so einer Partei zu koalieren.
Die CDU hatte den Unvereinbarkeitsbeschluss auf ihrem Parteitag 2018
gefasst. Darin ist festgelegt: "Die CDU Deutschlands lehnt
Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der
Linkspartei als auch mit der Alternative für Deutschland ab." Bei
den Landtagswahlen in diesem Jahr könnte es etwa in
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu komplizierten
Mehrheitsbildungen für Regierungen ohne die AfD kommen.
Einige Anträge mit Streitpotenzial
Nach den Vorstandswahlen geht es bei dem Parteitag ab Freitagabend
um Inhalte. Als konkretes Sachthema platzieren will die CDU in einem
Leitantrag des Vorstands Ideen für einen "neuen Aufschwung am
Wohnungsmarkt". Der Antrag zielt zum Beispiel darauf, dass es für
Häuslebauer als Genehmigung gelten soll, wenn man drei Monate nach
einem Antrag nichts vom Amt hört./bk/DP/he
AXC0285 2026-02-19/19:44
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Autor: - dpa-AFX
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