| Seifert baut Dyn um: Bundesliga bei DFL-Sender oder bei Lidl-TV? |
| 20.02.2026 08:21:00 |
Der frühere DFL-Boss Christian Seifert verändert
die Unternehmensstruktur von Dyn und bietet damit auch der
Fußball-Bundesliga ganz neue Vermarktungsmöglichkeiten. Neben dem
eigenen Sportstreaming-Portal etabliert der Medien-Manager mit der
Schwestergesellschaft Dyn Media GmbH eine Firma, die für andere
fertige TV-Lösungen anbietet. Der kostenpflichtige Sender wird von
der Dyn Sport GmbH betrieben, wie das Unternehmen mitteilte.
Das könnte unter anderem für die DFL oder für den ebenfalls an Dyn
beteiligten Lidl-Betreiber Schwarz Gruppe interessant sein. Beide
sind im Sommer vergangenen Jahres als Gesellschafter bei Dyn
eingestiegen. Einen ersten externen Kunden für das neue
Geschäftsmodell hat Dyn-Gründer Seifert bereits gefunden.
Warum ändert Seifert die Unternehmensstruktur?
"Die Anforderungen an Sportplattformen und Technologieanbieter haben
sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt", sagt Seifert. "Die
neue Struktur von Dyn folgt dieser Realität und stellt wichtige
Weichen für die Zukunft." Der Dyn-Vorstandsvorsitzende Andreas
Heyden erklärt: "Unsere Technologien und Produktionsstandards werden
inzwischen über unser eigenes Plattformgeschäft hinaus nachgefragt."
Vereinfacht ausgedrückt: Die für den eigenen Pay-TV-Sender
entwickelte Technik kann Dyn anderen zur Verfügung stellen - und
damit Geld verdienen.
Wird die Bundesliga demnächst einen eigenen Sender betreiben?
Die Idee, dass die DFL Spiele selbst gegen Bezahlung ausstrahlt, ist
schon häufiger diskutiert worden. In Frankreich wird das von der
französischen Fußball-Liga Ligue1 bereits praktiziert. Allerdings
aus der Not heraus, weil TV-Verträge geplatzt waren. Die DFL will
selbst keinen eigenen Sender betreiben, hat aber nun andere Optionen
bei der TV-Vermarktung - nicht nur für den Notfall.
DFL-Geschäftsführer Stefen Merkel sagte vor wenigen Wochen beim
Kongress SpoBis in Hamburg: "Es gebietet die unternehmerische
Verantwortung, auch in Alternativszenarien zu denken, und zwar zu
einem Zeitpunkt, bei dem man nicht wie in anderen Ländern, wo eine
Ausschreibung nicht funktioniert hat und man auf einmal ein Problem
hat, mit dem Rücken zur Wand steht."
Die Beteiligung an Dyn sichere Zugang "zu einem Unternehmen, das im
Zweifelsfall technisch in der Lage wäre, ein Medienprodukt zu
erstellen, das aus unserer Sicht eine gute Basis wäre, wenn wir
irgendwann mal eine Alternative bräuchten".
Wie könnte die neue Dyn-Tochter der Bundesliga helfen?
Vor allem im Ausland bleibt der Verkauf der Medienrechte hinter den
Erwartungen der Fußball-Bundesliga zurück. Gibt es keine
interessierten Sender oder zu wenig Geld, kann die DFL dank Dyn sehr
schnell ein eigenes Komplett-Angebot anbieten. Das TV-Signal
produziert die Liga ohnehin schon seit Jahren selbst über die von
Seifert maßgeblich mit aufgebaute Tochtergesellschaft Sportcast.
Die DFL könnte das neue Dyn-Angebot aber auch national nutzen, ohne
einen eigenen Sender aufzubauen. Denkbar wäre ein fertiges Produkt,
etwa für das Topspiel, das die Liga bei der nächsten Ausschreibung
parallel zum Paket für TV-Sender anbietet und sich an Unternehmen
richtet, die bisher nicht im Mediengeschäft tätig sind. Das würde zu
neuer Konkurrenz bei der Auktion führen.
Für wen ist das Modell der Dyn Media noch interessant?
Das neue Geschäftsmodell kann für ganz unterschiedliche
Marktteilnehmer interessant sein. Es biete redaktionelle und
technologische Lösungen für Ligen, Verbände, Rechtehalter und
Medienmarken, heißt es in einer Dyn-Mitteilung. Mit der Icon League
gibt es bereits einen ersten Lizenznehmer.
Interessant könnte es auch für die Schwarz-Gruppe sein. Sie ist
Dyn-Anteilseigner und hält wie das Medienhaus Springer rund 42,5
Prozent. Die Gruppe, zu der die bekannten Handelsmarken Lidl und
Kaufland gehören, ist bereits stark im Sport engagiert. Denkbar
wären Clips für die eigenen Apps oder sogar eine Art Lidl-TV mit
Sportinhalten.
Theoretisch könnten allerdings auch Aldi oder andere Unternehmen zu
Sport-Sendern werden. Das Beispiel des US-Händlers Amazon, der in
Deutschland über Prime Video Fußballspiele der Champions League
überträgt, zeigt die Möglichkeiten.
Was ändert sich für Dyn-Kunden?
Menschen, die über ein Dyn-Abonnement Sport schauen, müssen sich
nicht umstellen. Für sie "ändert sich nichts am Leistungsangebot, an
den Inhalten oder an den Zugangskanälen", heißt es in der
Mitteilung. "Die Dyn Sport GmbH führt das gesamte Endkundengeschäft
unverändert fort." Dyn zeigt derzeit Handball, Basketball,
Volleyball, Tischtennis und Hockey - und will auch zukünftig nicht
selbst im Fußball aktiv werden./mrs/DP/jha
AXC0056 2026-02-20/08:21
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Autor: - dpa-AFX
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