| ROUNDUP: Haftbefehl gegen Deutsche-Welle-Reporter in Türkei erlassen |
| 20.02.2026 14:52:00 |
Der seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle
(DW) in der Türkei tätige Journalist Alican Uludag ist verhaftet
worden. Ein Gericht in Istanbul habe Haftbefehl wegen Beleidigung
des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erlassen, berichtete
die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.
Zuvor hatte die Istanbuler Staatsanwaltschaft nach Angaben der DW
Ermittlungen nicht nur wegen Präsidentenbeleidigung eingeleitet,
sondern auch wegen "öffentlicher Verbreitung irreführender
Informationen" sowie "Beleidigung der türkischen Nation, des Staates
und der Institutionen".
Vor den Augen der Familie abgeführt
Laut DW war Uludag am Donnerstag vor den Augen seiner Familie von
etwa 30 Polizisten in Ankara festgenommen und abgeführt worden. Die
größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten
und die Bundesregierung forderten die sofortige Freilassung von
Uludag.
Die DW erklärte, Uludags Wohnung sei durchsucht und IT-Geräte seien
mitgenommen worden. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf einen
etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X. Darin habe
Uludag Maßnahmen der Regierung kritisiert, die mögliche Terroristen
des Islamischen Staates freigelassen habe. Der Regierung habe er
Korruption vorgeworfen.
Uludag sagte nach Angaben der Zeitung "Cumhuriyet" aus, er habe
keine Straftat begangen. Man wolle verhindern, dass er bei
Pressekonferenzen unangenehme Fragen stelle, und ihn zum Schweigen
bringen. Erst vor kurzem hatte Erdogan den umstrittenen Staatsanwalt
Akin Gürlek, der zahlreiche Ermittlungen gegen Oppositionelle
führte, zum Justizminister ernannt.
Große Empörung
"Ich fordere die türkische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass
Alican Uludag sofort aus der Haft entlassen wird", sagte
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) der Deutschen
Presse-Agentur und betonte: "Journalistische Arbeit ist keine
Straftat."
Die Vorwürfe der türkischen Regierung gegen den DW-Journalisten
seien haltlos. "Er muss freigelassen werden. Die Deutsche Welle und
ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen in der Türkei frei
arbeiten und unabhängig berichten können."
Der Vorgang mache zutiefst besorgt und werde mit großer
Aufmerksamkeit verfolgt, sagte der stellvertretende
Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Der Zustand der
Pressefreiheit in der Türkei sei grundsätzlich seit Jahren
Gegenstand internationaler Besorgnis.
Der Vorsitzende der oppositionellen CHP-Partei, Özgür Özel,
bezeichnete die Festnahme als "Schikane". DW-Intendantin Massing
nannte die Vorwürfe gegen Uludag haltlos. Er sei sehr gut vernetzt
und habe Zugang zu wichtigen Quellen. Damit könne er der Regierung -
aus deren Sicht - gefährlich werden.
Wann die Behörden in dem Fall weitere Schritte setzen, war zunächst
unklar. Nach Abschluss der Ermittlungen wird in der Regel ein
Gerichtstermin festgesetzt.
Preisgekrönter Journalist
Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet Uludag laut DW über
Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse. Im Jahr
2021 war Uludag in Deutschland mit dem Raif Badawi Preis für mutigen
Journalismus ausgezeichnet worden.
Unzählige Journalisten sitzen laut Deutschem Journalisten-Verband
(DJV) in der Türkei in Haft. Das Land belegt in der Rangliste der
Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten.
Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder
indirekter Kontrolle der Regierung.
Die Deutsche Welle ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz
in Bonn und Berlin. Ihr Auftrag ist es, ein realistisches Bild
Deutschlands zu vermitteln, den internationalen Dialog zu fördern
und demokratische Werte zu stärken. Das Programm richtet sich an ein
weltweites Publikum in mehr als 30 Sprachen - von Arabisch über
Hindi bis Ukrainisch./nak/DP/mis
AXC0152 2026-02-20/14:52
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Autor: - dpa-AFX
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